<BR /><b>Warum nahmen Sie an der Klimakonferenz teil?</b><BR />Ariane Benedikter: Ich war als Delegierte der Kinder- und Jugendorganisation „Plant-for-the-Planet“ 7 Tage lang vor Ort. Für diese Umweltinitiative engagiere ich mich seit 14 Jahren. <BR /><BR /><b>Konnten Sie bei den Verhandlungen dabei sein?</b><BR />Benedikter: Ich hatte als Delegierte einer Nichtregierungsorganisation (NGO) einen Beobachterstatus und dadurch auch die Genehmigung, mich auf dem Gelände aufzuhalten, wo die Verhandlungen stattfanden. Ich durfte zwar nicht aktiv daran teilnehmen, konnte aber zuhören. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1102197_image" /></div> <b>Was haben Sie dort erlebt?</b><BR />Benedikter: Bilder von der Klimakonferenz zeigten meistens Verhandlungen. Aber die Konferenz ist viel mehr als das: Es gab einen Bereich mit verschiedenen Ständen, auch wir hatten einen Stand. Man trifft Gleichgesinnte, kann Kontakte knüpfen, es entstehen neue Ideen und Projekte. In einem anderen Bereich präsentierten Staaten in Pavillons ihre Interessen. Auf Veranstaltungen wurde über verschiedene Aspekte des Klimaschutzes diskutiert. <BR /><BR /><embed id="dtext86-67587485_quote" /><BR /><BR /><b>Welche Eindrücke haben Sie noch gesammelt?</b><BR />Benedikter: Es war eine sehr bereichernde Erfahrung. Aserbaidschan ist ein Ölstaat, es gab im Vorfeld berechtigte Kritik, warum man gerade an einem solchen Ort eine Klimakonferenz abhält. Bei seiner Eröffnungsrede bezeichnete der Präsident die fossilen Brennstoffe als Geschenk Gottes. Die Abhängigkeit von Öl und Gas ist dort groß. Die UN-Klimakonferenz findet jedes Jahr woanders statt, es gibt 198 mitverhandelnde Parteien (197 Staaten und die EU). Man muss wohl oder übel in Kauf nehmen, dass nicht jeder Veranstaltungsort frei von Kritik ist.<BR /><BR /><b>Es gab auch Proteste der Zivilgesellschaft…</b><BR />Benedikter: Wir haben als Organisation keine Proteste organisiert, aber an einigen teilgenommen, etwa von den pazifischen Staaten oder der Bewegung „Fridays for Future Deutschland“. Sie haben, wie wir, mehr Hilfsgelder und ambitioniertere Ziele beim Klimaschutz gefordert.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1102200_image" /></div> <b>Was war das Hauptziel der 29. UN-Klimakonferenz in Baku?</b><BR />Benedikter: Es ging hauptsächlich um die Klimafinanzierung für Entwicklungsländer: 2009 legte man bei der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen fest, dass die reichen Länder im globalen Norden die armen Länder im globalen Süden finanziell unterstützen. Letztere leiden besonders unter den Auswirkungen des Klimawandels. 100 Milliarden US-Dollar gingen seitdem jährlich an den globalen Süden. Die Verträge dazu endeten, neue mussten aufgesetzt werden: In Baku forderten die Entwicklungsländer eine Unterstützung von 1,3 Billionen US-Dollar jährlich. Schließlich einigte man sich auf 300 Milliarden US-Dollar jährlich, bis 2035. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1102203_image" /></div> <b>Wie bewerten Sie das Endergebnis?</b><BR />Benedikter: Es ist ernüchternd. Die Fortschritte im Klimaschutz sind klein, bei den Ergebnissen gibt es noch viel Luft nach oben. Man muss aber auch bedenken, dass 198 Parteien am Verhandlungstisch sitzen. Sie müssen einen realpolitischen Kompromiss finden. Das ist schwierig. Nichtsdestotrotz sind es die einzigen internationalen Verhandlungen, bei denen man sich mit dem Thema Klimaschutz auseinandersetzt. Gäbe es die UN-Klimakonferenzen nicht, würde vermutlich noch viel weniger passieren. Wichtig ist, dass wir uns als Zivilgesellschaft nicht entmutigen lassen und uns für ambitioniertere Ziele im Kampf gegen den Klimawandel einsetzen. <h3> Zur Person: Ariane Benedikter</h3>Die Umweltaktivistin, Jahrgang 2000, stammt aus Bozen. Sie studiert derzeit Philosophie im Master an der Humboldt-Universität in Berlin. Im Jahr 2022/23 war Benedikter Vize-, 2023/24 Vorsitzende der Südtiroler HochschülerInnenschaft (sh.asus). 2019 wurde sie von Staatspräsident Sergio Mattarella für ihr Umweltengagement als „Alfiera della Reppublica“ (Vorkämpferin der Republik) ausgezeichnet. Seit sie 10 Jahre alt ist, engagiert sie sich für den Klimaschutz. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1102206_image" /></div>