<b>Herr Grassl, wie groß war der Druck, als Letzter des italienischen Teams in der Qualifikation im Kurzprogramm an den Start zu gehen?</b><BR />Daniel Grassl: Das war sehr viel Druck, denn ich trug die Verantwortung fürs ganze Team, dass wir uns fürs Finale qualifizieren.<BR /><BR /><b>Ihr schönster Augenblick bei den Olympischen Spielen?</b><BR />Grassl: Eindeutig der Gewinn der Bronzemedaille. Wir wussten, dass eine Medaille drin sein könnte.<BR /><BR /><b>Was tun Sie gegen Druck?</b><BR />Grassl: Ich mache viel Meditation. Aber die Angst, dass etwas schiefgehen kann, ist immer dabei. Da bin ich oft zu negativ. Aber wir Eiskunstläufer haben eben nur einen einzigen Wettkampf bei Olympia, dann heißt es wieder vier Jahre warten.<BR /><BR /><b>Hat Ihnen die Team-Medaille Druck genommen für den Einzelwettkampf?</b><BR />Grassl: Ja, das war eine große Erleichterung für das Individualprogramm. Auch wenn mir nach dem Kurzprogramm ein Virus zugesetzt hat und es mir sehr schlecht gegangen ist. Glücklicherweise waren zwei Tage zwischen Kurzprogramm und Kür, aber ich habe mich wie tot gefühlt. Ich konnte nichts essen, und das, was ich gegessen habe, habe ich wieder gebrochen. Aber ich habe mich trotz aller Widrigkeiten durch die vier Minuten Kür gekämpft. Die erste Hälfte war sehr gut, dann kamen ein paar Fehler. Aber ich bin glücklich, mit einer Medaille nach Hause zu kommen.<BR /><BR /><b>Wo war die Anspannung größer bei den Olympischen Spielen oder bei der Europameisterschaft in Sheffield?</b><BR />Grassl: Bei Olympia konnte ich den Druck viel leichter ausblenden, ich weiß nicht warum. Vielleicht weil bei der EM jeder etwas von mir erwartet hat, bei den Olympischen Spielen habe ich den Druck nicht so gespürt und ich konnte befreiter laufen. <BR /><BR /><b>Haben Ihre Eltern Ihnen diesmal in der Arena live zugeschaut? Normalerweise schauen sie Ihnen ja nicht zu.</b><BR />Grassl: Meine Mama diesmal schon, mein Papa nicht, der ist viel zu aufgeregt, aufgeregter als ich (lacht). Eigentlich warten sie das Ergebnis ab und schauen sich dann die Aufzeichnung an. <BR /><b><BR />Apropos Eltern: Welche Eigenschaft haben Sie von wem?</b><BR />Grassl: Von meinem Vater sicher den Wettkampfgeist, er ist der Kompetitive. Von meiner Mutter habe ich die Geduld und Ruhe.<BR /><BR /><b>Der Empfang im Rathaus?</b><BR />Grassl: Ich bin sehr glücklich, dass ich eingeladen wurde. Einfach schön, hier zu sein.<BR /><BR /><b>Auf dem Weg ins Rathaus wurden Sie von Meranern um Autogramme und Selfies gebeten. Meran erkennt und mag Sie.</b><BR /><p class="text-space-left"> </p> Grassl: Ja, jetzt nach den Olympischen Spielen passiert mir das öfter, dass man mich erkennt und es freut mich schon sehr.<BR /><BR /><b>Welches Plätzchen in Meran mögen Sie besonders? </b><BR />Grassl: Den Tappeinerweg, da war ich oft als Kind spazieren, oder mit meiner Mama eine Runde auf dem Weihnachtsmarkt zu drehen – wie früher.<BR /><BR /><b> In einem Monat geht’s zur WM nach Prag. Was nehmen Sie von Olympia mit?</b><BR />Grassl: Dass ich schwierige Momente meistern kann. Das gibt mir Sicherheit.<BR /><BR /><b>Sie leben in Turin, aber manchmal trainieren Sie noch in der Meranarena. Da lassen Kinder und Jugendliche Training Training sein, um Sie zu bestaunen...</b><BR />Grassl: Wenn ich für Kinder Inspiration sein kann, sie fürs Eislaufen begeistern kann, dann geht ein großer Wunsch von mir in Erfüllung. <BR /><BR /><b>Eiskunstlauf ist doch etwas für Mädchen, heißt es oft. </b><BR />Grassl: Das ist ein Stereotyp. Man sollte keiner Sportart einen Stempel aufdrücken. Denn Eiskunstlauf ist mit sehr viel Kraft und Energie verbunden.<BR /><BR /><b>Sie sind Vorbild für viele Kinder und Jugendliche. Haben Sie auch ein sportliches Vorbild?</b><BR />Grassl: Natürlich. Jannik Sinner, auch wenn wir fast gleich alt sind. Denn, selbst wenn er verliert, probiert er immer positiv zu bleiben und bereits an das nächste Ziel zu denken.