<BR />Als Ewald Biemans nach Aruba kam, glich die Insel einem kleinen Paradies: In den 1960er Jahren gab es noch kaum Tourismus, viele Dinge waren wiederverwendbar und die Insel ein Geheimtipp. Doch die zuckerweißen Strände sprachen sich schnell herum, der Tourismus wuchs rasant und brachte neue Herausforderungen mit sich. <BR /><BR />Hotels wuchsen schneller als Palmen in die Luft, Wälder und Mangroven wichen Pools und Gästezimmern. Ewald Biemans bereitete diese Entwicklung Sorge. Deswegen kam er auf die Idee, ein Zeichen zu setzen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1212036_image" /></div> <BR /><BR />Biemans wandert bereits in jungen Jahren gemeinsam mit seiner Mutter in die Karibik aus. Er hat zahlreiche Jobs im Hotelgewerbe und lernt so die Herausforderungen aber auch Chancen des Tourismus kennen. Hinzu kommen Ölkrisen, die plötzliche Angst vor dem Ozonloch und Einwegplastik, das mehr und mehr in der unberührten Natur Arubas zu finden ist. <BR /><BR /><embed id="dtext86-71444710_quote" /><BR /><BR />Dann kommt die Klimakonferenz 1992 in Rio de Janeiro. Ein Weckruf – auch für Ewald Biemans. Er hatte sein Hotel 1987 eröffnet und eigenhändig die Kokospalmen an den Strand „Eagle Beach“ gepflanzt, der laut Tripadvisor heute zu den drei schönsten Stränden der Welt zählt.<h3> Luxus und Nachhaltigkeit?</h3> Für Ewald Biemans geht es dabei nicht nur um den Profit, sondern darum, gemeinsam zu wachsen, Bewusstsein zu schaffen und eine Vorbildfunktion zu sein. Die Frage ob sein Nachhaltigkeitskonzept auch auf andere Betriebe anwendbar wäre, bejaht der gebürtige Brixner:<BR /><BR /><embed id="dtext86-71444719_quote" /><BR /><BR />Aus diesem Grund hat der Hotelier ein eigenes Spar- und Darlehensprogramm für seine Mitarbeiter eingerichtet, mit dem er Kredite an seine Angestellten vergibt. Diese Kredite unterstützen die Einheimischen, wenn sie in Nachhaltigkeit investieren wollen, also etwa in E-Autos oder eigene Solaranlagen.<h3> Weiterbilden und Bewusstsein schaffen</h3>Auf seine Initiative hin bildet das Bucuti & Tara Beach Resort seine Mitarbeiter und die Bewohner der Insel in nachhaltigen Themen weiter, denn Biemans weiß, dass in Bewusstsein und Bildung der Schlüssel zu einer besseren Zukunft liegt. Um sicherzugehen, dass die Lieferanten seines Hotels die hohen ethischen und ökologischen Standards für eine Zertifizierung erfüllen, hat er eine eigene Zulieferfirma gegründet – die nun auch andere Hotels auf der Insel mit nachhaltigen Produkten ausstattet und lange Lieferwege vermeidet.<BR /><BR />Die Liste seiner umgesetzten Projekte ist lang: Er ist Inhaber der größten Solaranlage auf Aruba, er hat einen eigenen Park gegründet. Er hat 12 Hektar Land in ein Naturschutzgebiet auf der Insel verwandelt und bereits mehr als 1000 Bäume gepflanzt, es sollen insgesamt mehr als 15.000 werden. Bereits jetzt haben sich viele von Arubas 280 Vogelarten dort niedergelassen. Und täglich finden mehr Arten dort ein Zuhause.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1212039_image" /></div> <h3> „Immer einen Schritt weiter denken“</h3>Auch auf die Frage der Emissionen bei der Anreise präsentiert er eine Lösung: Sein „Carbon Neutrality Concierge Service“ hilft bei der Buchung von umweltfreundlichen oder regenerativen Aktivitäten während des Aufenthalts auf der Insel.<BR /><BR />Er kam auf die Idee per Bewegungssensor die Klimaanlage in den Zimmern auszuschalten, sobald der Gast die Räume verlässt. Das spart bis zu 38 Prozent der Energiekosten. Einwegplastik ist seit mehr als 20 Jahren aus dem Resort verbannt. Jährlich werden mehr als 12 Millionen Liter Wasser eingespart. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1212042_image" /></div> <BR /><BR />Auch beim Abfall zeigen sich Auswirkungen: Das Resort hat seinen Abfall um 68 Prozent reduziert. Übrig gebliebene Buffetspeisen werden zunächst der Belegschaft zur Verfügung gestellt oder an örtliche Bauern abgegeben. Und wenn es ihm zu viel wird, schnappt er sich auch gerne selbst zwei Eimer Essensreste und bringt sie zu seinen 40 Hühnern auf seinem eigenen Bauernhof.<BR /><BR />Die Formel für nachhaltigen Tourismus lautet für Biemans „immer einen Schritt weiter zu denken“. Neuen Herausforderungen mit neuen Ideen begegnen und nie aufhören, sich weiterzuentwickeln.<h3> Overtourism : Ein Problem – mehrere Lösungsansätze</h3> Aruba hat 110.000 Einwohner und wird jährlich von eineinhalb Millionen Touristen heimgesucht. Somit kämpft auch die kleine Karibikinsel mit mit zunehmenden Tourismusströmen sowie stetiger Neueröffnungen von Hotels und Appartments. Die Regierung erlies aus diesem Grund ein Maßnahmenpaket, um den Massenandrang in Bahnen zu lenken. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1212045_image" /></div> <BR /><BR />Dieses reicht von einer Obergrenze an Flügen pro Tag, Propagandaarbeit zum Thema Nachhaltigkeit, durchdachter Abfallregelung, dem Ausbau der öffentlichen Infrastruktur und Mobilität bis hin zu Zertifizierungen von Hotelbetrieben bei Einhaltung von Vorschriften.<BR /><BR />Zudem will sie sich als „Öko-Insel“ positionieren und auf nachhaltige Energiequellen wie Wind und Sonne setzen. Die Regierung fördert Bildungsprojekte für Kinder im Bereich Umweltschutz und will durch nachhaltige Infrastruktur eine moderne und umweltfreundliche Anreise ermöglichen. <h3> Die nächste Generation übernimmt das Ruder</h3>Wie so viele Hoteliers stellte sich auch Ewald Biemans nach Jahrzehnten an der Spitze irgendwann die alles entscheidende Frage: „Wie geht es weiter?“ Nun hat er die Antwort gefunden. Der 80-Jährige übergibt sein Lebenswerk an Enkelin Cresi Biemans – und damit an eine neue Generation, die das Haus künftig vielleicht sogar CO2-negativ führen wird.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1212048_image" /></div> <BR /><BR />Dass das Hotel bereits 2020 von den Vereinten Nationen als „umweltfreundlichstes der Welt“ ausgezeichnet wurde, sieht er dabei nicht als Schlusspunkt, sondern als Auftrag. Mit spürbarer Erleichterung und auch ein wenig Stolz sagt er: „<i>Die neue Generation kommt mit neuen Ideen – und meiner Enkelin traue ich hier einiges zu.</i>“<?O_Zwischentitel><?_O_Zwischentitel>