Dabei hatte eigentlich alles so unbeschwert angefangen: Erst Ende Februar war die Südtirolerin voller Motivation in den Nahen Osten gereist. Ihre Arbeit sollte sie um die halbe Welt bringen, Erfahrung hatte sie bereits auf anderen Routen gesammelt. Es war eine Rückkehr in vertraute Häfen. Als die USA und Israel ihren Angriff auf den Iran starteten, befand sie sich gerade in einem Taxi. Sie hatte ihre Pause genutzt, um die Hauptstadt zu erkunden. Auf einmal klingelten die Telefone: Der Taxifahrer und die Südtirolerin hatten gleichzeitig eine SMS erhalten: „Nationaler Alarm, Doha wird angegriffen.“ <h3> „Niemand wusste, wie es weitergehen sollte“</h3>Als sie auf das Schiff zurückkehrte, hörte sie bereits die Durchsagen eines leitenden Verantwortlichen: „Alle Personen müssen an Bord bleiben.“ Die Außendecks und Fenster wurden geschlossen. Der US-amerikanische Stützpunkt befindet sich 40 Kilometer vom Standort des Schiffes entfernt. „Niemand wusste, wie es weitergehen sollte“, erinnert sie sich. Passagiere, die eigentlich schon abgereist waren, kehrten zurück. Plötzlich herrschte Ausnahmezustand, ein Auslaufen des Schiffes war nicht mehr möglich. <BR /><BR />Die Straße von Hormus zu passieren, ist viel zu gefährlich. Sie ist nur rund 50 Kilometer breit und nicht nur eine der wichtigsten Routen für den weltweiten Ölhandel, sondern wird auch von anderen kommerziellen Schiffen genutzt. Viele davon stecken nun in der Golfregion fest. <h3>Rakete in unmittelbarer Nähe abgefangen</h3> Immer wieder greift der Iran US-amerikanische Militärziele in Katar an. „Tagsüber ist es ruhiger, abends lauter“, erzählt die Südtirolerin. Einmal kam zur Mittagszeit die Durchsage, dass alle Menschen ins Innere des Schiffes gehen müssen, unbedingt weg von den Fenstern. Warum? „Wegen der Raketensplitter“, erklärt sie. Eine Rakete war über dem Schiff, wurde aber von der Luftabwehr abgefangen. <BR /><BR />„Wann hört das auf? Wie geht es weiter?“, sind Fragen, die ihr immer mal wieder durch den Kopf gehen. Angst hat die Südtirolerin trotzdem nicht. „Die Situation ist irreal. Hier im Hafen sind wir aber am sichersten“, sagt sie. Es werde alles dafür getan, um Gefahren zu bannen. <h3> Sicherheitslage bleibt angespannt</h3>Die Passagiere wurden versorgt, der Betrieb lief so normal wie möglich weiter. Vergangene Woche gab es Angriffe auf den internationalen Flughafen von Doha. Sämtliche Raketen und Drohnen konnten vor Erreichen des Flughafengeländes abgewehrt werden. „Den Flughafen sehe ich von meinem Fenster aus“, schildert sie. <BR /><BR />Inzwischen darf sie sich nicht nur auf dem Schiff, sondern auch auf dem Hafengelände aufhalten. Die Sicherheitslage ist nach wie vor angespannt, der Luftraum wurde jedoch schrittweise geöffnet. Für die Passagiere wurden Rückflüge organisiert, mittlerweile sind die meisten wieder daheim. Lange wusste die Südtirolerin nicht, wie die nächsten Schritte aussehen, ob und wann sie überhaupt nach Hause reisen kann. Auf dem Schiff wurde es mit jedem Tag ruhiger. Gespenstisch ruhig. <h3><b>Das Leben ist unberechenbar</b></h3>Vor wenigen Tagen kam dann die Mitteilung, dass sie anfangen soll, ihre Koffer zu packen. Erste Flüge würden für einige Crew-Mitglieder organisiert werden. Man soll sich bereithalten. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis sie zurückkehren kann – in ihre Heimat, in Sicherheit. Eigentlich hätte sie noch Monate auf dem Schiff arbeiten sollen. Doch das Leben, das macht der Iran-Krieg wieder einmal deutlich, ist manchmal unberechenbar.