Dienstag, 20. Dezember 2016

Zwölf Tote bei Lkw-Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt

Bei der Todesfahrt mit einem Lastwagen in einen Berliner Weihnachtsmarkt handelt es sich nach Erkenntnissen der Polizei um einen „vermutlich terroristischen Anschlag“, bei dem am Montagabend zwölf Menschen starben. Der Täter lenkte einen mit Stahlträgern beladenen Laster in die Menge an der Gedächtniskirche, deren Ruine als eines der Wahrzeichen Berlins bekannt ist.

Am Dienstagmorgen wurden Blumen in der Nähe des Weihnachtsmarktes niedergelegt.
Am Dienstagmorgen wurden Blumen in der Nähe des Weihnachtsmarktes niedergelegt. - Foto: © APA/AFP

48 Menschen wurden laut Polizei zum Teil schwer verletzt. Der Fahrer flüchtete. Ein Verdächtiger wurde aber kurz darauf gefasst. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen handelt es sich um einen 23-Jährigen aus Pakistan, der als Flüchtling nach Deutschland kam. Am Morgen durchsuchte die Polizei laut Medien eine Unterkunft für Flüchtlinge in Berlin, weitere Festnahmen gab es dabei aber offenbar nicht.

Wie Reuters aus Sicherheitskreisen erfuhr, lebte der 23-jährige gefasste Verdächtige in der Flüchtlingsunterkunft auf dem früheren Berliner Flughafen Tempelhof. Er habe mehrere Namen benutzt und sei der Polizei wegen kleinerer Delikte bekannt gewesen. Das RBB-Inforadio berichtete, die Polizei habe die Unterkunft in der Früh durchsucht.

Beifahrer vermutlich erschossen

Der polnische Beifahrer des mutmaßlichen Attentäters von Berlin ist nach Angaben des Innenministeriums des Bundeslands Brandenburg vermutlich erschossen worden. Der Pole hatte den Lastwagen nach bisherigen Erkenntnissen gefahren, bevor der Lkw in die Hände des Attentäters fiel. Der Mann, der erschossen in dem Lastwagen aufgefunden wurde, sei Opfer und nicht Täter, erklärte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter. Ob es sich dabei um eine Entführung gehandelt hat, ist noch unklar.

Lkw gehört polnischer Spedition

Der Lkw gehörte einer polnischen Spedition, wie deren Eigentümer Ariel Zurawski dem polnischen Sender TVN 24 sagte. Der Fahrer, sein Cousin, sei seit etwa 16 Uhr am Montag nicht mehr zu erreichen gewesen. Für ihn könne er die Hand ins Feuer legen, dass er kein Attentäter sei. „Ihm muss etwas angetan worden sein“, mutmaßte er. Der Lkw habe am Dienstag in Berlin entladen werden sollen. Er gehe davon aus, dass das Fahrzeug entwendet worden sei.

Hundertschaften vor Ort

Die Berliner Polizei gab schon am späten Montagabend vorerst Entwarnung, dass keine weitere Gefahr bestehe. Es gebe keine Hinweise auf weitere gefährdende Situationen in der City nahe dem Breitscheidplatz. Feuerwehr, Krankenwagen und Polizei waren mit Hundertschaften an Ort und Stelle. Der traditionelle Weihnachtsmarkt, auf dem zahlreiche Holzbuden zerstört wurden, war mit einem Polizei-Band abgesperrt. Die Polizei hatte die Bevölkerung zunächst aufgerufen, zu Hause zu bleiben.

Erinnerungen an Nizza

Der Anschlag weckt Erinnerungen an die Todesfahrt mit einem Lkw am 14. Juli auf der Strandpromenade im französischen Nizza. Dabei wurden mehr als 80 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Die Sicherheitsbehörden warnen seit langem, Deutschland stehe wie andere Staaten im Fadenkreuz islamischer Extremisten. Viele Weihnachtsmärkte in Deutschland stehen daher unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen.

Sorge bereiten den Behörden gerade auch Einzeltäter, die sich im Stillen oder im Internet radikalisieren.

apa/reuters/afp/dpa 

stol