Samstag, 03. Juli 2021

50. Todestag von Jim Morrison

Am heutigen Samstag, 3. Juli ist Jim Morrison - ein Künstler, auf den Begriffe wie Ikone, Reizfigur oder Kultstar wirklich zutreffen - seit 50 Jahren tot. Ebenso lange schon lebt der morbide Mythos des Sängers der US-Band The Doors.

Das Grab von Jim Morrison wird sehr vielzählig besucht.
Das Grab von Jim Morrison wird sehr vielzählig besucht. - Foto: © APA/AFP / JOEL ROBINE
Am heutigen Samstag dürfte wieder einiges los sein auf dem berühmten Pariser Friedhof Père Lachaise, rund um das Grab Nummer 5, 6. Division, 2. Reihe. Vermutlich noch mehr als üblich an einem für Millionen Musikfans bitteren Datum.

Zuletzt schien der Pilgerstrom von Fans und Trauer-Touristen nachgelassen zu haben. Der Andrang habe sich stark gelegt, sagt einer der Friedhofswächter, damit aber auch das teilweise unzivilisierte Verhalten von Gästen an dem mit weißen Rosen, Schellmuscheln, einem gerahmten Bild des Sängers und einem bunten Windrad geschmückten Grab.

Immer wieder hinterließen sie hässliche Spuren: leere Whiskyflaschen und Kippen von Joints, der Grabstein mit Graffiti beschmiert, und 1988 verschwand sogar seine Büste. Im Jahr 1990 wurde die letzte Ruhestätte der Kultfigur renoviert, 2004 wurden schließlich Sicherheitsbarrieren installiert.

Bis vor der Corona-Krise sollen jährlich bis zu 3 Millionen Besucher zu dem 44 Hektar großen Parkfriedhof gekommen sein, sehr viele mit dem etwas abgelegenen Grab der Rock-Ikone als Ziel.

Krude Theorien über Morrisons Todesumstände

Am Morgen des 3. Juli 1971 war der Musiker mit 27 Jahren in einem Pariser Apartment gestorben – vermutlich an einer fatalen Mischung aus Alkohol und harten Drogen.

Oder steckten doch dunkle Hintermänner, gar ein Komplott dahinter? „50 Jahre später sind die Todesumstände der Rock-Ikone noch immer ungeklärt“, betont der deutsch-französische Sender – und will „nicht nur mit den Mythen aufräumen, sondern auch ein Porträt des Mannes zeichnen, der er in den letzten Monaten seines Lebens geworden war“.

Regisseur Olivier Monssens schildert den körperlichen Niedergang des in wenigen Jahren zum Weltstar aufgestiegenen Rock-Posterboys, der sich gleichwohl mehr als Dichter empfand, mit eindrücklichen Bildern vom glanzvollen Karrierestart 1967 bis zum düsteren Ende 1971. Auch der destruktive Zwiespalt zwischen Popidol-Sexyness und Poeten-Selbstbild wird in der Doku „Jim Morrison: Die letzten Tage in Paris“ kenntlich – obwohl die eine oder andere Idylle aufleuchtet.




„Er erschuf die Rock-Ikone seiner Zeit, dann zerstörte er dieses
Bild, ganz methodisch“,sagt einer seiner Wegbegleiter. „Mit der äußerlichen Veränderung wollte er alle Fans abstoßen, die nur von seiner Erscheinung fasziniert waren, und nur die behalten, die sein Talent schätzten“, so erklärt ein anderer die Verwandlung Morrisons vom Schönling zu einem aufgeschwemmten, ungepflegten Wrack.

Weniger klar wird in der Schilderung von vielen überwiegend Pariser Zeitzeugen, ob der US-Sänger nun wirklich – vom Suff geschwächt und total zugedröhnt – in einer Badewanne starb, während nebenan seine Freundin Pamela Courson ihren eigenen Drogenrausch ausschlief. Oder ob er bereits auf dem Klo eines angesagten Clubs durch Heroin zu Tode kam, das er ansonsten eigentlich mied – was dann von 2 anonym bleibenden Männern vertuscht worden sein soll. Es bleibt diffus.

„Er war ein Poet, ein Troubadour unserer Zeit“, schwärmt am Ende der durchaus sehenswerten Dokumentation Rosalie Varda, die Tochter der französischen Filmemacherin und Morrison-Vertrauten Agnès Varda (1928-2019). Auch andere Freunde aus der Pariser Zeit würdigen sein dichterisches Talent jenseits aller Rockstar-Posen: Jim Morrisons größte Leistung sei womöglich gewesen, „dass es ihm gelang, ganze Generationen wieder an Poesie heranzuführen“.

apa/dpa/stol

Alle Meldungen zu: