Montag, 17. September 2018

50. Todestag von Padre Pio

Er klebt hinter Windschutzscheiben und wackelt als Plastikfigürchen auf dem Armaturenbrett wie sonst Elvis. Er hängt auch in Bars und Autowerkstätten – gerne auch neben Kalendern mit Pinup-Girls: Padre Pio. Dabei liegt der Todestag von Italiens beliebtestem Heiligen bereits 50 Jahre zurück, er starb am 23. September 1968.

Eine Statue in Gedenken an den Heiligen in San Giovanni Rotondo in Apulien.
Eine Statue in Gedenken an den Heiligen in San Giovanni Rotondo in Apulien. - Foto: © shutterstock

Padre Pio, als Francesco Forgione 1887 im apulischen Städtchen Pietrelcina geboren, ist heute beliebter – zumindest bildlich präsenter – als der Nationalheilige Franz von Assisi, als Antonius von Padua oder Katharina von Siena.

Doch während die 3 Letztgenannten auch im übrigen Europa, teils sogar weltweit, hoch angesehen sind, bleibt „Padre Pio“ der italienischste aller Heiligen. Überall ist das Bildnis des grauhaarig bärtigen Kapuzinermönches zu sehen, auch in Kirchen sind massenhaft Kunstharzfiguren des Kapuzinermönchs zu finden. Die Bildnisse des 1999 Selig- und 2002 Heiliggesprochenen sind Ikonen wie andernorts Popstars. Als der Sarg mit dem einbalsamierten Leichnam Padre Pios von April 2008 bis September 2009 erstmals in der riesigen neuen Wallfahrtskirche von Star-Architekt Renzo Piano zu besichtigen war, verwandelten 8,6 Millionen Menschen San Giovanni Rotondo in einen der meistbesuchten Wallfahrtsorte der Welt.

Für ältere Menschen ist er ein Zeitgenosse 

Was macht ihn so beliebt? Für ältere Italiener ist Pater Pio noch Zeitgenosse, keine Gestalt des fernen Mittelalters wie Franz von Assisi. Jüngere kennen ihn als Heiligen des Medienzeitalters. Neben den ungezählten Fotos erzählen Radiomitschnitte und Fernsehaufnahmen seine Heiligenvita, mit „Padre Pio TV“ gibt es einen eigenen Fernsehsender.

Padre Pio war ein Mann tiefer Frömmigkeit und Einfachheit; in einer Gesellschaft mit Hang zur „bella figura“ fällt das auf. Zudem muss Pater Pio – ähnlich dem Pfarrer von Ars, dem französischen Priester Jean-Marie Vianney (1786-1859) – ein außergewöhnlicher Beichtvater gewesen sein. Er habe vom „Morgen bis zum Abend“ die Beichte gehört, sagte Papst Paul VI. einmal. Hunderttausenden hat er Trost, Zuversicht und Hoffnung geschenkt. Zudem hatte Pater Pio offenbar die Gabe, ausweichend Beichtenden ihre nicht klar ausgesprochenen Sünden auf den Kopf zuzusagen. Das hinterlässt bleibenden Eindruck.

Mysteriöse 5 Wundmale Christis

Pater Pios Beliebtheit und Aura beruhen aber auch auf den mysteriösen 5 Wundmalen Christi, die er am 20. September 1918 in Ekstase empfangen haben soll. Angeblich waren sie stets offen und blutig, weswegen er an den Händen Stulpen trug, damit die Leute nicht darauf starrten. Andererseits gibt es bis heute Stimmen, die sagen, der Pater habe mit Chemikalien nachgeholfen. Ihre immerwährende Frische verdankten die Wundmale der lokalen Apotheke.

Eine vatikanische Untersuchung kam in den 1930er Jahren zu dem Ergebnis, die Wundmale seien ein Fall von Autosuggestion. In der offiziellen Biografie, die zu seiner Heiligsprechung im Jahr 2002 veröffentlicht wurde, werden die Stigmata nicht ausdrücklich erwähnt. Überhaupt blieben die Kirchenoberen in Rom dem Volksheiligen aus dem Süden gegenüber lange sehr reserviert.

Johannes XXIII., selber Volks-Papst, soll gesagt haben, der Ordensmann richte eine „enorme Verwüstung der Seelen“ an. Aber Angelo Roncalli stammte auch aus dem Norden. Schon in den 1930er und noch einmal den 1960er Jahren wurde Pater Pio gemaßregelt. Er sollte seine Auftritte, zu denen Tausende kamen, einschränken. Seiner Popularität tat das keinen Abbruch – im Gegenteil. Die Massen kamen – bis kurz vor seinem Tod am 23. September 1968.

Selig- und Heiligsprechung durch Johannes Paul II.

Als Papst Franziskus im vergangenen März den Geburtsort und die Wirkungsstätte des Volksheiligen besuchte, war das auch eine Reverenz an die vom argentinischen Papst selbst geschätzte Volksfrömmigkeit. Auch Johannes Paul II., der ihn selig- und heiligsprach, verehrte den Kapuziner. Als junger Priester schon hatte Karol Wojtyla den Seelsorger im Süden besucht, seine Predigten gehört und selbst bei ihm gebeichtet.

Es heißt, der Wunderheilige aus San Giovanni Rotondo habe dem polnischen Priester damals prophezeit, er werde einmal Papst werden. Padre Pio fasziniert also nicht nur Italiener.

kap

stol