Montag, 29. Januar 2018

Arena von Verona: Cecilia Gasdia am Chefposten

Seit wenigen Tagen steht sie als erste Frau an der Spitze der Arena von Verona. Die Sopranistin Cecilia Gasdia (57) ist zur neuen Intendantin der Stiftung aufgerückt, die das größte Freilicht-Operntheater der Welt führt. Nach einer Krisenphase hofft die Arena mit der gebürtigen Veronesin auf den Neustart.

Cecilia Gasdia steht als erste Frau an der Spitze der Arena Verona.
Cecilia Gasdia steht als erste Frau an der Spitze der Arena Verona. - Foto: © shutterstock

APA: Frau Gasdia, die Arena von Verona hat Krisenjahre hinter sich. Wegen hoher Schulden wurde sie 2016 unter Aufsicht eines Sonderverwalters gestellt, der ein rigoroses Sparprogramm umgesetzt hat. Wie geht es jetzt weiter?

Cecilia Gasdia: „Wir fangen bei Null an. Die Schulden sind eingedämmt , die Weichen für den Neustart sind gestellt. Die Zahl der Mitarbeiter wurde reduziert, doch wir verfügen über das notwendige Personal, damit die Arena aufs Beste neu beginnen kann. Wir wollen das Publikum zurückgewinnen, das wir in den vergangenen Jahren zum Teil verloren haben“.

APA: Was werden Sie den Zuschauern in der neuen Saison bieten?

Gasdia: Wir arbeiten an großen Projekten, Gespräche sind mit namhaften Künstlern und Regisseuren im Gange. Die Aufführungen der Arena müssen die Zuschauer beeindrucken, erstaunen. Bei der Planung setze ich insbesondere auf die persönlichen Kontakte, die ich in meiner 30 jährigen Karriere als Sopranistin und Pianistin aufgebaut habe. Ich will aber vor der offiziellen Präsentation des Programms noch nichts enthüllen.

APA: Wie steht es mit ausländischen Zuschauern?

Gasdia: Die Arena von Verona ist das größte Freilicht-Operntheater der Welt und in seiner Art einmalig. Zuschauer aus dem deutschsprachigen Raum sind uns besonders wichtig. Österreicher sind der Arena seit jeher treu. Wir warten auf sie mit offenen Armen und versprechen große Neuigkeiten.

APA: Sie sind die erste Frau, die in 105 Jahren zur Intendantin der Arena ernannt wurde, und sie stammen aus Verona. Was bedeutet diese neue Verantwortung für Sie?

Gasdia: Ich bin nicht nur gebürtige Veronesin, sondern habe hier auch meine ganze künstlerische Ausbildung vollendet. Schon mit 15 Jahren war ich Statistin in der Arena. Ich erinnere mich an mein Staunen, als ich meine erste 'Carmen' gesehen habe. Im Laufe von 18 Jahren bin ich öfters als Sopranistin an der Arena aufgetreten. Seit 2015 leite ich die Akademie für italienische Oper in Verona. Meine Beziehung zu diesem Theater ist sehr eng.

APA: Zum ersten Mal ist ein Intendant der Arena auch Sängerin. Bringen Sie damit mehr Verständnis für die Bedürfnisse der Künstler mit?

Gasdia: Ich denke schon. Mein Ziel ist es, eng mit den Künstlern zusammenzuarbeiten und vor allem junge Talente zu fördern. Dabei wird mir meine eigene Erfahrung als Leiterin der Akademie für italienische Oper zugutekommen. Ich hoffe, die schönsten Stimmen der Zukunft unterstützen zu können. Bei uns sind junge Talente willkommen. Wir wollen sie fördern und sie werden ihrerseits für die Arena nützlich sein.

APA: Was halten Sie von Opernregisseuren, die auf kontroverse Inszenierungen setzen?

Gasdia: Heute ist es fast normal, dass Opern in Zeiten versetzt werden, in denen sie ursprünglich nicht spielen. Man kann natürlich experimentieren, doch eine Grundidee, die funktioniert, muss es geben.

APA: Was ist eigentlich mit dem Projekt, ein mobiles System zur Überdachung der Arena zu bauen?

Gasdia: Das Projekt ist auf Eis gelegt worden. Das Thema ist nicht mehr aktuell.

APA: Die Arena von Verona winkt nicht nur mit Opern. Sie haben bereits ein Sommerprogramm von Rock- und Popkonzerten mit Größen der internationalen Musikszene wie Bob Dylan, Lenny Kravitz, Deep Purple, die Scorpions und Sam Smith vorgestellt. Wie verbindet man Opernaufführung mit Rockkonzerten?

Gasdia: Die Einnahmen durch Vermietung der Arena für Rockkonzerte fließen in unsere Kassen. Das ist für uns besonders wichtig.

APA: Als Sopranistin sind Sie oft an der Wiener Staatsoper aufgetreten. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Gasdia: Ich bin 1985 in Luisa Miller mit Pavarotti aufgetreten, eine wunderbare Aufführung. Legendär war auch 1988 die Inszenierung von „Viaggio a Reims“ mit Monserrat Caballe unter dem Dirigat von Claudio Abbado. Das Publikum hat 36 Minuten lang applaudiert. Es war eine riesige Ovation.

apa

stol