Freitag, 27. Juli 2018

Australisches Kartenprojekt beweist Massaker an Tausenden Aborigines

Die Täter kamen mit Schwertern, Pistolen, Bajonetten oder Gift: Australische Forscher haben Beweise für Massaker an Tausenden Ureinwohnern des Kontinents gefunden, verübt von Regierungsbeamten der damaligen britischen Kolonialmacht. In nur einem Jahr entdeckten die Historiker Belege für 250 Orte, an denen sechs oder mehr Menschen auf einmal umgebracht wurden. 6200 der Opfer waren Aborigines, weniger als 100 der Toten weiße Siedler, teilten die Forscher von der australischen Universität Newcastle am Freitag mit.

Auf der Karte können die einzelnen Massaker abgerufen werden. - Foto: Screenshot
Auf der Karte können die einzelnen Massaker abgerufen werden. - Foto: Screenshot

Selbst unter strengsten Ansprüchen an die Beweislage gebe es vermutlich noch einmal genauso viele weitere Tatorte, sagte Lyndall Ryan, Geschichtsprofessorin und Leiterin des Kartographieprojekts „Colonial Frontier Massacres Map“. Ihr eigene anfängliche Skepsis gegenüber Berichten von Massakern sei der überwältigenden Faktenlage gewichen.

„Den meisten Australiern wurde beigebracht, dass die Besiedlung Australiens größtenteils friedlich war“, sagte Ryan. „Aber die Geschichte ist komplizierter, die Massaker waren sehr weit verbreitet und es gab mehr von ihnen, als ich mir je vorgestellt hatte.“

Es ist das nach eigenen Angaben erste groß angelegte australische Forschungsprojekt, das die Besiedlung des Kontinents im 18. und 19. Jahrhundert unter dem Gesichtspunkt von Kriegsverbrechen dokumentiert und als Karte aufbereitet. Die Vorfälle von 1788 bis in die 1930er Jahren sind mitsamt Quellen zugänglich.

Der Staat hat die Geschichte der sogenannten Grenzkriege zwischen Siedlern und Ureinwohnern bislang kaum aufgearbeitet. Seit einigen Jahren steigt aber das Bewusstsein für das Unrecht, das Aborigines durch europäische Neuankömmlinge widerfuhr. Kommende Woche soll das australische Parlament einen Zwischenstand im lange währenden Prozess der Anerkennung der Ureinwohner in der Verfassung vorlegen.

dpa

stol