Donnerstag, 22. Februar 2018

75. Todestag von Hans und Sophie Scholl

„Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt. Entscheidet Euch, eh es zu spät ist!“ Diese Botschaft verbreitete die Widerstandsbewegung „Weiße Rose“ in einem ihrer Flugblätter. Am 22. Februar 1943 werden die Geschwister Scholl und Christoph Probst für ihre Ideale hingerichtet.

Hans und Sophie Scholl wurden vor 75 Jahren für ihre Ideale hingerichtet.
Hans und Sophie Scholl wurden vor 75 Jahren für ihre Ideale hingerichtet.

Auch 75 Jahre nach ihrem Tod wird vielerorts der beiden Geschwister Hans und Sophie Scholl gedacht, unter anderem in Bozen.

Hier die wichtigsten Stationen ihres Widerstandskampfes.

  • 27. Juni bis 12. Juli 1942: Hans Scholl und Alexander Schmorell entwerfen und verbreiten die ersten vier Flugblätter der „Weißen Rose“.
  • Ende Januar 1943: Das fünfte Flugblatt der „Weißen Rose“ erscheint. Hans Scholl, Schmorell und Willi Graf verteilen rund 5000 Exemplare nachts in der Münchner Innenstadt.
  • Februar 1943: Die Gestapo richtet eine Sonderkommission ein, die ermitteln soll, wer hinter den regimekritischen Flugblättern steckt.
  • 12. bis 16. Februar 1943: Das von Kurt Huber verfasste sechste Flugblatt wird gedruckt und verteilt.
  • 18. Februar 1943: Sophie und Hans Scholl werden in der Universität München verhaftet, als sie dort Flugblätter verteilen. Am Abend werden Willi Graf und seine Schwester Anneliese verhaftet. Schmorell versucht unterzutauchen.
  • 20. Februar 1943: Christoph Probst wird in Innsbruck verhaftet.
  • 22. Februar 1943: Die Geschwister Scholl und Christoph Probst werden vom Volksgerichtshof unter Vorsitz von Roland Freisler zum Tode durch die Guillotine verurteilt. Das Urteil wird noch am gleichen Tag vollstreckt.
  • 24. Februar 1943: Alexander Schmorell wird in München verhaftet.
  • 27. Februar 1943: Kurt Huber wird verhaftet.
  • 19. April 1943: Willi Graf, Schmorell und Huber werden zum Tode verurteilt.
  • Juni 1943: Thomas Mann spricht in einer BBC-Sendung von der „Weißen Rose“.
  • 13. Juli 1943: Schmorell und Huber werden unter dem Fallbeil hingerichtet.
  • 12. Oktober 1943: Nach monatelangen Verhören wird auch Graf hingerichtet.
  • Dezember 1943: Britische Bomber werfen das sechste Flugblatt der „Weißen Rose“ über Deutschland ab.

Das sechste Flugblatt der „Weißen Rose“

Als Hans und Sophie Scholl am 18. Februar 1943 in der Münchner Universität festgenommen wurden, hatten sie das sechste Flugblatt der „Weißen Rose“ verteilt. Hier der Inhalt des Flugblattes im Wortlaut:

„Kommilitoninnen! Kommilitonen!
Erschüttert steht unser Volk vor dem Untergang der Männer von Stalingrad. Dreihundertdreißigtausend deutsche Männer hat die geniale Strategie des Weltkriegsgefreiten sinn- und verantwortungslos in Tod und Verderben gehetzt. Führer, wir danken dir!
Es gärt im deutschen Volk: Wollen wir weiter einem Dilettanten das Schicksal unserer Armeen anvertrauen? Wollen wir den niedrigsten Machtinstinkten einer Parteiclique den Rest unserer deutschen Jugend opfern? Nimmermehr! Der Tag der Abrechnung ist gekommen, der Abrechnung der deutschen Jugend mit der verabscheuungswürdigsten Tyrannis, die unser Volke erduldet hat. Im Namen des ganzen deutschen Volkes fordern wir vom Staat Adolf Hitlers die persönliche Freiheit, das kostbarste Gut der Deutschen zurück, um das er uns in der erbärmlichsten Weise betrogen.
In einem Staat rücksichtsloser Knebelung jeder freien Meinungsäußerung sind wir aufgewachsen. HJ, SA und SS haben uns in den fruchtbarsten Bildungsjahren unseres Lebens zu uniformieren, zu revolutionieren, zu narkotisieren versucht. “Weltanschauliche Schulung„ hieß die verächtliche Methode, das aufkeimende Selbstdenken und Selbstwerten in einem Nebel leerer Phrasen zu ersticken. Eine Führerauslese, wie sie teuflischer und zugleich bornierter nicht gedacht werden kann, zieht ihre künftigen Parteibonzen auf Ordensburgen zu gottlosen, schamlosen und gewissenlosen Ausbeutern und Mordbuben heran, zur blinden, stupiden Führergefolgschaft. Wir Arbeiter des Geistes, wären gerade recht, dieser neuen Herrenschicht den Knüppel zu machen. Frontkämpfer werden von Studentenführern und Gauleiteraspiranten wie Schulbuben gemaßregelt, Gauleiter greifen mit geilen Späßen den Studentinnen an die Ehre. (...)
Es gibt für uns nur eine Parole: Kampf gegen die Partei! Heraus aus den Parteigliederungen, in denen man uns politisch weiter mundtot halten will! Heraus aus den Hörsälen der SS-Unter- und -Oberführer und Parteikriecher! Es geht uns um wahre Wissenschaft und echte Geistesfreiheit! Kein Drehmittel kann uns schrecken, auch nicht die Schließung unserer Hochschulen. Es gilt den Kampf jedes einzelnen von uns um unsere Zukunft, unsere Freiheit und Ehre in einem seiner sittlichen Verantwortung bewußten Staatswesen.
Freiheit und Ehre! Zehn lange Jahre haben Hitler und seine Genossen die beiden herrlichen deutschen Worte bis zum Ekel ausgequetscht, abgedroschen, verdreht, wie es nur Dilettanten vermögen, die die höchsten Werte einer Nation vor die Säue werfen. Was ihnen Freiheit und Ehre gilt, das haben sie in zehn Jahren der Zerstörung aller materiellen und geistigen Freiheit, aller sittlichen Substanz im deutschen Volk genugsam gezeigt. Auch dem dümmsten Deutschen hat das furchtbare Blutbad die Augen geöffnet, das sie im Namen von Freiheit und Ehre der deutschen Nation in ganz Europa angerichtet haben und täglich neu anrichten. Der deutsche Name bleibt für immer geschändet, wenn nicht die deutsche Jugend endlich aufsteht, rächt und sühnt zugleich, ihre Peiniger zerschmettert und ein neues geistiges Europa aufrichtet. Studentinnen! Studenten! Auf uns sieht das deutsche Volk! Von uns erwartet es, wie 1813 die Brechung des Napoleonischen, so 1943 die Brechung des nationalsozialistischen Terrors aus der Macht des Geistes. Beresina und Stalingrad flammen im Osten auf, die Toten von Stalingrad beschwören uns!
“Frisch auf mein Volk, die Flammenzeichen rauchen!„
Unser Volk steht im Aufbruch gegen die Verknechtung Europas durch den Nationalsozialismus, im neuen gläubigen Durchbruch von Freiheit und Ehre.“

dpa

stol