Was der Gründer und Geschäftsführer der Basis Vinschgau, Hannes Götsch dazu sagt, lesen Sie im Gespräch.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1288347_image" /></div> <BR /><BR />„BASIS Vinschgau trägt in vielerlei Hinsicht zum zeitgenössischen architektonischen Diskurs bei. Hier entsteht eine neue Öffentlichkeit – nicht vollständig geplant, sondern praktiziert, erlebt, verhandelt. Aus der ehemaligen Drusus Kaserne wird eine Infrastruktur des Austauschs. Nicht durch große architektonische Gesten – Place Making als kollektiver Prozess, als sozialer Raum im Werden, ist ein prägender Bestandteil der Architektur. BASIS Vinschgau ist Architektur im Gebrauch. Vielleicht ist ein kleines räumliches Konzept manchmal sogar in Vergessenheit geraten, doch was hier geschieht, ist das radikale Raum geben für diverse Nutzungen. Dieser soziale Prozess mit seinen aktiven Akteuren wird hier mit einem Sonderpreis ausgezeichnet“, so die Begründung der Jury.<BR /><BR /><BR /><b>Wie lässt sich der Prozesscharakter von BASIS Vinschgau – als „Architektur im Gebrauch“ – in einem architektonischen Diskurs verankern, der traditionell stärker auf formale Konzepte als auf gelebte Praxis fokussiert ist?</b><BR />Hannes Götsch: Wir verstehen Architektur in unserem Anwendungsfall nicht als fertiges Objekt, sondern als Konstruktionsprozess sozialer Infrastruktur. Ein permanentes Provisorium. Die Qualität entsteht weniger durch formale Perfektion als durch die kontinuierliche Aneignung durch Menschen und Programme, Tag und Nacht. In diesem Sinne wird Architektur zu einer Infrastruktur für gesellschaftliche Praxis. „Architektur im Gebrauch“ bedeutet, dass Raum erst durch Aktivierung, Nutzung und Veränderung seine eigentliche Bedeutung erhält.<BR /><BR />Formal-gestalterische Zurückhaltung ist dabei eine bewusste Strategie. Unsere Rolle der Autorinnenschaft und Autorenschaft verschiebt sich hin zu einer Praxis zwischen Unterstützung, Vorausschau und Moderation. Wir geben Verantwortung ab und treffen gleichzeitig Entscheidungen. Prozesse des Scheiterns, Umbauens und Neuarrangierens sind dabei Teil des Entwurfs. Die eigentlichen Gestaltungsspielräume liegen weniger in der Kontrolle des Resultats als in der sozialen Praxis des Ermöglichens.<BR /><BR /><BR /><b>Inwiefern verändert die Transformation der ehemaligen Drusus-Kaserne zu einer offenen Infrastruktur des Austauschs das Verständnis von öffentlichem Raum im ländlichen Kontext des Vinschgau?</b><BR />Götsch: Die ehemalige Kaserne war ein geschlossener, militärischer Ort. Heute ist sie eine offene Plattform für Kultur, Wirtschaft und Begegnung. Dadurch entsteht im Vinschgau eine neue Form von Öffentlichkeit: ein Raum, der nicht nur zugänglich ist, sondern aktiv von der Gemeinschaft genutzt und gestaltet wird. Dies führt in der Wahrnehmung von „öffentlichem Raum“ zu „gemeinschaftlich öffentlichem Raum“. Ein wesentlicher Unterschied im eigenverantwortlichen Umgang mit Gemeingut.<BR /><BR /><BR /><BR /><b>Welche Rolle spielen Nutzerinnen und Nutzer als aktive Akteure in diesem kollektiven Place-Making-Prozess – und wie beeinflusst ihre Teilhabe die Wahrnehmung von Architektur als sozialem statt primär gebautem Raum?</b><BR />Götsch: Bei BASIS sind Nutzerinnen und Nutzer nicht nur Gäste, sondern Mitgestaltende des Ortes. Daher sind eine bedarfsorientierte, modulare Nutzbarkeit und zukunftsfähige Anpassungsfähigkeit der Raumplanung ausschlaggebend für den Erfolg. Wir als BASIS-Team haben daher im Raumplanungsprozess unser Kulturwissen zur Dynamik der Folgenutzung eingebracht. Von monokulturellen Einzwecklösungen zu polykulturellen, modular anpassbaren Mehrzwecklösungen. Placemaking bedeutet hier, dass Raum nicht nur gebaut, sondern gemeinsam produziert wird. Und dieser Übergang von einseitigem Konsum zur Produktion bildet dann eine empathischere Eigentümerinnenschaft die Potentiale erkennt und lösungsorientiert handelt.