Nicht zuletzt sind Bibliotheken auch Orte des freien Wissens, hieß es am Samstagnachmittag auf der Jahreshauptversammlungen des Bibliotheksverbandes in der Eurac in Bozen. <BR /><BR />Überhaupt eine denkwürdige Jahresversammlung, die in die Annalen des Bibliotheksverbandes eingehen wird: Verabschiedete sich doch Präsidentin Gerlinde Schmiedhofer von ihrem Team und den zahlreichen Bibliothekarinnen, die in die Eurac gekommen waren. Nach 25 Jahren stellte sie sich nicht mehr der Wahl, „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, wie sie sagte. <BR /><BR />In ihrer Abschiedsrede bedankte sie sich bei Kulturlandesrat Philipp Achammer und der Kulturabteilung der Landesregierung für die stets sehr gute Zusammenarbeit, „auf Augenhöhe und in gegenseitiger Wertschätzung“. Es sei gelungen, den BVS von einem Interessenverband zu einem professionellen Dienstleister für seine Mitglieder zu machen, freute sich die scheidende Präsidentin. „Es ist das Verdienst Gerlinde Schmiedhofers, die Bedeutung der Bibliotheken in unserer Gesellschaft zu stärken und das kulturelle Leben in Südtirol zu bereichern“, bedankte sich Achammer in einer Videozuschaltung. Eine Laudatio auf die Arbeit des Verbandes gab es vom Präsidenten des Gemeindeverbandes Andreas Schatzer. Rührig verabschiedete schließlich das gesamte 15-köpfige BVS-Team unter Leitung des neuen Geschäftsführers Stephan Leitner seine Präsidentin.<h3>Rückblick und Vorschau</h3>Für Leitner war es das erste Mal, dass er der Mitgliederversammlung die obligatorische Bilanz, einen Rückblick auf 2023 sowie die Vorschau auf das Jahr 2024 präsentierte. Mit 900.000 Euro hat der neue Geschäftsführer einen gewaltigen Batzen Geld zu verwalten. Dem gegenüber steht eine umfangreiche Dienstleistung für die 1718 Mitglieder.<BR /><BR />Die Schwerpunkte des heurigen Arbeitsjahres stellte BVS-Vizepräsidentin Karin Hochrainer vor: Es gibt neue Mitgliedsausweise, neue Computerprogramme werden angekauft, bewährte Studienfahrten (Leipzig, Straßburg) und Fortbildungen wieder organisiert. Einen Schwerpunkt nimmt der Aufbau der „Bibliothek der Dinge“ ein; in Zukunft soll man in den Bibliotheken vermehrt auch „Dinge“ ausleihen können, z.B. eine E-Gitarre, eine Fotobox… Geplant sind Aktionen zum Thema „Kinderarbeit“, „Mehr Menschlichkeit“, zu den Zielen der UN-Agenda 2030. Schließlich wies Hochrainer darauf hin, dass ab 2025 alle Bibliotheken laut den neuen Regelungen des Dritten Sektors auch eine Mehrwertsteuernummer haben müssen. Die Rolle des Rechnungsprüfers für den BVS, der nun „Kontrollorgan“ heißt, wird auf Vorschlag von Stephan Leitner die Boznerin Evelyn Reich einnehmen, so beschloss es die Versammlung.<h3>Chancen und Risiken der Künstlichen Intelligenz </h3>„Bibliotheken könnten der Ausgangspunkt von öffentlichen, vertrauenswürdigen KI-Systemen sein“, sagten Anton Walder und Valentin Umlauft vom Zentrum für Informationskompetenz an der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol. Der heurige Fachvortrag unter dem Titel „Faszination und Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz“ stand ganz im Zeichen von ChatGPT und dem „Hype“ um die die generative KI (siehe Interview). Die 2 Nordtiroler wiesen darauf hin, dass Bibliotheken wichtiger denn je sein werden als unparteiische Anbieter von gesichertem Wissen. Die Bibliothek werde auch in Zukunft ein bedeutender Ort bleiben, der dem Lesen und Lernen gewidmet ist, sind sich Walder und Umlauft sicher.<BR />