Dienstag, 08. November 2016

Bozen: Stolpersteine erinnern an Holocaust

Mit den Novemberpogromen von 1938 wurde die Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung gesteigert, die knapp drei Jahre später in den Holocaust mündete. Ein trauriger Höhepunkt der Verfolgung war die "Reichspogromnacht" am 9./10. November 1938, in der zahllose Synagogen, Bethäuser, Geschäfte und Friedhöfe zerstört, Tausende Menschen in Konzentrationslagern inhaftiert und Hunderte von ihnen ermordet wurden.

Seit 2015 erinnern 15 Stolpersteine an den Genozid durch das nationalsozialistische Regime. - Foto: Stadtgemeinde Bozen
Seit 2015 erinnern 15 Stolpersteine an den Genozid durch das nationalsozialistische Regime. - Foto: Stadtgemeinde Bozen

Auch in Bozen erinnern seit dem Jänner 2015 - 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz-Birkenau - 15 Stolpersteine an die Schicksale von jüdischen Mitbürgern, die den Genozid der Nazis, in Südtirol eifrig von den Faschisten unterstützt, nicht überlebt haben. Die Gedenksteine wurden vom deutschen Künstler Gunter Demnig auf Initiative des Stadtarchivs Bozen 2015 an verschiedenen Standorten des Altstadtbereichs vor dem letzten freiwillig gewählten Wohn- oder Arbeitsort der späteren Opfer verlegt, ihre Inschriften in eine Messingplatte eingeprägt.

Gottlieb Wiedenhofer (Links) und Hannes Obermair beim Putzen der Stolpersteine. - Foto: Stadtgemeinde Bozen

Stolpersteine werden gereinigt

Bozens Kulturstadtrat Sandro Repetto hat das heurige Gedenken an die Pogrome zum Anlass genommen, eine Reinigung der Stolpersteine zu veranlassen. Hannes Obermair, Direktor des Stadtarchivs, und sein Mitarbeiter Gottlieb Wiedenhofer haben nun die Steine einzeln einer behutsamen Pflege unterzogen. Das mit der Zeit dunkel angelaufene Messing der Stolpersteine leuchtet nun wieder deutlich sichtbar und geht nicht mehr optisch in der Umgebung auf.

Zurzeit 15 Bozner Stolpersteine

Die Stolpersteine erinnern in Bozen derzeit an folgende Opfer des NS-Rassenwahns: Aldo Castelletti (1891-1943), Renzo Carpi (1887-1943), Lucia Carpi-Rimini (1900-1943), Alberto Carpi (1926-1943), Germana Carpi (1927-1943), Olimpia Carpi (1940-1943), Charlotte Landau-Neuwohner (1885-1944), Felicitas Landau (1913-1944), Adalgisa Ascoli (1887-1943), Adolf Schwarz (1871-1944), Josef Weinstein (1876-1944), Wilhelm Alexander Loew-Cadonna (1873-1944), Auguste Freund (1882-1944), Ada Tedesco (1881-1945), Bernhard Czopp (1879-1944).

Jüngstes Opfer 3 Jahre alt

Eine von ihnen, Olimpia Carpi, geboren am 27. März 1940 in Bozen, war gerade mal drei Jahre alt, als sie ins NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert wurde. Ihre Eltern, Lucia Rimini und Renzo Carpi, hatten in Mantua geheiratet und lange in Innsbruck gelebt, wo ihre älteren Geschwister Alberto und Germana geboren wurden. 1933 übersiedelte Familie Carpi nach Bozen, wo Renzo seine Handelstätigkeit fortsetzte.

In der Nacht vom 15. auf den 16. September 1943, wenige Tage nach der Besetzung Südtirols durch die deutsche Wehrmacht, wurde Olimpia mit ihrer Mutter Lucia und ihrer sechzehnjährigen Schwester Germana zu Hause festgenommen. Renzo und der siebzehnjährige Alberto waren bereits einige Tage vorher, am 9. September 1943, in Bozen verhaftet und ins Gefängnis gebracht worden. Die gesamte Familie Carpi wurde ins "Arbeitserziehungslager" Reichenau bei Innsbruck und von dort ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet.

stol

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