Dienstag, 16. Juni 2020

Covid-19 und ich: Junge Menschen kommen zu Wort

Die Schulbank wird am heimischen Esstisch gedrückt, das Treffen mit den Freunden findet nur noch am Handy statt und der einzige „echte“ soziale Kontakt seit Wochen sind die eigenen Eltern: Auch Kinder und Jugendliche sind von der Coronakrise stark betroffen. Wie sie diese Zeit erleben und erlebt haben, lest ihr auf STOL in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Jugendring.

Heute hat Michael Plotheger über die digitale Ungerechtigkeit während der Krise geschrieben.
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Heute hat Michael Plotheger über die digitale Ungerechtigkeit während der Krise geschrieben. - Foto: © shutterstock
In Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Jugendring (SJR) kommt jeden Dienstag eine Jugendliche oder ein Jugendlicher auf STOL zu Wort.

Unter dem Motto „Covid-19 und ich“ berichten sie von ihren Erfahrungen in den vergangenen Wochen und/oder äußern ihre Wünsche an die Politik.

Heute hat der 21-jährige Michael Plotegher aus Leifers seine Gedanken für uns niedergeschrieben.


„Mir geht es den Umständen entsprechend gut“, das waren meine Gedanken am Höhepunkt dieser Krise. Zurecht, ich bin ausgeschult, ein Einzelkind, beide Eltern arbeiten für die Provinz und das Haus ist abbezahlt.

Für die Unterhaltung sorgte der heimische Computer mit einer stabilen Internetverbindung. Ich konnte die fürchterlichsten Wochen dieses Jahres bequem mit Netflix, Facebook, Amazon und YouTube in meinen Wänden aussitzen.

Was mir im Nachhinein aber dann auch aufgefallen ist, ist, wie diese Krise die digitale Ungleichheit in dieser Gesellschaft aufgezeigt hat.

Völlig unvorbereitet mussten Familien, Kinder und Lehrer von der altbekannten, traditionellen Bildung auf digitalen Unterricht umstellen. Wenn die Anschaffung von EDV-Geräten für Familien schon während Hochkonjunkturzeiten nur schwer finanzierbar war, dann war/ist die Krise ein Genickbruch.

Kinder und Jugendliche brauchen Bildung, was aber, wenn Bildung ausschließlich über Computer genossen werden kann und es zu perversen Preissteigerungen für Computer und vor allem Webcams kommt? So stiegen die Preise für Webcams während der Krise um 400 Prozent, eine krankhafte, kapitalistische Konsequenz auf das geringe Angebot und die gigantische Nachfrage.

Wenn die Anschaffung eines Computers für ein Kind schon kaum zu bewältigen ist, was machen dann Familien mit 2 oder sogar mehr Kindern? Teilen ist kaum machbar, da der Unterricht oft zur selben Zeit stattfindet.

Es entwickelt sich eine nachhaltige, soziale Ungerechtigkeit: Bildung bekommt nur der, der sich einen eigenen Computer und eine gute Internetverbindung leisten kann oder Zugang zu Hilfsangeboten bekommt.

Das darf nicht sein! Im 21. Jahrhundert darf dies einfach nicht sein. Wenn ich aber nur nörgeln würde, dann würde ich nicht zur Besserung der Situation beitragen. Ich möchte deswegen dieses Medium nutzen, um folgenden Vorschlag der allgemeinen Öffentlichkeit zur Diskussion zugänglich zu machen und den Politikern*Innen einen Denkanstoß anbieten:

Alle Schüler*Innen sollten jedes Jahr ab der 1.Grundschule, einen „Computergutschein“ vom Land erhalten, um EDV-Geräte anschaffen zu können, dies würde jedem Kind den Zugang zu digitalen Medien ermöglichen. Alternativ schlage ich vor, dass das Land Südtirol „Volkscomputer“ zur Verfügung stellt. Funktionale Laptops mit austauschbaren Elementen, um die Wartung zu vereinfachen, bestückt mit OpenSource Software, um nicht von bezahlpflichtigen Programmen wie „Windows“ abhängig zu sein.



Mach auch Du mit!

Wenn auch Du den politischen Entscheidungsträgern mitteilen möchtest, wie Du die Dinge siehst, was Deiner Meinung nach anders zu regeln ist oder was bereits richtig geregelt wird, dann kannst Du das hier mittels eines Statements machen.

Wenn Du aus Deinem Corona-Alltag berichten möchtest, also darüber, wie sich Dein Leben mit Corona verändert hat, wie du Schule, Universität oder die Arbeit erlebst oder darüber, wie Deine „Online-Treffen“ „echte“ soziale Kontakte ersetzen, dann kannst Du diesen Erfahrungsbericht hier schicken.

stol