Dienstag, 30. Juni 2020

Covid-19 und ich: Junge Menschen kommen zu Wort

Seit Anfang Mai hatten Südtirols Jugendliche die Möglichkeit, sich im Rahmen dieser Aktion - einer Zusammenarbeit von STOL und dem Südtiroler Jugendring - Gehör zu verschaffen. Sie erzählten, wie sie die Corona-Pandemie und den Lockdown erlebt haben bzw. gaben bekannt, was sie in Bezug auf Corona anders regeln würden. Der heutige Beitrag ist der letzte der Serie.

In einer gemeinsamen Aktion mit dem Südtiroler Jugendring kommen Jugendliche zu Wort.
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In einer gemeinsamen Aktion mit dem Südtiroler Jugendring kommen Jugendliche zu Wort. - Foto: © shutterstock
In Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Jugendring (SJR) kam seit Anfang Mai jeden Dienstag eine Jugendliche oder ein Jugendlicher auf STOL zu Wort.

Unter dem Motto „Covid-19 und ich“ berichteten sie von ihren Erfahrungen in den vergangenen Wochen und/oder äußerten ihre Wünsche an die Politik.

Den Abschluss macht Kevin Gruber (24) aus Meran mit einem Kommentar darüber, was die Zukunft wohl bereit halten mag.


Der epidemiologische Notstand Covid-19 war und ist gewiss ernst zu nehmen. Das Virus ist aber nicht nur auf den Menschen übergesprungen, es hat auch massiv die Wirtschaft geschädigt. Die Konsequenz des Lockdowns ist eine Wirtschaftskrise, einschneidender als die Weltwirtschaftskrise ab 2007.

Rezessionsphasen und die damit verbundenen ökonomischen Schwierigkeiten vieler Betriebe führen in der Regel auch zu Entlassungen.

Mit dem Auslaufen des Entlassungsschutzes am 17. August 2020 ist folglich auch mit einer Entlassungswelle zu rechnen. Vermutlich sind davon überproportional viele junge Arbeitskräfte, Berufseinsteiger etc. betroffen. Aber auch Jugendliche, die sich dazu entschieden haben, eine Lehrstelle anzutreten, könnten in allerletzter Konsequenz durch die Finger schauen, da die Betriebe nicht mehr die Ressourcen haben, ihnen diese wichtige Zukunftschance zu geben.

Bis zum Beginn der Coronakrise hatten wir die Situation, dass es beinahe Vollbeschäftigung gegeben hat. Viele Betriebe waren in der Situation, händeringend nach Arbeitskräften zu suchen und die Chancen für Mitarbeiter, Lohnerhöhungen genehmigt zu bekommen, standen gut.

In der post-Corona-Zeit wird sich die Lage wenden: Mehrere Arbeitskräfte werden bei Stellenangeboten in Konkurrenz zueinander treten, die Chancen auf übertarifliche Verträge werden dementsprechend sinken und die Löhne tendenziell niedriger ausfallen.

Als Konsequenz dieser Trendumkehr am Arbeitsmarkt wird vielen Jugendlichen die Möglichkeit vorenthalten werden, Arbeitserfahrung zu sammeln. Deshalb sollten Betriebe, die vielleicht nicht ganz so stark vom Covid-19-Notstand betroffen sind, den Jugendlichen zumindest die Chance geben, als Praktikanten ins Erwerbsleben zu schnuppern.

Dies sollte aber nur passieren, wenn die Betriebe effektiv nicht in der Lage sind, die Person langfristig zu beschäftigen. Dasselbe gilt für die öffentlichen Körperschaften: auch diese sind gefordert, in den Sommermonaten die Praktikantenstellen auszubauen, um eine flächendeckende Beschäftigung der Jugendlichen zu fördern.

Ich vertrete auch mit Nachdruck die Meinung, dass die öffentlichen Körperschaften junge Menschen mittels Lehrvertrag ausbilden sollten. Damit würde in der Summe ein neuer Arbeitspool für Lehrlinge und Jugendliche entstehen.

Aktuell gibt es die dafür normativen Voraussetzungen noch nicht und die Landesregierung müsste diesbezüglich in Rom intervenieren. Die traditionelle Lehre würde durch diese Maßnahme wesentlich aufgewertet und vor allem in Krisenzeiten würden neue, sichere Lehrstellen geschaffen.

Dieser Kommentar ist natürlich spekulativ, aber aufgrund der Erfahrungen mit vergangenen Krisen, erscheint ein Eintreten der beschriebenen Szenarien als äußerst wahrscheinlich. Deshalb sollten wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, zu reagieren um den Impact der Krise abzufedern.



Der Südtiroler Jugendring und STOL bedanken sich bei allen für die Teilnahme!

stol