Sonntag, 27. Januar 2019

Demos gegen Einrichtung von „Bannon-Universität“ bei Rom geplant

Italien-weite Protestkundgebungen gegen die vom früheren Trump-Chefstrategen Steve Bannon geplante Akademie bei Rom sind am 16. März geplant. Die Demonstrationen werden von einem Netzwerk von Verbänden organisiert. „Italien hat ein demokratisches, und nicht ein populistisches oder nationalistisches Herz“, so die Sprecherin des Netzwerks, Daniela Bianchi, nach Medienangaben.

Steve Bannon war Donald Trumps enger Berater.
Steve Bannon war Donald Trumps enger Berater. - Foto: © APA/AFP

Bereits am 29. Dezember war es in Collepardo westlich von Rom zu einer Demonstration gegen Pläne gekommen, eine im 13. Jahrhunderte errichtet Kartause in eine „Universität“ unter der Leitung des rechten Ideologen Bannon umzuwandeln.

Die im Jahr 1204, 100 Kilometer westlich von Rom, errichtete Kartause von Trisulti befindet sich seit 1947 im Besitz des Zisterzienserordens. Wegen Nachwuchsmangels hatte der Orden zunehmend Probleme mit der Erhaltung des Gebäudes, in dem nur noch ein einziger, alter Mönch lebt.

Das italienische Kulturministerium hatte nach einer öffentlichen Ausschreibung der Stiftung „Dhi – Dignitatis Humanae Institute“ die Konzession gemacht, die Kartause 19 Jahre lang für 100.000 Euro pro Jahr zu verwalten. Geleitet wird die Stiftung vom 43-jährigen Briten Benjamin Harnwell, der Bannon nahe steht. In der Kartause will er eine internationale Universität für die Führungselite einer neuen politischen Rechten einrichten.

Zum Beirat der Denkfabrik gehören unter anderem die Kardinäle Raymond Leo Burke und Walter Brandmüller, wie italienische Medien berichteten. Bannon war Berater des späteren US-Präsidenten Donald Trump und von Jänner bis August 2017 Chefstratege im Weißen Haus in Washington.

„Diese Stiftung verfügt über enorme Geldmittel, deren Herkunft obskur ist“, warnte der linke Parlamentarier Nicola Fratoianni in einem Antrag an die Regierung. Diese erwiderte, dass der Beschluss, die Kartause der Stiftung Dhi anzuvertrauen eine Entscheidung des Vorgängerkabinetts gewesen sei. Die Stiftung sei bei der Ausschreibung als einziger Interessent übrig geblieben.

Harnwell, der auch als Pächter des Anwesens auftritt, wurde von Medien mit der Aussage zitiert, Trisulti solle Sitz des „Verteidigungskampfs der jüdisch-christlichen Kultur“ weltweit werden. Medienberichten zufolge will das Institut ab 2019 in Rom und von 2020 an in der mittelalterlichen Kartause politische Seminare abhalten, die Bannons Denkrichtung verpflichtet sind und unter anderem die Grundlagen des Populismus und Nationalismus behandeln.

apa

stol