Viele nennen den 11-jährigen Krieg um Spanien von 1703 bis 1714 einen ersten Weltkrieg. Beteiligt waren die damaligen Großmächte Österreich, Spanien, Frankreich und England mit Schlachten auch in Nordamerika. Den ersten überwältigenden Sieg dieses Krieges errangen die eigentlich völlig unbeteiligten Tiroler. <BR /><BR />Die Siegessäule in der Maria Theresien-Straße erinnert bis heute daran. Obwohl die Katalanen für Österreich kämpften, geistert dieser Krieg mit seinen weltberühmten Feldherrn nur sehr nebulos durch die heimischen Geschichtsbücher. <h3> Die jüngste Verrücktheit</h3>Am 8. August 2024 riskierte der ehemalige Präsident des Regionalparlaments <b>Puigdemont</b> nach 7-jährigem Exil eine Rede von 5 Minuten in Barcelona. Einem Riesenaufgebot der spanischen Polizei unter dem Codewort „Käfig“ gelang es nicht, den Politiker festzunehmen.<BR /><BR /> Der Spott über die Polizei war groß. Wenn man aber weiß, dass bei Demonstrationen zur Unabhängigkeit Kataloniens bis zu einer Million Menschen auf den Straßen von Barcelona waren, hat man Verständnis für die überforderte Polizei, deren katalanische Kollegen nie sehr kooperativ waren. <BR /><BR />2017 hatte Puigdemont die unabhängige Republik Katalonien ausgerufen. Madrid verurteilte ihn zu 30 Jahren Kerker wegen Terrorismus. Einige Mitkämpfer waren 4 Jahre im Gefängnis. Die sozialistische Nachfolgeregierung begnadigte alle „Terroristen“, doch das Oberste Gericht in Madrid sprach Puigdemont nicht frei von der Verschwendung von Steuergeldern für das Unabhängigkeitsreferendum. Juristisch ist hier ein weites Feld offen für Verurteilungen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1071363_image" /></div> <h3> Zusammenhang mit Südtirol</h3>Das alles erinnert an Südtirol in der dunkelsten, aber relativ kurzen Zeit der Sprengstoffanschläge und Folterungen. Die Abgründe zwischen Spanien und Katalonien reichen aber unvergleichlich tiefer. In Tirol war es anders. <BR /><BR />Da war Italienisch seit Jahrhunderten die zweite Landessprache und bis 1918 war der 1. Landeshauptmannstellvertreter in Innsbruck stets ein Welschtiroler. Hätte es 1918 nicht die Grenze am Brenner, sondern in Salurn gegeben, Hass und Sprengstoff wären überflüssig gewesen. So betrachtet hinken die Vergleiche mit der friedensstiftenden Südtirol-Autonomie. <BR /><BR />Dazu etwas Skurriles zur Liebe zwischen Deutschen und Italienern: Als <b>Goethe</b> bei seiner 1. Italienreise am 14.9.1786 in Malcesine die Skaligerburg zeichnete, sollte er als Spion des Kaisers verhaftet werden. Doch einige sagten, er möge doch berichten wie schön es bei uns ist, vielleicht kommen dann noch ein paar Deutsche an den Gardasee. Und Goethe hat in Malcesine heute ein Denkmal. <BR /><BR />Etwas so Liebenswürdiges wäre in Katalonien seit 1714 undenkbar. Denn die Bourbonen zerstörten in ihrem Zentralisierungswahn alle jene Rechte, die Habsburg vorher fast immer respektiert hatte. Bis heute ist der König aus Madrid in Barcelona unerwünscht.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1071366_image" /></div> Wenn der FC Barcelona gegen seinen Erzrivalen Real Madrid spielt, wird in Barcelona nach 17 Minuten und 14 Sekunden die Flagge Kataloniens entrollt und durch das Stadion dröhnt „Independencia!“<BR /><BR /> Gemeint ist das Ende der Unabhängigkeit, die Vernichtung Barcelonas und die Folterung der halbverhungerten Verteidiger. Besonders schlimm war die Zeit der Franco-Diktatur. Bei seinem Tod erlebte Europa die größte Demonstration mit einer Million Katalanen. <h3> Prügelszenen im Jahre 2017</h3>2017 sah Europa fassungslos die TV-Bilder: Die Guardia Civil verprügelte Bürger, die zur Abstimmung über die Unabhängigkeit anstanden. Puigdemont flüchtete. Und nicht nur Spanien war fassungslos über die Ansprache des Königs. Normalerweise bemühen sich Monarchen um Ausgleich wie Staatspräsidenten, doch <b>Felipe VI.</b> zog über Katalonien her wie schon sein Vater. Sogar die Parteien in Madrid kritisierten, er habe die Chance vertan, König aller Spanier zu werden. <BR /><BR />Die konservative Regierung Rajoy, die 2018 gestürzt wurde, forderte für Puigdemont 30 Jahre Haft und die Auslieferung aus Deutschland. Ein deutsches Gericht fällte das erste vernünftige Urteil seit 300 Jahren. Es sah keine Gewalt und daher keine Rebellion.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1071369_image" /></div> <h3> Der Krieg um Spanien begann in Tirol</h3>Kataloniens Tragödie beginnt 1700. 39-jährig, degeneriert und kinderlos stirbt <b>Karl II.,</b> letzter König der Casa da Austria. Katalonien entscheidet sich für den österreichischen Thronanwärter, den späteren Kaiser <b>Karl VI.</b>, den Vater der <b>Maria Theresia.</b> „Das Ungeheuer“ in Paris, wie man den „Sonnenkönig“ <b>Ludwig XIV.</b> außerhalb Frankreichs nannte, lässt seinen dementen Enkel als <b>Felipe V.</b> zum König von Spanien ausrufen.<BR /><BR /> Im Reichskrieg verbündet sich einzig Bayern mit Frankreich, um Tirol zu erobern. Obwohl ein Krieg gegen den eigenen Kaiser sogar nach damaligem internationalen Recht ein Verbrechen war. Unter Andreas Hofer wiederholte sich diese schöne bayerische Geschichte. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1071372_image" /></div> Die bayerische Invasionsarmee marschiert 1703siegessicher in Kufstein ein. Tirols Schützen werfen sie bei Scharnitz hinaus. Diesen glänzendsten Sieg Tirols verpatzen Lokalhistoriker mit dem patscherten Begriff „Bayerischer Rummel“ als wäre es eine Oktoberfestschlägerei. Die Anna-Säule ist die erste Erinnerung dieses großen Krieges, die konservierten Grundmauern der zerschossenen Gebäude in Barcelona 11 Jahre später sind die letzten. Zu besichtigen bis heute<BR /><BR />Die weiteren Siege übernehmen <b>Prinz Eugen</b> und sein Verbündeter, der <Fett>Herzog von Marlborough</Fett>, ein Vorfahre von <b>Winston Churchill.</b> 1709 war „Das Ungeheuer“ in Paris zu Verhandlungen bereit. Den Frieden verhinderte Prinz Eugen mit maßlosen Forderungen. Er wollte jenen Sonnenkönig demütigen, der ihn als kleinen unschönen Prinzen abwies. Der Politiker Eugen ruinierte alle Siege des Feldherrn Eugen. <h3> Pech für Österreich und Katalonien</h3>1711 stirbt in Wien 31-jährig <Fett>Kaiser Joseph I.</Fett> Und alles ist anders in Europa. Karl, der in Spanien um die Krone kämpft, muss als <Fett>Karl VI.</Fett> Kaiser werden. Damit droht dieselbe österreichische Übermacht wie unter Karl V., der Kaiser des Reiches und zugleich König von Spanien war. Die neue englische Regierung will nicht so viel Macht für Österreich.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1071375_image" /></div> Sie stürzt den Waffenbruder des Prinzen Eugen und führt die üblichen Geheimverhandlungen. Die Franzosen erhalten 1713 den Thron in Madrid. Dort sitzen sie heute noch und kassieren gelegentlich Millionen. Dafür erhalten die Engländer Gibraltar. Da sitzen sie heute noch im Stil von Great Britain first und spielen ein bisschen Weltmacht. Die Verträge mit Austria und Katalonien waren das Papier nicht wert, auf dem sie standen. <BR /><BR />Nur Katalonien kämpft weiter für die Casa de Austria. 14 Monate wird Barcelona belagert. Die Eingeschlossenen führt ein spanischer Feldherr, der die Seiten wechselte, <b>Antonio de Villarroel.</b> Als ein Massaker droht, schlägt er Kapitulationsverhandlungen vor. Die Bürger kämpfen weiter.<BR /><BR /> Österreich schickt seinem Helden ein Kriegsschiff und bietet ihm die Stelle eines Feldmarschalls in Wien an. Er eilt zum Schiff, kehrt aber um. Er will mit seinen Männern sterben. Er wird schwer verwundet und nach der Eroberung Barcelonas am 11.9.1714entgegen allen Vereinbarungen von den Bourbonen gefoltert. Er ist Spaniens unbequemster Held bis heute.<BR /><BR />General <b>Josep Moragues</b> versucht von Mallorca aus für Austria zu kämpfen. Er wird geköpft. Sein Kopf hängt 12 Jahre öffentlich in Barcelona. Katalonien, die einst reichste Provinz Spaniens wird verwüstet.<h3> Arbeit oder Stierkampf</h3>Sanchez Pinol schreibt in seinem Buch <Kursiv>„Der Untergang Barcelonas“</Kursiv> 2012, Katalonien habe eine andere Sprache und Kultur als Spanien. Das einzig Gemeinsame sei der Heiligenkalender. Die Katalanen verabscheuen Stierkämpfe. Für vornehme Spanier galt Arbeit als Schande.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1071378_image" /></div> Für einen Katalanen galt es als Schande nicht zu arbeiten. Die reichen Kaufleute waren immer in Barcelona und nicht erst seit es die größte Industriestadt Spaniens ist, fühlt es sich von Madrid ausgenützt. <BR /><BR />Wir sehen die Iberische Halbinsel als Einheit. Es ist eine Vielvölkerregion. Die Grenze zwischen Spanien und Portugal ist die älteste stets gleich gebliebene Grenze Europas. Sie trennt 2 Mentalitäten. Davon träumt Katalonien.<BR /><BR />Eine Versöhnung bahnte sich 2006 mit der neuen Autonomie an. Doch Zentralregierung und König erzwangen die Aufhebung durch das Verfassungsgericht 2010. Die Katalanen bitten heute die EU ebenso vergeblich um Vermittlung wie einst die Vorfahren ihre Verbündeten England und Austria. <h3> Unverstandene Kunstwerke</h3>Etwas Großartiges ist Österreich bis heute geblieben von seinem letzten Kampf um Spanien. In Innsbruck ist Maximilian umgeben von bedeutenden Herrschern. Es war Propaganda: Nur dem Haus Österreich steht die Kaiserwürde zu. Nach diesem Vorbild ließ Wien seine Hofkünstler, die drei Tiroler <b>Brüder Strudel</b> vom Nonsberg, eine Habsburgergalerie schaffen, um sein Anrecht auf den spanischen Thron zu zeigen. <BR /><BR />Es ist das erste Monumentalwerk aus Laaser Marmor, heute der teuerste Marmor der Welt. 31 überlebensgroße Herrscher waren 1714 fertig, im Jahr des Verlustes von Barcelona. Damit war der politische Sinn erloschen. Übrig bleibt die Kunst. Die meisten Figuren stehen im Prunksaal der Nationalbibliothek.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1071381_image" /></div> England dagegen erfreute sich am Erwerb Gibraltars, an riesigem französischen Kolonialbesitz in Nordamerika und an der Schwächung Europas. Deshalb nennen manche mit Recht den 11-jährigen Krieg einen ersten Weltkrieg. <BR /><BR /><b>Zu den Standbildern:</b> Sämtliche Figuren schufen die Brüder Peter, Paul und Dominik Strudel, Maler und Bildhauer aus Cles am Nons- berg. Der Kaiser erhob sie als Barone in den Adelsstand. Peter ist Gründer der Kunstakademie in Wien, ursprünglich Strudelakademie in der heutigen Strudelhofgasse.