Dienstag, 10. November 2015

Die Zeitfabrik mit "Zweckmäßig wohnen - Bozen 1930-40"

Seit genau zwanzig Jahren regt der Kulturverein „La Fabbrica del Tempo / Die Zeitfabrik“ zum kritischen Hinterfragen der Südtiroler Zeitgeschichte an. Das kann nur dann gelingen, wenn die Vergangenheit aus ungewohnten und unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet wird. Diesem Credo folgen auch das vorliegende Buch und die damit zusammenhängende Ausstellung Razionalismi: Zweckmäßig wohnen - Bozen 1930-40.

Die Ausstellung Razionalismi: Zweckmäßig wohnen - Bozen 1930-40 regt zur Entdeckung und Bewahrung dieser „kleineren" Architektur an. Im Bild: die Baustelle des Gebäudes INA Stadtbibliothek - im Hintergrund die Incis Häuser am Siegesplatz im Originalstil.
Die Ausstellung Razionalismi: Zweckmäßig wohnen - Bozen 1930-40 regt zur Entdeckung und Bewahrung dieser „kleineren" Architektur an. Im Bild: die Baustelle des Gebäudes INA Stadtbibliothek - im Hintergrund die Incis Häuser am Siegesplatz im Originalstil.

Ziel ist es, die spannenden, aber zumeist unbekannten (oder gar verkannten) Zeugnisse der Architektur der Zwischenkriegszeit wiederzuentdecken. 

Nach 1930 wird in Bozen nicht nur die faschistische Einschüchterungsarchitektur aus dem Boden gestampft. Dank abstrakt und zweckmäßig bauender Architekten entstehen Villen und Häuser, die europaweit gefeierte Bautendenzen lokal interpretieren. Dadurch etabliert sich eine moderne Wohnkultur.

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Florenz Straße - Richtung Drususallee

Es heißt dazu: "Gerade die Stadt des 20. Jahrhunderts entzieht sich oft unserer Aufmerksamkeit, sie scheint anonym zu bleiben. Wir können lernen, sie wahrzunehmen, indem wir sie als historischen Wert betrachten, indem wir ihre Symbole und Botschaften in einen geschichtlichen Zusammenhang stellen, um eine allgemein anerkannte Erinnerungskultur zu schaffen. Wir können aber auch versuchen, die Stadt zu erfahren: körperlich und konkret, emotional und künstlerisch - mit dem Wunsch, den Ort persönlich zu entdecken. Deshalb wurden für den italienischen Titel der Ausstellung und des Buches zwei Substantive im Plural gewählt: razionalismi (Rationalismen), weil die Vielfältigkeit dieser Strömung, die ein reiches Erbe hinterlassen hat, allzu oft vereinfacht dargestellt wird; und percorsi (Wege), um die diversen Interpretationsmöglichkeiten aufzuzeigen."

Die Bildersprache zahlreicher Zeichnungen und Fotos ermöglicht eine zusätzliche Sicht auf Orte und Gebäude. Es sind spannende Dokumente, die das bauliche Werden der Stadt schildern, von der Arbeit auf den Baustellen erzählen und über den Wandel der Straßen berichten. 

Ausstellung, Buch und Video

Das Buch und die Ausstellung sind das Ergebnis einer leidenschaftlichen Forschungstätigkeit. Federführend waren hierbei Maurizio Pacchiani, Barbara Ricci und Fabrizio Miori. Hervorgehoben soll auch die Kreativität und Phantasie von Anna Bertolaccio, Stefano Fronza und Gloria Caser werden. Sie haben sich der Gestaltung und dem Aufbau der Ausstellung gewidmet. Das Video trägt die Handschrift von Maurizio Tiglieri und Fabrizio Miori.

Die Ausstellung Razionalismi: Zweckmäßig wohnen - Bozen 1930-40 regt zur Entdeckung und Bewahrung dieser „kleineren" Architektur an.

stol

stol