Kaiser Karl I. von Österreich, der letzte in der habsburgischen Monarchie, ist vor 100 Jahren, 1. April 1922 auf der portugiesischen Insel Madeira in der Villa Quinta do Monte, der Hauptstadt Funchal, infolge einer schweren Lungenentzündung, mit 35 Jahren gestorben.<BR /><BR /><BR />Nach der Tragödie von Sarajewo mit dem Thronfolger <b>Franz Ferdinand</b> und dem Tod <b>Kaiser Franz Josephs I</b>. 1916 hatte Karl von Habsburg mitten im Krieg die Führung des Vielvölkerstaates zu übernehmen. Karl I., 1887 auf Schloss Persenbeug bei Ybbs an der Donau geboren, musste nach einer überaus schwierigen Zeit die Auflösung der Monarchie erleben. So kam es zu einer Ausreise in die Schweiz; es begann für ihn eine Odyssee. Zweimal versuchte er in Ungarn vergeblich, die Monarchie wieder herzustellen, bis ihn die Entente nach Madeira verbannte, das seine Endstation wurde.<BR /><BR />Karl von Österreich, von tiefer Religiosität geprägt, hatte sich in den letzten 2 Kriegsjahren aktiv und unaufhörlich für den Frieden eingesetzt. Diese seine Bemühungen liefen aber nicht nach den Vorstellungen der deutschen Generalität, des Bündnispartners.<BR />Bei Karls Todesnachricht war es so, als hielte die Welt für einen Augenblick den Atem an und besinne sich des Frevels, den sie an ihm begangen hatte. Sein Friedenswille war nicht zuletzt ein wichtiges Motiv für seine Seligsprechung im Oktober 2004.<BR /><BR />Über dem Grabmal in Madeiras Wallfahrtskirche „Nossa Senhora do Monte“ hängt das Kreuz des Bildhauers und Bürgermeisters von Klausen, <b>Valentin Gallmetzer,</b>bei dem der Erzherzog während seines Aufenthaltes im Brixner Kurmittelhaus von Guggenberg mit Zita von Parma das Schnitzen gelernt hatte. Klausen hatte noch 1921, ein Jahr vor Karls Ableben, nach der Überflutung und Verwüstung durch den Thinnebach über Vermittlung des ehemaligen Kaisers, aus der Ferne eine finanzielle Zuwendung erfahren. <BR /><BR /><b>Ein Brief über Karls Tod</b><BR /><BR />In der bis 1968 bestehenden „Villa Kössler-Rosenheim“, Besitz meiner Großtante, in der Fagenstraße in Gries, genau gegenüber der großen Scheune des Klosters Muri-Gries, befand sich ein mehrseitiges handgeschriebenes Dokument der Erzherzogin <b>Maria Theresia von Portugal</b>, der dritten Frau von <b>Erzherzog Karl Ludwig</b> (Bruder Franz Josephs) und somit der Stiefgroßmutter Kaiser Karls, worin eine Art Sterbetagebuch festgehalten ist. Diese edle und herzensgute Frau, eine Portugiesin und in Deutschland erzogen, schrieb diesen Brief an Verwandte der habsburgischen Familie, die in dieser Villa wahrscheinlich längere Zeit zu einem Kuraufenthalt gewohnt haben. Zur etwa gleichen Zeit waren in diesem Hause Mitglieder der Familie des preußischen Generals und Kommandeurs der Schutztruppe von Deutsch-Ostafrika, <b>Paul von Lettow-Vorbeck</b>, in Gries auf Urlaub, die dann sogar einige Porträts der Lettows in besagter Villa hinterlassen hatten. Das Schriftstück beinhaltet eine Charakterisierung sowie das geduldige Gehaben des sterbenden Ex-Monarchen.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="753764_image" /></div> <BR /><BR /><b>Auszug aus dem Brief<BR />Funchal, 6. April 1922</b><BR /><BR />Wie werdet ihr im Gedenken mit uns sein und mit uns fühlen! Mit unserem menschlichen Verstande ist es gar nicht zu fassen, dass Gott unseren Karl zu sich genommen hat; nicht der persönliche Schmerz und alles, was damit zusammenhängt, ist das, was einem so unbegreiflich vorkommt, sondern das Gefühl, dass Gott da sein eigenstes Werk zum Stillstand bringt. Karl schien geschaffen und von Gott selbst auserwählt und erzogen, um einst eine große Aufgabe durchzuführen. In großen<BR />Gefahren, bei den verschiedensten Attentaten wurde er sichtbar von Gott wunderbar beschützt, um von hier, wo er scheinbar gut geborgen war, abberufen zu werden. Gottes Absichten sind für uns unerforschlich und man muss sich seinem heiligsten Willen unterwerfen, in dieser Ergebung seinen Halt finden, sonst wäre es zum Verzweifeln.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="753767_image" /></div> <BR /><BR />Zita ist zu bewundern, heroisch in ihrem Fügen in Gottes Willen, eine Heilige in ihrer Auffassung, voll Ergebung und Gottvertrauen in ihrem namenlosen Schmerz. In der Pflege hat sie fast Übermenschliches geleistet; Tag und Nacht pflegte sie, die erste Zeit in der Nacht ganz allein. Erst die letzten 8 Tage erlaubte sie, dass Gräfin Viktoria Mensdorff einen Teil der Nacht die Pflege übernehme. Sie selbst legte sich dann auf ein Bett neben Karl, um etwas zu schlafen, stand aber alle Augenblicke auf, um bei den Umschlägen zu helfen. Gott sei Dank ist Zita trotz aller Aufregung, Anstrengung und Kummer gesund; sie sieht aber furchtbar angegriffen und elend aus.<BR /><BR />Bis zum letzten Tag waren wir voll Zuversicht und auch die Ärzte hofften bis Freitag, dass die Krankheit einen guten Verlauf nehmen werde; selbst am Samstag früh glaubten sie einen Augenblick an eine Wendung. In der Pflege geschah das Menschenmöglichste und die 2 portugiesischen Ärzte waren sehr gewissenhaft, aufopferungsvoll und mit ganzem Herzen und wärmster Teilnahme bemüht. Keiner unserer Ärzte hätte es besser machen und dieses Ende abwenden können. Es war eben Gottes Wille so.Trotz der am 27. (März) auftretenden beiderseitigen Lungenentzündung hofften die Ärzte, dass die Krankheit gut verlaufen werde, besonders, da dieses Jahr alle Grippefälle ganz leicht waren und kein einziger tödlicher Ausgang vorkam. Nachdem die Ärzte die Lungenentzündung festgestellt hatten, empfing Karl nach vorheriger Beichte die heilige Ölung, mehr, um der damit verbundenen Gnaden teilhaftig zu werden, und als Heilmittel. Karl war sehr glücklich und freute sich sehr darüber, war voller Andacht und Ruhe. Die darauffolgende Nacht und den nächsten halben Tag gab es eine so große Besserung, dass wir die Hauptsache als überwunden betrachteten; am Abend trat jedoch wieder eine Verschlimmerung ein, es bildeten sich immer wieder neue kleine Herde, kaum dass der eine und der andere gut wurde. Karl war die ganze Zeit unbeschreiblich geduldig, opferte immer alles dem lieben Gott auf. Er litt sehr viel, auch die ganze Behandlung war für ihn schrecklich beschwerlich. Er hatte aber gar nicht das Gefühl eines nahen Endes, sondern war überzeugt, dass er bald wieder gesund werde.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="753770_image" /></div> <b><BR />Den Willen Gottes erkennen</b><BR /><BR />In der letzten Nacht sagte er einmal: <i>„Ich muss so viel leiden, damit meine Völker sich wieder zusammenfinden.“</i> Er war überhaupt fortgesetzt mit Zuhause beschäftigt. Wenn er zuweilen, in den letzten Tagen, aus Schwäche etwas irre redete, so war es fast immer Fürsorge, Hilfe, Besserung, womit sich seine Gedanken beschäftigten. Außer einigen Momenten war Karl aber die ganze Zeit über vollkommen klar, bis vielleicht 5 Minuten vor seinem Tod. In der letzten Nacht sagte er zu Zita auf irgend eine Bemerkung, die sie gemacht hatte: „<i>Mein ganzes Streben ist, immer in allen Dingen den Willen Gottes möglichst klar zu erkennen und zu befolgen und zwar auf das vollkommenste.“</i><BR /><BR />Samstag früh empfing er wie alle Tage die heilige Kommunion; gegen 9 Uhr brachte Dr. Zsamboki das Allerheiligste ins Zimmer und dieses blieb dort bis zum Ende. In den letzten Augenblicken hielt P. Zsamboki ihm das Ziborium ganz nahe vor die Augen und so beschützt ging er hinüber. Kurz vorher empfing Karl noch einmal die heilige Kommunion als Wegzehrung. Zita hatte ihn gefragt, ob er noch einmal die heilige Kommunion empfangen wolle; sie glaubte, als er nickte, er hätte es nicht verstanden und fragte noch einmal: <i>„Wünschest du wirklich die heilige Kommunion?“</i> Da antwortete er mit dem Ausdruck großer Sehnsucht: <i>„Oh so furchtbar gern wünsche ich sie mir!“</i> Vorher einmal, als ihm gerade mit dem Allerheiligsten der Segen gegeben wurde, sagte Zita zu ihm, er möge den lieben Gott bitten, ihm wieder die Gesundheit zu schenken; da betete er mit großer Innigkeit: <i>„Lieber Heiland, wenn es Dein Wille ist, so mache mich gesund!“</i> Nach einer kleinen Weile sagte er sehr leise: <i>„Bitte, bitte, lieber Heiland!“</i> Anderthalb Stunden vor seinem Tode muss er eine innere Erleuchtung gehabt haben, denn plötzlich erweckte er Reue und Leid, dann sagte er: <i>„Lieber Heiland, beschütze Zita, unsere lieben Kinder,“</i> nannte sie alle beim Namen, sagte dann: „<i>Auch das ganz, ganz Kleine; bewahre sie an Leib und Seele, lasse sie lieber sterben als eine Todsünde begehen – Amen!“</i> Dann: <i>„Dein Wille geschehe – Amen!“</i> Als Zita ihm sagte, er solle sich nicht zu sehr anstrengen, er solle nur denken: „<i>Der liebe Heiland ist hier und hält mich in Seinen Armen – denke daran und überlass dich ganz Ihm“</i> – sagte er: <i>„Ja, in den Armen vom lieben Heiland, mit Dir, Du und ich, und unsere lieben Kinder.“</i> Hierauf sprach er leiser: „Jesus, Jesus, komm!“ Dann wiederholte er noch öfters: <i>„Jesus, Maria, mein Jesus, wie Du willst“</i> – bis der Atem aussetzte und er ruhig einschlief.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="753773_image" /></div> <BR /><b>Tiefe Trauer in Funchal</b><BR /><BR />Am 5. April war die Beisetzung in der nahen Wallfahrtskirche in Monte, in einer Seitenkapelle, unter dem Altar. Der Bischof von Funchal nahm zuerst in unserer Kapelle hier die Einsegnung vor und begleitete dann mit dem gesamten hiesigen Klerus und einer Unmenge Menschen den Sarg zur Kirche. Der Sarg war auf einem kleinen gedeckten Leichenwagen, der von J. Almeida, dem Grafen Karolyi, zwei von unseren braven Dienern und einigen portugiesischen Herren gezogen wurde. Abwechselnd trugen Graf Karolyi und J. Almeida das Goldene Vlies hinter dem Sarge auf einem Kissen. Vom Haus aus ging Zita mit allen Kindern und mir ein kleines Stück hinter dem Sarge her. Dann stieg Zita mit Otto in ein Auto, ich mit Adelhaid, Robert und Gräfin Mensdorff in ein zweites. Wir fuhren auf einem anderen Weg voraus zur Kirche und erwarteten vor derselben die Ankunft.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="753776_image" /></div> <BR />Karl war bis 1/2 10 Uhr des 5. April im Sterbezimmer gelegen, vom 3. April an in Uniform. Er sah bis zum Schluss unverändert aus, so, als ob er schliefe – – dabei wunderschön, sodass der kleine Robert, der sich zuerst etwas fürchtete, sagte: „Warum ist der Papa jetzt so schön? Ich habe ihn noch nie so schön gesehen.“ Karl glich enorm seinem Vater (Otto Franz Joseph) in jungen Jahren. Um 1/2 10 Uhr wurde Karl in den Sarg gelegt und in der hiesigen Kapelle aufgebahrt.<BR /><BR />Von 10 bis nach 2 Uhr durften alle Leute von auswärts in die Kapelle. Trotzdem die Menschen nur am Sarg vorübergingen und Weihwasser gaben, konnten nicht alle, die da waren, herein. Um 1/2 3 Uhr musste die Kapelle geschlossen werden, da die Totenmaske abgenommen wurde und für 4 Uhr die Einsegnung vorgesehen war. Es waren massenhaft Menschen gekommen; mit einer merkwürdigen Ruhe standen sie vor dem Haus und warteten, bis die Reihe an sie käme; man hörte kein lautes Wort und viele weinten bitterlich. All die Tage über waren die Geschäfte in Funchal geschlossen. Die Trauer könnte kaum bei den eigenen Landeskindern wärmer und tiefer empfunden werden. Die Menschen hier verehrten Karl als Heiligen, sie haben aber auch recht. Karl war ein Heiliger, starb als solcher, wie er gelebt hatte, und wir können uns nur seiner Fürbitte empfehlen.<BR /><BR />Als wir aus der Kirche fortgegangen waren, da der Sarg verlötet wurde, und als zu diesem Zweck der Deckel nochmals gehoben wurde, sollen sich noch viele Menschen herangedrängt haben, um Medaillen, Kreuze und Bilder daran zu berühren. Man konnte es den Leuten nicht wehren, sie ließen sich nicht abhalten, sie sagten immer: <i>„Es ist ein Heiliger, der da liegt.“</i><BR /><BR /><b>Der Friedenskaiser</b><BR />Von Gerog Hörwarter<BR /><BR />Am 1. April 2022 vor 100 Jahren starb in Verbannung, in Einsamkeit aber in tiefer Gottergebenheit der letzte regierende Herrscher der Doppelmonarchie Kaiser Karl I. von Österreich, gleichzeitig Karl IV. Apostolischer König von Ungarn. Mit dem Tod des noch jungen sich im Exil befindlichen Monarchen war auch das Kronland Tirol ohne legitimen Herrscher nach der langen Zugehörigkeit zum Habsburgerimperium geblieben.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="753779_image" /></div> <BR />An seinem Gedenktag, finden auf der Atlantikinsel Madeira große Feierlichkeiten in Erinnerung an den gerechten und friedensliebenden Souverän statt. Kaiser Karls sterbliche Überreste werden wohl nie in der Kapuzinergruft nach Wien überführt werden, denn die Bevölkerung besonders von Funchal, der Hauptstadt Madeiras, würde das wie die Entführung eines Heiligen empfinden. Hauptsächlich war es das einfache Inselvolk, das schon gleich nach Ankunft der im November 1921 ins Exil verwiesenen Familie große Zuneigung und Aufmerksamkeit schenkte und nach seinem Tode sofort mit der Verehrung von Ex-Kaiser Karl einsetzte.<BR /><BR /><b>Karls kurze Lebenszeit</b><BR /><BR />Als gerne gesehener Thronfolger seitens des greisen <b>Kaisers Franz Joseph I.</b> folgte er diesem, nach dem Mordanschlag auf das Thronfolgerpaar <b>Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg</b> am 28.6.1914 in Sarajevo, in Wien auf den Thron. Karl war so urplötzlich zum Herrscher des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn geworden. Bis 1916 herrschte noch der greise Franz Joseph I., nach dessen Tod aber wurde er mitten im I. Weltkrieg zum Monarchen durch die Thronfolgegesetzte bestimmt. Kaiser Karls große Bemühungen liefen darauf hinaus das Völkerringen zu beenden und rasch zu einem Friedensschluss zu kommen. Im ersten Weltkrieg war er auch der einzige Herrscher der kriegsführenden Nationen, der sich des Loses der Soldaten, sowie der Bevölkerung annahm, so z. B. gründete er das erste Sozialministerium und zog von der Hofburg in eine schlichte Dienstwohnung des Heeres nach Baden bei Wien um. <BR /><BR />Der Langzeitpapst <b>Johannes Paul II.</b> setzte auch die am 3. Oktober 2004 erfolgte Seligsprechung des tugendhaften Kaisers um. Das liturgische Fest des Seligen Kaiser Karl wurde jeweils auf den 21. Oktober festgesetzt, es ist dies das Hochzeitsdatum von Karl und Zita.<BR /><BR /><b>Eckpunkte im Leben des letzten Herrschers der k.u.k. Doppelmonarchie Österreich-Ungarn</b><BR /><BR />Karls Vater <b>Erzherzog Otto</b> war ein Neffe und zugleich Bruder des Thronfolgers <b>Franz Ferdinand von Österreich-Este,</b> die Mutter <b>Josepha</b> war sehr fromm und stammte aus dem Fürstengeschlecht der Sachsen. Karl erblickte am 17. August 1887 auf Schloss Persenbeug an der Donau das Licht der Welt, er wurde auch in der dortigen Schlosskapelle getauft. Bei der Taufe erhielt der Großneffe des Kaisers den langen Namen <b>Karl, Franz Joseph, Ludwig, Hubert, Georg, Maria.</b> Erzherzog Karl erlebte mit seinem später geborenen Bruder hier in Persenbeug und später in der Villa Wartholz in der Reichenau an der Rax unbeschwerte Kinderjahre. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="753782_image" /></div> <BR />Bis zu seinem siebten Lebensja <?_Schrift> <BR /><BR /><b>Der Erste Weltkrieg</b><BR /><BR />Dieser Doppelmord kann als Ausgangspunkt der Urkatastrophe des Ersten Weltkrieges bezeichnet werden. Nach den umfangreichen politischen Reaktionen und einem ungeheuren Echo, das diesen Mord verurteilte, kam es zu militärischen Maßnahmen, die wie in einem Fahrplan ganze Völker vom Friedens- in den Kriegszustand versetzte. Jetzt wurden die lange schon vorhandenen Bruchlinien und Achsenbündnisse offenbar, und der Erste entsetzliche, grausame, unheilvolle Weltkrieg bzw. Völkerbrand nahm seinen Anfang. Am 23. Juli 1914 verstrich das an Sarajevo gestellte Ultimatum einer gerichtlichen Untersuchung des Mordes. Erzherzog Karl wurde im Zuge dieser Tatsachen über Nacht der Thronfolger der jahrhundertelang schon bestehenden Monarchie, als erstes Amt und Aufgabe wurde er in dieser schon nach Krieg riechenden Zeit zum Armeekomandanten ernannt und musste in der Folgezeit immer mehr politische, verwaltungsmäßige und militärische Aufgaben übernehmen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="753788_image" /></div> <BR />Als am 21. November 1916der beliebte Kaiser Franz Joseph I. in Schönbrunn starb, war ein alter Monarch abgetreten und und der junge Karl wurde zum Herrscher des 53 Millionen Einwohner zählenden Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn. Zum Regierungsantritt hatte Kaiser Karl eine auf Frieden ausgerichtete Erklärung abgegeben. Am 2. Dezember 1916 proklamierte er in einem kurzen Tagesbefehl, er übernehme <i>„in Ausübung seiner Herrscherrechte“</i> den unmittelbaren Befehl über alle Land- und Seestreitkräfte der Doppelmonarchie. Unter großem Zeremoniell und Feierlichkeiten fanden am 30. Dezember 1916 in der Matthias-Kirche in Budapest die Krönung zum Apostolischen König statt. <BR /><BR />Am 1. März 1917 wurde durch Karls Befehl der bisherige umstrittene Generalstabschef <b>Conrad von Hötzendorf</b> abgesetzt und durch General <b>Arthur Graf von Staußenberg</b> ersetzt. Zwei Tage drauf startete Karl von Schloss Laxenburg aus die hochbrisante diplomatische Mission der sogenannten „Sixtus-Affäre“ durch seine beiden Schwäger <b>Sixtus u. Xavier von Bourbon-Parma.</b> Der von Karl angepeilte Sonderfrieden wurde von Frankreich und Italien in keiner Weise in Erwägung gezogen. Diese misslungene Sixtus-Unternehmung brachte den deutschen Kriegsbündnis-Partner in Schwierigkeiten und Rage, da die deutschen Heeresführer immer noch zu siegessicher waren, obwohl der Krieg schon großflächig verloren war.<BR /><BR />Die Auflösungserscheinungen durch die harten Kriegsjahre und der politischen Querelen griffen in der k.u.k. Monarchie immer mehr um sich, dazu kamen noch die äußeren und inneren Feinde im eigenen Land dazu. An der italienischen Südfront hielten die k.u.k. Truppen äußerst tapfer ihre Stellungen. Am 23. Mai 1917 trat als Endergebnis eines politischen Streites zwischen Karl und dem ungarischen Ministerpräsidenten <Fett>Istvan van Tisza</Fett> dieser zurück. Zu Jahresbeginn 1918 war die Lebensmittelversorgung für das Militär und für die Zivilbevölkerung immer knapper geworden. Am 16. Oktober 1918 erließ Karl das bekannte „Völkermanifest“, dieses sah hauptsächlich vor, Österreich-Ungarn in einen Bundesstaat umzuwandeln. Kurz darauf gab es eine politische Krise wegen der Bildung der ungarischen Regierung.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="753791_image" /></div> <BR />Nach all diesen Misserfolgen und Auflösungserscheinungen in der k.u.k. Monarchie und dem weichenden Kriegserfolg erfolgte am 3. November 1918 der Waffenstillstand zwischen Italien und Österreich-Ungarn in der Villa Giusti bei Padua, den Italien erst 14 Stunden später auch wirklich einhielt. Durch diese Taktik waren den Italienern 350.000 österreich-ungarische Soldaten und viel Kriegsmaterial, wie eine reife Frucht in die Hände gefallen. Im verbliebenen Restösterreich wurde einige Tage nachher die Republilk <Kursiv>„Deutschösterreich“</Kursiv> ausgerufen und rasch darauf wurde Karl genötigt, auf die Regierungsgeschäfte zu verzichten. <BR /><BR /><b>Das Exil</b><BR /><BR />Als Folge davon musste er und die Familie Schönbrunn verlassen und fand zunächst im Schloss Eckartsau im Marchfeld eine vorübergehende Bleibe. Im März 1919 musste Karl und seine Familie die angestammte Heimat ganz verlassen, zunächst fanden sie an mehreren Orten in der Schweiz ein Exil. Im März 1921 begaben sich Karl und Zita, angeblich auf Anraten des damaligen Papstes, auf abenteuerliche Weise mit einem primitiven Kleinflugzeug nach Ungarn nach Erdödy-Erdöd, wo das Paar die Herrschaft über das verbliebene Ungarn-Reich einfordern wollte. <BR /><BR />Der Reichsverweser Admiral <b>Nikolaus Horthy von Nagybanya</b> wusste diesen Restaurationsversuch des Königspaares zu verhindern. Der zweite Restaurationsversuch bei Cirak im Oktober desselben Jahres ging auch leider in die Binsen. Ein harter vernichtender Schlag für Karl, da er sich an den abgelegten Treueeid vom 30.12.1916 als König von Ungarn gebunden fühlte. Gerade nach diesem misslungenen Versuch Ungarn wieder regieren zu können, wurde das Herrscherpaar in Ungarn gefangen genommen und in die Abtei Tihany gebracht. Wenige Tage später wurde er samt Familie auf Befehl der Alliierten als letzter Habsburger-Herrscher am 31. Dezember 1921 von der britischen Kriegsmarine per Schiff aus Ungarn gebracht. Der Donau entlang durchs Schwarze Meer und Mittelmeer endete diese Häftlingsfahrt am 19. November 1921 auf der Atlantikinsel Madeira in Funchal. Die Familie kam mittellos dort an, und großherzige Bürger stellten dem Kaiserpaar und den wenigen mitgekommenen Kindern eine Villa am Monte oberhalb von Funchal als Wohnung zur Verfügung. Die Menschen in Funchal zeigten großen Respekt und Zuneigung zur kaiserlichen Familie und unterstützten die verarmte Familie, die von Geldnot geplagt war. Besonders Karl wurde wegen der physischen und psychischen Belastungen schwer krank, und die Familie konnte die notwendigen Ärzte nicht bezahlen. Nach schwerem Leiden und allseits im Stich gelassen aber immer dem Herrgott und besonders der Muttergottes treu ergeben, verstarb der erst 35-jährige Karl an einem schweren Lungenleiden am 1. April 1922.<BR /><BR />Während andere Mitglieder der abgetretenen Herrscherhäuser hohe Abfindungen von den jeweiligen Staaten bekamen, kümmerte sich das offizielle Österreich in keiner Weise um das Schicksal des letzten Kaisers, im Gegenteil es wurden die diskriminierenden Habsburger-Gesetzte erlassen, die alle Vertreter des Hauses Habsburg, die nicht auf den Thron verzichtet hatten, zu Todfeinden erklärt.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="753794_image" /></div> <b>Der „Santo“<BR /></b><BR />Karl wurde sofort von der einfachen Ortsbevölkerung als „Santo“ gesehen und verehrt, daher wurde er in der nahen Wallfahrtskirche Nossa Senhora do Monte beigesetzt, und die Verehrung setzte ein, und schon waren erste Gebetserhörungen festzustellen. <BR /><BR />In Anbetracht des vorbildlichen, ja heiligmäßigen Lebenswandels wurde 1923in der Erzdiözese Wien die Kaiser-Karl-Gebetsliga, die ein Verein kirchlicher Approbation ist, gegründet und der angestrebte Heiligsprechungsprozess gestartet. Trotz der vielen Rückschläge und vieler politischer Wirrnisse wurde Karl I. noch unter dem Langzeitpapst <b>Johannes Paul II.</b> (er hieß ja auch im bürgerlichen Namen Karol Franz Joseph Wojtyla) am 3. Oktober 2004auf dem Petersplatz in Rom mit noch anderen heiligmäßigen Personen zum Seligen proklamiert. <BR /><BR /><b>Die Verehrung</b><BR /><BR />Es war das schönste Ereignis, das die Südtiroler Landesgruppe in ihrer fast 100-jährigen Tätigkeit erleben konnte. Karl als christlicher Herrscher wird vorwiegend in Angelegenheiten wie Völkerfrieden, Familienanliegen, gesundheitlichen Problemen und in aussichtslosen Verkehrslagen angerufen. In Südtirol können eine Reihe von nachgewiesenen Gebetserhörungen verzeichnet werden, auch jetzt in dem umbarmherzigen Krieg, der in der Ukraine tobt, sollte Karl als Friedensfürst angerufen werden.<BR /><BR />Der Heiligsprechungsprozess für Kaiser Karl ist zwar noch im Gange, mittlerweile ist auch ein Seligsprechungsverfahren seitens der Diözese Le Mans in Frankreich für die willensstarke und tugendsame Kaiserin Zita im Gange. Von Kaiser Karl befinden sich in den verschiedenen Südtiroler Landesteilen mehr als ein Dutzend Primärreliquien (Knochensplitter) in diversen Kirchen und Kapellen. Aber auch in Nordtirol und im Trentino, den anderen Landesteilen des ehemaligen Kronlandes Tirol befinden sich weitere Reliquien in Kirchen und Bethäusern. Selbst die Kathedralen von Brixen und Trient, sowie die Klöster Stams und Wilten verfügen über solche Reliquien. Nach 100 Jahren seines gottergebenen Todes hat der Sel. Kaiser Karl nichts von seiner Strahlkraft als Friedensfürst, Landes- und Familienvater, sowie als Führsprecher vieler heimatloser, entrechteter und verarmter Menschen verloren.<BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />