Dienstag, 23. Mai 2017

Eurac: Zweitsprachkompetenzen verschlechtert

Sprachforscherinnen von Eurac Research haben nach sieben Jahren erneut untersucht, wie gut Südtiroler Oberschüler die zweite Sprache beherrschen – mit ernüchterndem Ergebnis.

Die Eurac-Studie über die Zweitsprachkompetenzen ist ernüchternd.
Die Eurac-Studie über die Zweitsprachkompetenzen ist ernüchternd. - Foto: © shutterstock

Italienischsprachige Oberschüler, die gute Dialektkompetenzen besitzen, zeigen auch beim Schreiben im Deutschen gute Sprachkenntnisse. Bei den deutschsprachigen Schülern ist es das häufige Italienischsprechen außerhalb der Schule, das ihre Zweitsprachkompetenzen entschieden verbessert.

Sprachliche Kontakte im Alltag ausschlaggebend

Das zeigt, dass die Schulen zwar gefordert sind, dass jedoch vor allem die Alltagsrelevanz der Sprache und die sprachlichen Kontakte in der Freizeit ausschlaggebend sind. In den vergangenen Jahren haben sich die Zweitsprachkenntnisse der Südtiroler Oberschüler deutlich verschlechtert.

Diese Ergebnisse sind Teil einer groß angelegten Studie namens KOLIPSI, die Sprachforscherinnen von Eurac Research anhand von schriftlichen Tests und Befragungen der Schüler und ihres Umfelds durchgeführt haben.

Zweitsprachkenntnisse in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert

Sprachforscherinnen von Eurac Research haben zum ersten Mal untersucht, wie sich die Kenntnisse der Südtiroler Oberschüler in den Zweitsprachen Deutsch und Italienisch über die Jahre entwickelt haben. Im Abstand von sieben Jahren testeten sie Oberschüler der vierten Klassen aus ganz Südtirol.

Bei den schriftlichen Tests orientierten sich die Forscherinnen am Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen und ordneten die Schüler sechs verschiedenen Kompetenzebenen zu (A1 = schlechteste Kenntnisse, A2, B1, B2, C1, C2 = ausgezeichnete Sprachkenntnisse). 

Der Vergleich nach 7 Jahren

In den deutschen Schulen hatten bei der Ersterhebung 41 Prozent der Schüler gute Kenntnisse in der italienischen Zweitsprache (B2); heute sind es um die Hälfte weniger. 

In der Zweitsprache Deutsch haben sich die Schüler nicht so stark verschlechtert (Niveau A2), dem Großteil der Schüler in italienischen Schulen ist es also nicht möglich, aktiv am sprachlichen Alltag auf Deutsch teilzunehmen. Sieben Jahre zuvor war es noch die mittlere Stufe B1.

Ernüchternde Ergebnisse für den Fachunterricht in der Zweitsprache (CLIL)

Erstmals untersuchten die Sprachforscherinnen auch, wie sich der Fachunterricht in der Zweitsprache, kurz CLIL, auf die Sprachkenntnisse der Oberschüler auswirkt. Die Ergebnisse seien ernüchternd, so Vettori: „In den schriftlichen Tests zu den Zweitsprachkenntnissen haben wir keinen Unterschied feststellen können zwischen den Oberschülern mit und jenen ohne CLIL-Erfahrungen.“

Außerschulische Kontakte für gute Sprachkenntnisse entscheidend

Die Suche nach Faktoren, die die Sprachkenntnisse in der zweiten Sprache am meisten beeinflussen, bestätigte, dass vor allem das häufige Sprechen der Zweitsprache außerhalb der Schule die Sprachkenntnisse entscheidend verbessert. 

stol

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