Dienstag, 29. Januar 2019

Forscher finden Entzündungshemmer bei Alzheimer

Alzheimer und Atherosklerose sind Krankheiten mit chronischen Entzündungen im Gehirn und der Blutgefäße. Eiweißstoffe des angeborenen Immunsystems halten diese am Köcheln, berichtet ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachjournal „Nature Medicine“. Ein Fettstoffwechsel-Eiweißkörper (ApoE) bekämpft hingegen die Entzündungen und könnte Vorbild sein, wie man sie stoppt.

Der Fettstoffwechsel-Eiweißkörper ApoE könnte Alzheimer und Atherosklerose eindämmen oder stoppen.
Der Fettstoffwechsel-Eiweißkörper ApoE könnte Alzheimer und Atherosklerose eindämmen oder stoppen. - Foto: © shutterstock

Das internationale Team um Changjun Yin von der Universität München untersuchte die Entzündungsreaktionen in Mäusen, denen ApoE fehlt. Es war zuvor schon bekannt, dass dieser im Fettstoffwechsel wichtige Eiweißkörper bei der Alzheimer-Krankheit, Atherosklerose und anderen chronischen Entzündungen eine Rolle spielt, erklärte Christoph Binder vom Klinischen Institut für Labormedizin der Medizinischen Universität Wien.

Einen direkten Zusammenhang mit Entzündungsreaktionen kannte man aber nicht. Die Forscher beobachteten, dass ApoE einen anderen Eiweißstoff (C1q) festhält und blockiert, der zum angeborenen Immunsystem gehört und die Entzündungsreaktion forciert.

Eiweißkörper hält Komplementkaskade auf

C1q schwimmt im Blutplasma und wehrt einerseits als erster Kämpfer in einer Reihe von Immun-Eiweißstoffen der „klassischen Komplementkaskade“ Bakterien ab, hilft aber auch beim Beseitigen von körpereigenen Abfallprodukten – zum Beispiel von alten, oxidierten Fettverbindungen – aus der Blutbahn und dem angrenzenden Gewebe, damit sie keinen Schaden anrichten.

„Bei Krankheiten mit erhöhten Blutfettkonzentrationen wie Atherosklerose kommt aber ständig Nachschub, die durch oxidierte Lipide ausgelöste Entzündungsreaktion wird dadurch chronisch und somit selber schädlich“, so Binder. ApoE versucht dem offensichtlich entgegenzuwirken und klammert sich an aktiviertes C1q, um die Kaskade aufzuhalten.

Neue Ansatzpunkte für Therapien

Je mehr mit ApoE verhaftetes C1q in den Gefäßwänden oder dem umliegenden Gewebe abgelagert ist, umso stärker sind die Atherosklerose und der geistige Verfall bei der Alzheimer-Krankheit fortgeschritten, erklärte der Forscher. Man könne die Menge an ApoE-C1q-Komplexen demnach als Untersuchungswert für das Fortschreiten der Erkrankungen verwenden.

Die Forscher nahmen sich ApoE als Vorbild und blockierten die Komplementkaskade. Die Versuchstiere hatten dadurch weniger Atherosklerose, weniger Demenz und weniger Entzündungen. Damit konnten sie direkt beweisen, dass die Komplementkaskade tatsächlich bei diesen Erkrankungen eine wesentliche Rolle spielt. Diese Erkenntnis legt neue Ansatzpunkte für Therapien frei. „Man könnte versuchen, die Aktivität des ApoE-Eiweißkörpers zu kopieren und auf diese Art die Entzündungen zu hemmen“, meinte Binder.

apa

stol