Samstag, 05. September 2020

„Gesichtsmaske ist ein Symbol der Angst“

Kurz vor dem Schulstart haben sich 5 Südtiroler Kinderärzte in einem offenen Brief kritisch zu den Sicherheitsauflagen für Schulkinder geäußert.

5 Südtiroler Kinderärzte haben sich in einem offenen Brief kritisch über die  Sicherheitsauflagen für Schulkinder geäußert.
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5 Südtiroler Kinderärzte haben sich in einem offenen Brief kritisch über die Sicherheitsauflagen für Schulkinder geäußert. - Foto: © shutterstock
Die 5 Kinderärzte Elisabeth Delago, Heinrich Fuchs, Gerhard Hölzl, Alessandro Peracchi und Elisabeth Viertler haben sich in einem offenen Brief gegen strenge Corona-Auflagen für Kinder ausgesprochen.

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in diesem Frühjahr, die Schließungen von Schulen, Kitas, Freizeiteinrichtungen, Kontaktsperren und Regelungen zur Heim- und Kurzarbeit, führten dazu, dass Familien weitgehend isoliert waren und viel Zeit miteinander in ihren Wohnungen verbringen mussten. „Hier kamen oftmals beengte Wohnverhältnisse sowie Existenzängste dazu. Diese angespannte Lage führte zu erheblichen familiären Belastungen“, schreiben die Kinderärzte.

Kinder und Jugendliche seien physischen und psychischen Übergriffen schutzlos ausgeliefert gewesen, wenn die Probleme in den Familien eskalierten. Familien in dieser nach wie vor bestehenden Krisenzeit zu begleiten, damit Kinder in dieser unvorhergesehenen Lebenssituation geschützt und gestärkt werden, müsse jetzt höchste Priorität haben, unterstreichen die Fachärzte für Kinderheilkunde in dem offenen Brief.

„Ängste haben schwerwiegende psychische Folgen“

„Kinder haben das Recht, eine Schule zu besuchen und dort zu lernen. Sie sollen eine Ausbildung bekommen und dabei sollen ihre Talente und Fähigkeiten gefördert werden. Schule kann nicht durch eine digitale Ausbildung ersetzt werden. Schule ist nicht nur Wissensvermittlung, sondern auch Kommunikation, Beziehung und Miteinander. Im Gegensatz zur Influenza dürften Kinder bei der Ausbreitung des SARS-CoV-2 keine wesentliche Rolle spielen“, so die Kinderärzte. Deshalb seien übertriebene strenge Regeln hier nicht angebracht.

„Bedenken wir einmal, was eine Maskenpflicht für einen sechsjährigen Erstklässler bedeutet. Die Gesichtsmaske, ein mit Angst verbundenes Symbol: Angst, selbst angesteckt zu werden, Angst selbst infektiös zu sein. Diese Ängste haben schwerwiegende psychische Folgen für so kleine Kinder. Wie kann das sein, dass von Rom zentral eine Maskenpflicht – auch wenn momentan nur beim Ein-und Ausgehen und im Pausenhof- in Schulen verordnet wird, ohne die lokalen Unterschiede nur im Geringsten zu beachten?“

Stoßlüften als sicherster Schutz


Dabei werde wissenschaftlich die Schutzwirkung von Masken gerade bei Übertragung durch Aerosole, wie es bei SARS-Cov2 der Fall sei, sehr angezweifelt. Den sichersten Schutz biete dabei noch immer das häufige Stoßlüften, was sehr einfach durchzuführen sei, betonen die Kinderärzte.

Dänemark zum Beispiel sei in der Handhabung der Öffnung der Schulen sehr erfolgreich gewesen. Es war das erste Land in der EU, das seine Schulen am 15.April wieder aufgemacht habe. Die Schüler seien in Kleingruppen von maximal 12 Kindern eingeteilt worden und hätten die Verpflichtung, sich alle 2 Stunden die Hände zu waschen. Sie müssen aber keine Gesichtsmasken tragen. Wenn möglich, finde der Unterricht im Freien statt. Man könne von Erfolgsmodellen im Ausland lernen, so die Ärzte.

„Die Umsetzung von Maßnahmen verlangt sehr viel Einfühlungsvermögen und Verständnis für Kinder und eine Expertenkommission mit Virologen und Notfallmediziner reicht dabei nicht aus. Es ist höchste Zeit, eine interdisziplinäre Kommission mit Virologen zusammen mit Psychologen, Pädagogen, Sozialmedizinern und Kinderärzten zu gründen, die die schweren sozialen und psychologischen Folgen von Einschränkungen mitberücksichtigen. Der SARS-CoV2-Virus wird uns noch lange begleiten und wir müssen lernen, langfristig vernünftige Maßnahmen zu treffen, damit die Folgen nicht gravierender werden als die Viruserkrankung selbst“, schreiben die 5 Kinderärzte abschließend.

stol

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