Albrecht Dürer bis Alexander Koester – die Ausstrahlung des Säbener Bergs hat immer wieder fasziniert. Der Kirchenhistoriker Josef Gelmi nähert sich dem Heiligen Berg von der kulturgeschichtlichen Seite, um dann die Geschichte in vielen spannenden Details nachzuzeichnen. Ein Gespräch. <BR /><BR /><b>Der Felshügel, der hoch über Klausen aufragt, fasziniert seit jeher: Künstler, wie A. Dürer haben den Berg dargestellt. Was ist das Geheimnis des Säbener Berges? Was macht diesen mystischen Ort zum Heiligen Berg?</b><BR />Josef Gelmi: Die außergewöhnliche Lage. Der Hügel erhebt sich mit seinen Mauern, Türmen und Kirchen über das liebliche Städtchen Klausen und blickt selbstbewusst und erhaben auf das mittlere Eisacktal. Dann ist es die lange Tradition und die wechselvolle Geschichte, die diesen Berg charakterisieren. Schließlich hat der Ort mit seiner monastischen Tradition eine einmalige religiöse Ausstrahlung. All das macht Säben zum Heiligen Berg. <BR /><BR /><b>Die Bedeutung des Berges liegt auch in seiner frühen Besiedlung, sie geht auf Jungstein-, Bronze-, Eisen- und Römerzeit zurück. Da gab es eine Reihe von sensationellen Funden, wie Gräberfelder und Kirchen. Welcher Fund ist für die Entwicklung von Säben als Bischofssitz von besonderer Bedeutung?</b><BR />Gelmi: Von besonderer Bedeutung ist unter der romanischen Marienkapelle die Freilegung einer spätantiken Taufanlage, die von 400 bis 600 benützt wurde. Im heutigen Weinberg wurde eine ansehnliche Kirche entdeckt, die wohl den Bischöfen Materninus und Ingenuin als Gotteshaus gedient hat. Dabei fand man auch viele Gräber, in denen vom 4. bis zum 7. Jahrhundert sensationelle Beigaben entdeckt wurden, wie z. B. ein mit Silber- und Goldperlen bestücktes Collier. Erwähnen muss man auch die Ausgrabungen auf der Spitze des Berges, wo man eine Doppelkirche fand, die wahrscheinlich um 600 errichtet worden ist, nachdem die Kirche im Weinberg ihrer Funktion nicht mehr gerecht wurde. <BR /><BR /><b>Der hl. Kassian ist Patron der Kirche von Säben. Was weiß man von ihm?</b><BR />Gelmi: Seit dem 13. Jahrhundert glaubte man, dass der hl. Kassian der erste Bischof von Säben gewesen sei. Francesco Lanzoni hat mit seinem Werk „Le leggende di S. Cassiano“ 1925 nachgewiesen, dass Kassian nie auf Säben war und dass sein Bischofstitel eine mittelalterliche Brixner Zutat ist. Gesichert ist, dass Kassian ein Märtyrer war, dessen Grab in Imola verehrt wird. Es ist möglich, dass Missionare aus dem Süden eine Reliquie des Heiligen nach Säben brachten und ihm dort eine Kirche weihten. Mit der Verlegung des Bischofssitzes nach Brixen wurde Kassian Patron dieses Bistums.<BR /><BR /><b>Insgesamt 15 Bischöfe residierten auf Säben. Wie kam es zur Errichtung des Bischofssitzes? </b><BR />Gelmi: Wie es zur Errichtung des Bischofssitzes von Säben kam, können wir nur vermuten. Wahrscheinlich hat ein Bischof seine Residenzstadt, durch kriegerische Ereignisse gezwungen, verlassen müssen und hat dann auf Säben eine Zuflucht gefunden. Es könnte aber auch sein, dass die Errichtung des Bistums von Mailand aus erfolgte. <BR /><BR /><b>Um 990 verließ der letzte Bischof Säben, Säben wurde zum Wallfahrtsort und verlor an Bedeutung. Am 27. Februar 1685 zogen 5 Benediktinerinnen vom Nonnberg in Salzburg nach Säben. Damit begann eine jahrhundertelange Geschichte der Benediktinerinnen. Welches waren die Meilensteine? </b><BR />Gelmi: Die Meilensteine der monastischen Tradition auf Säben waren die Gründung des Frauenklosters 1686, die Erhebung des Priorates zur Abtei 1699, die Beschlagnahme und Plünderung des Klosters durch die Franzosen 1797, die Aufhebung des Klosters durch die bayerische Regierung 1808, die Beschädigung des Klosters durch Bomben 1945 sowie die Verwaisung des Klosters wegen Nachwuchsmangels 2022. <BR /><BR /><b>Nach 332 Jahren verließen die letzten Nonnen im Jahr 2022 das Kloster. Es gibt Gespräche mit dem Zisterzienserorden in Heiligenkreuz. Was wäre in Ihren Augen das Beste für die Zukunft des Klosters und damit auch des Heiligen Berges?</b><BR />Gelmi: Das Beste für die Zukunft des Klosters wäre, wie auch Bischof Ivo Muser sagte, dass die Abtei Heiligenkreuz bei Wien eine Filiale auf Säben errichtet. Dieser Orden wäre eine Garantie dafür, dass das Kloster wieder „zu einem geistlichen Ort mit seelsorglicher Ausstrahlung“ werden könnte. Es gelten heute mehr denn je die letzten Worte, die der Gründer des Klosters, Matthias Jenner, auf seinem Sterbebett sagte: Sein Säben sollte am Leben bleiben. <BR /><h3> Buchtipp:</h3>„Der Schlern“ ist erhältlich im Abonnement – auch in digitaler Form – sowie in allen Athesia-Filialen. <BR /><BR />Bestellen: <a href="https://www.athesiabuch.it/" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">www.athesiabuch.it</a><BR />