Donnerstag, 31. März 2016

Note: Ungenügend! Lehrer von morgen wehren sich

"Ungenügend" für Südtirols Lehrerausbildung. So lautete die Schelte der Landesregierung - gerichtet an die bildungswissenschaftliche Fakultät der Uni Bozen. Damit wird auch die fünfjährige Ausbildung zum Grundschullehrer und Kindergärtner in ein schlechtes Licht gerückt. Jene, die davon am meisten betroffen sind - die Absolventen - setzen sich nun "gegen die rufschädigenden Aussagen" zur Wehr und spielen den Ball an ein säumiges Schulamt und eine fälschlich disqualifizierende Hochschülerschaft zurück.

Die Studierenden der Fakultät für Bildungswissenschaften der Freien Universität Bozen wehren sich.
Die Studierenden der Fakultät für Bildungswissenschaften der Freien Universität Bozen wehren sich.

Die meisten Lehrer, die in Südtirol tätig sein wollen, müssen an der Fakultät in Brixen studieren. Die Politik erwartet sich dort jedoch mehr Engagement für die Lehrerausbildung – und stellte der Fakultät jüngst die Rute ins Fenster (STOL hat berichtet).
"Unsere Universität ist für viele angehende Lehrer der einzige Ausbildungsstandort. Deshalb müssen  wir die besten Rahmenbedingungen verlangen. Sind diese nicht gegeben, müssen wir im Interesse der Südtiroler Schule handeln", sagte Landesrat Philipp Achammer im Zusammenhang mit der Drohung, der Fakultät das Bildungs-Monopol zu entziehen.

Auslöser: Die Anwärter des universitären Berufsbildungskurses (UBK), die ihre Ausbildung nicht aktiviert sahen, waren auf die Barrikaden gegangen. 

Absolventen der 5-jährigen Ausbildung wehren sich 

Nun melden sich aber jene zu Wort, die scheinbar mitgefangen-mitgehangen von der allgemein schlechten Benotung und scharfen Kritik an der Ausbildung betroffen sind - nämlich 54 Absolventen, die kurz vor dem Abschluss des Masterstudienganges "Bildungswissenschaften" stehen.
"Es ist sicher nicht alles Gold, was am hochmodernen Gebäude in der Regensburgerallee glänzt, jedoch auch nicht alles Schwachsinn, was die landläufige Meinungsbildung ist", wehren sich die Studierenden Fabian Fleischmann und Katalin Schmidhammer im Namen ihre Kollegen gegen die ihrer Meinung nach "undifferenzierten, rufschädigenden Aussagen.“ 

Die Fakultät, ihre Professoren und viele ihrer Studenten seien bemüht. "Keiner leugnet die Entwicklungsaufgaben, die sich die Universität im organisatorischen Bereich zu stellen hat. Aber welche Fakultät dieser Welt ist perfekt? Welche Universität außerhalb Südtirols soll dieser individuell gestalteten Bildungslandschaft Südtirols näherkommen, als die unsere?", fragen die Studierenden. 

Mangel in ALLEN Bereichen

Fakt ist: Landesrat Achammer sowie die Südtiroler Hochschülerschaft kritisierten im Zuge der Schelte den vermeintlich mangelnden Praxisbezug, den geringen Arbeitsaufwand der Studierenden und die fehlende Qualität der Lehrerausbildung in allen Bereichen.

Denn die Note „ungenügend“ und obendrein die drohende Warnung gab es nicht nur für die von den Studierenden selbst beanstandeten, einjährigen Zusatzkurse für Mittel- und Oberschullehrer (UBK bzw. SLK), sondern auch für die fünfjährige Ausbildung zu Lehrer der Grundschule und Kindergärtner (Masterstudiengang Bildungswissenschaften für den Primarbereich). 

Gängige Meinung der Hochschülerschaft sei falsch

"Doch damit werden die ersten Absolventen des neuen Masterstudienganges genauso disqualifiziert, wie der Studiengang und die Fakultät selbst", geben die Betroffenen zu bedenken. Und weiter: Die landläufige Meinungsbildung und vor allem jene der Hochschülerschaft hinsichtlich des geringen Arbeitsaufwandes für Studenten an der Fakultät sei falsch.

"Südtirols neue Grundschullehrer und Kindergärtner studieren stolze fünf Jahre mit sehr viel Einsatz und Arbeitsaufwand, ohne dabei ungerechtfertigt hohe Noten einzukassieren, ja wir müssen sogar drei Sprachnachweise liefern: C1 in der Erstsprache, C1 in der Zweitsprache, B2 in der Drittsprache - angelehnt an den europäischen Referenzrahmen für Sprachen", heißt es dazu. Weiters wird auf Masterarbeit, zahlreiche Fach- und Seminararbeiten, Lernjournale, Unterrichtssimulationen, Laboratorien und Praktika verwiesen. 

"Von Anbeginn wirkten in unserem Studium Theorie und Praxis zusammen", so Fabian Fleischmann und Katalin Schmidhammer.

Engagement auch von anderer Seite gefordert

"Vielmehr, als solche undifferenzierten, rufschädigenden Aussagen durch das Land zu posaunen - und das nicht nur letzthin - hätte sich das Schulamt inklusive Bildungslandesrat den Studiengang genauer unter die Lupe nehmen sollen, um auf das bevorstehende Schuljahr mit den Masterabsolventen gewappnet zu sein", fordern die Studenten. 

Seit nunmehr fünf Jahren gebe es den Studiengang und dennoch scheine dies beim Schulamt noch nicht angekommen zu sein, da die einzureichenden Formulare für die Aufnahme in den Schuldienst 2016/2017 der „Landesranglisten für das Lehrpersonal“ den Masterstudiengang mit all seinen neuen Eigenschaften und Anforderungen (Deutsch als Zweitsprache, integrierte Englischlehrbefähigung, Regelung für das Switchen zwischen den Ranglisten des Kindergartens und der Schule, Gleichberechtigung der Besoldung zwischen Primarstufen und Sekundarstufenlehrer usw.) gar nicht erst vorgesehen hatten.

Daher spielt die Studenten an Ball zurück: Wo bleibe das Engagement des Schulamtes und des zuständigen Landesrates, die dasselbe von der Universität doch so stark einfordere?

stol

stol