Donnerstag, 02. Juli 2020

Petition gegen ein „Lehrerwunderland Südtirol“

Es ist eine „Petition für die Behebung einer Disparität“: Rund 1000 Lehrer haben seit Montag ihre Unterschrift für eine Anpassung der Gehälter und für weitere Forderungen gesetzt.

Südtirols Lehrkräfte fordern mehr Anerkennung – auch auf dem Lohnzettel.
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Südtirols Lehrkräfte fordern mehr Anerkennung – auch auf dem Lohnzettel. - Foto: © shutterstock
„Lehrerwunderland Südtirol?“, so der Titel der Petition, die seit Montag online ist. Seitdem haben bereits mehr als 1000 Lehrpersonen die Forderungen, die gestellt werden, unterstützt.

Die Südtiroler Bildungspolitik erweise sich „als eine Blaupause des römischen Zentralismus“, heißt es in dem Schreiben an Landeshauptmann Arno Kompatscher, Bildungslandesrat Philipp Achammer und Landesschuldirektorin Sigrun Falkensteiner.

„Einerseits zwar aufwändige Investitionen in Schulbauten und mediale Repräsentation, daneben aber Reglementierung der Pädagogik und keinen Euro mehr für die professionelle und öffentliche Aufwertung der Lehrberufe“, so die LehrerInneninitiative Südtirol, die sich für die Petition verantwortlich zeichnet.

Auch „die mit aller Wucht hereingebrochene digitale Bildungsrevolution“ bedrohe zunehmend die geistige, kulturelle und soziale Entwicklung der jungen Menschen durch „die Herstellung von bestenfalls
arbeitsmarktgerechten Ausgebildeten, möglichst kosten- und zeitoptimiert.“

Bisheriger Höhepunkt sei die Kompromittierung der Institution Schule durch die aktuellen ministerialen Vorgaben und die regionale Anpassung der Zeugnisschlussbewertung durch die Bildungsdirektion.

„Die behördlichen Vorgaben untergraben so nicht nur die Ausrichtung der erzieherischen Aufgaben auf Schulcurricula und kompetenzorientiertes Lernen, durch das aktuelle Bewertungschaos wird jedes Lernziel zu einem Gegenstand, der mit einer niedrigen Frustrationsschwelle leicht zu umgehen ist.“

Anerkennung und neuer Arbeitsvertrag gefordert

„Das Berufsbild der Lehrende und unser ethisches Selbstverständnis verpflichten uns zu einem anspruchsvollen Auftrag im Dienst der Gesellschaft. Dabei stehen wir zu Recht unter kritischer öffentlicher Beobachtung und Evaluation, deren Ergebnisse aber nicht selten
positiv ausfallen. Nach den Erfahrungen mit der Corona-Krise wird von vielen Seiten eingeräumt, dass die Schule und die Lehrkräfte in Südtirol quasi über Nacht den außerordentlichen Herausforderungen weitgehend auf professionelle Weise gewachsen waren und sind“, heißt es in dem Schreiben weiter.

Dafür fordern die Lehrer nun Anerkennung – und Verhandlungen für einen neuen Arbeitsvertrag.

„Im Vergleich zu einer in allen Berufsgruppen und Arbeitsbereichen üblichen Anerkennung der Berufserfahrung in der Gehaltsentwicklung ist das staatliche Lehrpersonal in Südtirol auf vielfache Weise benachteiligt. So hat sich der Übertritt zum Land unter vielerlei Hinsicht
dienstrechtlich und ökonomisch nicht ausgezahlt. Das betrifft die nicht gewährleistete Abgeltung der weitreichenden Zusatztätigkeiten und den ständig steigenden Einsatz des Lehrpersonals für eine zeitgemäße Schulentwicklung in den letzten 10 Jahren und nicht zuletzt auch die Relation der Lehrergehälter zu den Lebenshaltungskosten in Südtirol. Hinzu kommt, dass die Lehrkräfte in Südtirol seit Jahren mit ihrer privaten medialen und digitalen Ausstattung, für die sie keinerlei finanzielle Unterstützung erhalten, die Digitalisierung der Schule und in der aktuellen Situation auch das gute Funktionieren des Fernunterrichts erst ermöglichen.“


Die Forderungen der Petition:

1. Die erste Forderung betrifft eine Anpassung der Gehälter an einen akademischen Standard, angefangen vom Beginn der Laufbahn bis zum Ende nach 40 Dienstjahren mit einer progressiven Erhöhung um 800 Euro netto monatlich, um nach einem 15-jährigen Stillstand
den realen Lohnschwund zu korrigieren und eine gerechte Staffelung der Gehälter gemäß der Laufbahnentwicklung wieder herzustellen.

2. Den Lehrkräften sei rückwirkend mit einem Pauschalbetrag die persönliche Ausstattung mit digitalen Medien zu vergüten, so wie es seit 2015 den Lehrkräften in den Schulen „staatlicher Art“ gemäß der Maßnahme der Regierung Renzi mit der „carta del docente“ und jährlich 500 Euro zusteht.

3. Auf der Grundlage einer gründlichen Analyse wird die dienstrechtliche und ökonomische Gleichstellung des Lehrpersonals in den staatlichen Grund-, Mittel- und Oberschulen mit jenem der Lehrkräfte in Landesdienst gefordert. Dabei seien auch die zweijährigen Vorrückungen sowie die Positionen von Abfertigung und Pension (TFS, TFR) sicherzustellen.

4. Die Honorierung der Zweisprachigkeit nach dem Zertifikat A, wie sie für die Mittel- und Oberschule gilt, werde im Vergleich zu anderen Berufsgruppen nur zur Hälfte vergütet. „Obwohl die Schule in zunehmendem Maße aufgrund der sozialen und kulturellen
Komplexität mit 2- und 3-sprachigen Lernsituationen arbeitet, werden diese Belastungsfaktoren im Gehaltsschema nicht berücksichtigt. Wir fordern daher die Anpassung der Zweisprachigkeitszulage des Lehrpersonals an dieselben Beträge, die für das Personal in anderen gleichwertigen Berufsgruppen gelten.

5. Die vorzeitige Möglichkeit, auf die Beträge aus der Abfertigung (TFS, TFR) zuzugreifen, sei dem staatlichen Lehrpersonal verwehrt. Hier wird eine Angleichung gefordert.

stol

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