Mittwoch, 14. Oktober 2015

Plagiat? Damit es nicht so geht, wie bei Minister von Guttenberg

In Deutschland sind zwei Minister über ihre Doktorarbeiten gestolpert: Um den Studierenden bereits vor dem Verfassen ihrer Bachelor-, Master- und Doktoratsarbeiten klar zu machen, was Plagiat bedeutet und welche Konsequenzen sich daraus ergeben, hat die Universitätsbibliothek am Mitttwoch den Kongress mit dem Titel: „Plagiat? Nein, danke.“ organisiert.

Plagiat? Nein, danke!
Plagiat? Nein, danke! - Foto: © shutterstock

Das Thema Plagiat beschäftigt die akademische Welt nicht erst seit den Rücktritten der zwei Minister von Guttenberg und Schavan. Die Studierenden unterliegen der Selbstkontrolle, wohl wissend, dass ihre Professoren die Arbeiten prüfen werden. 

Doch: „Die prominenten Plagiatsfälle haben dazu geführt, dass Studierende oft besorgt sind ob Ihrer Zitiergenauigkeit. Schließlich will niemand unfreiwillig und unwissentlich ein Plagiat schaffen und vielleicht nach Jahren dafür belangt werden", so die Leiterin der Bibliothek Gerda Winkler.

„In unseren Beratungen und Kursen im Bereich Information Literacy fällt uns auf, wie groß die Unsicherheiten im Bereich des Zitierens sind“, sagt Winkler.

An der Freien Universität Bozen hat man verschiedene Mechanismen eingeführt, um dem Plagiat entgegen zu wirken.

Freiwillige Plagiatsprüfung

Die freiwillige Plagiatsprüfung, welche die Bibliothek anbietet, ermöglicht es, dass eine Arbeit vor der offiziellen Einreichung überprüft und gezielt korrigiert werden kann. Studierende können auf diese Weise autonom sicherstellen, in ihren Arbeiten das geistige Eigentum anderer korrekt ausgewiesen zu haben. Ein weiterer Vorteil für die Studierenden liegt darin, das eigene geistige Werk vor einer Nutzung Dritter zu schützen.

Die unibz-Bibliothekare Kai Becker und Ilaria Miceli darauf hin, dass inzwischen 40 % der Absolventen diese Kontrolle nutzen.

Die beiden Referenten wiesen auf das eigentliche Problem in der heutigen Praxis hin, die Informationsfülle. „Diese Wissensflut fördert einen tendenziell unbedachten Umgang mit Informationen und Daten. Die Universitätsbibliothek versucht dem entgegenzuwirken, indem sie die Studierenden in Seminaren sensibilisiert und über das korrekte Zitieren von unterschiedlichsten Internetquellen aufklärt.“

Probleme in der Integrität können ganze Einrichtungen gefährden

Bei dem Kongress zeigte Oliver Trevisiol von der Universitätsbibliothek Konstanz auf, wie Plagiatsprävention durch zielgruppen- und fachspezifische Qualifizierung und professionelle Workflows zur Detektion beitragen kann. „Auch die Universität Konstanz war betroffen von einem Plagiatsfall, was ein sehr emotionales Thema darstellt. Probleme in der Integrität können ganze Einrichtungen gefährden, siehe Volkswagen.“

Hierbei verwies Trevisiol auf die Stichworte Informationskompetenz, Ausbildungsqualität und Redlichkeit in der Wissenschaft.

Verantwortungsvoller Umgang mit Innovation und Wissen

„Wir als Universität haben ein Mandat, wie mit Wissen umzugehen ist, und die Öffentlichkeit hat ein Recht auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Innovation und Wissen“, unterstrich Rektor Walter Lorenz in seiner Eröffnungsrede.

Für Direktor Günther Mathà ist der Trend zum digitalen Zugang zu Wissen auch über Faktoren wie das Budget ersichtlich: „Hatten wir 2013 noch 12% des Bibliotheksbudgets für die digitale Bibliothek vorgesehen, so sind es in diesem Jahr bereits 23%. Die Digitalisierung ist eine Reaktion auf den Trend der Nutzergewohnheiten.“

stol/ker

stol