Das Kulturdekret beauftragt Giuli, einen sogenannten „Olivetti-Plan für die Kultur“ zu entwerfen, der die kulturelle Wiederbelebung der Vorstädte, des Landesinneren und der benachteiligten Gebiete vorsieht. Im Gespräch spricht der Kulturminister Giuli über Verlagswesen, rechts orientierte Kulturpolitik und grenzüberschreitende Kulturinitiativen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1134225_image" /></div> <BR /><BR />Der „Olivetti-Plan“, der sich an der Figur des Unternehmers und Philanthropen Adriano Olivetti orientiert, beinhaltet Fördermaßnahmen für Bibliotheken, Buchverlage, Archive und Kulturinstitute. Dafür wurde eigens ein Fonds eingerichtet, um die Kulturseiten der Printmedien finanziell zu unterstützen. Mit Giuli haben wir uns im Auslandspresseverband in Rom über das Dekret und weitere wichtige Themen unterhalten.<BR /><BR /><BR /><b>Welche Aspekte des eben verabschiedeten Kulturdekrets sind innovativ?</b><BR />Alessandro Giuli: Das Kulturdekret ist insbesondere für das Verlagswesen und die Bibliotheken relevant. Wir wollen den Dialog mit dem Verlegerverband FIEG offen halten und Zeitungen mit unbestreitbarem historischen Wert in ihrem kulturellen Angebot unterstützen. Dabei sollen Kriterien wie lokale Verankerung und Pluralismus berücksichtigt werden. Dies ist ein Zeichen großen Vertrauens in die Printmedien, wie auch in die journalistische Kommunikation im Allgemeinen.<BR /><BR /><BR /><b>Die Rede ist auch von einem Filmministerium. Wird es eingerichtet werden so wie es Vizepremier Antonio Tajani vorgeschlagen hat?</b><BR />Giuli: Alles, was die Filmindustrie in den Mittelpunkt der Debatte stellt, ist gut. Das Kino steht bereits unter der Vormundschaft des Kulturministeriums, aber jede Überlegung, die dazu dient, das System der Filmindustrie zu verbessern, muss berücksichtigt werden. Im Moment ist das italienische Kino bei bester Gesundheit. Aber ich bin bereit, jeden Vorschlag zu prüfen und es mit den politischen Akteuren und vor allem mit der Filmindustrie zu diskutieren.<BR /><BR /><BR /><b>Die Regierung investiert auch in archäologische Grabungen und Forschung und macht mit dem Kulturdekret zusätzliche 33 Millionen Euro für Pompeji locker. Wie läuft es dort mit den Ausgrabungen?</b><BR />Giuli: Heute werden wir die Ergebnisse der jüngsten Ausgrabungen im zentralen Bereich von Pompeji und eine spektakuläre Entdeckung, ein großes Fresko, vorstellen. Dabei handelt es sich um eine „Megalographie“ mit einem dionysischen Thema. Diese wichtige Entdeckung zeigt einmal mehr, dass man in Pompeji nicht schematisch zwischen Kunst, Architektur, Alltagsleben und Ritualen unterscheiden kann, sondern dass alles ein einziges Geflecht ist, pulsierendes Leben, das uns auch heute noch viel lehren kann und das alle Anstrengungen zur Erhaltung und Zugänglichkeit eines einzigartigen Erbes verdient.<BR /><BR /><BR /><b>Die regierende Partei scheint im Kulturbereich in Italien immer mehr eine aktive Rolle spielen zu wollen. Was sagen Sie dazu, haben Sie auch dieses Gefühl?</b><BR /> Giuli: Die „rechte“ Kultur existiert. Wir müssen uns von der üblichen Ansicht verabschieden, dass die Rechten nicht in der Lage seien, Kulturpolitik zu betreiben. Es gibt eine rechte Kulturlandschaft, rechte Intellektuelle und sogar rechte Minister. Ich würde mir Sorgen machen, wenn es keine rechte Kultur, aber auch, wenn es keine linke Kultur gäbe. Genauso wie ich mir Sorgen machen würde, wenn es keine Opposition gegen eine Mehrheit im Parlament gäbe.<BR /><BR /><BR /><b>Die Opposition kritisiert Sie, weil Sie an einen rechts orientierten Intellektuellen als Präsidenten des Museums für zeitgenössische Kunst MAXXI in Rom denken. Was sagen Sie dazu?</b><BR />Giuli: Da es in Italien jetzt eine Mitte-rechts-Regierung gibt und der Kulturminister den Auftrag zur Ernennung des MAXXI-Präsidenten hat, ist dies keine Überraschung. Ex-Kulturministerin Giovanna Melandri hat 10 Jahre lang bis 2022 im MAXXI regiert. Nach 10 Jahren unter dem Vorsitz einer ehemaligen linken Kulturministerin ist es keine Überraschung, dass es jetzt im MAXXI zu einem Wechsel kommt“.<BR /><BR /><BR /><b>Und was sagen Sie von der grenzüberschreitenden Kulturhauptstadt Gorizia – Nova Gorica? Sie haben kürzlich an der Eröffnungsfeier teilgenommen...</b><BR />Giuli: Die erste grenzüberschreitende Kulturhauptstadt Europas entsendet eine großartige Botschaft an ganz Europa. Italien und Slowenien sind 2 vereinte Völker. Bei Gorizia und Nova Gorica sprechen wir nicht mehr von 2 getrennten Städten, sondern von einer einzigen Stadt. Gorizia und Nova Gorica sind Teil derselben Gemeinschaft, die eine Geschichte, eine Zukunft und eine flüssige Grenze teilt.<BR /><h3> Biografie Alessandro Giuli</h3><BR /><div class="img-embed"><embed id="1134228_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Geboren 1975 in Rom, ist Journalist, Moderator und Kolumnist bei wichtigen politischen Talkshows und Nachrichtensendungen im Fernsehen und Radio. Er begann seine journalistische Laufbahn bei verschiedenen Lokalzeitungen und wechselte dann zum „Foglio“, wo er 2008 zum ersten stellvertretenden Chefredakteur und dann bis 2017 zum Co-Direktor ernannt wurde. Von Dezember 2022 bis September 2024 war er Präsident der MAXXI-Stiftung. Er ist außerdem Autor mehrerer Bücher. Am 6. September 2024 wurde er zum Kulturminister ernannt. Er ist verheiratet und Vater von 2 Kindern.