Montag, 21. August 2017

Sensationsfund in Neumarkt: Gräberfeld entdeckt

Ein Grab aus der Zeit des Ötzi und das nach jenem von St. Lorenzen größte römerzeitliche Gräberfeld wurde in Neumarkt Laag gefunden.

Das Areal, auf dem sich die römerzeitlichen Bestattungen befinden. Die Gräber zeichnen sich durch die dunkle Verfärbung des Erdreich ab. - Foto: Landesamt für Bodendenkmäler
Das Areal, auf dem sich die römerzeitlichen Bestattungen befinden. Die Gräber zeichnen sich durch die dunkle Verfärbung des Erdreich ab. - Foto: Landesamt für Bodendenkmäler

In der Schottergrube in Laag bei Neumarkt wurde etwa zehn Meter unterhalb des heutigen Gehniveaus ein außergewöhnlicher Fund nachgewiesen: Eine Körperbestattung aus der Kupferzeit, also aus der Zeit des Ötzi.

„Das Grab enthielt als Beigabe einen Feuerstein-Dolch aus dem 3. Jahrtausend vor Christus - der Feuerstein stammt aus den lessinischen Bergen“, berichtet die Archäologin Catrin Marzoli. Es handle sich um eine kupferzeitliche Bestattung mit Grabhügel, wie sie bisher im Südtiroler Raum noch nicht nachgewiesen werden konnte, sagt die Archäologien und Direktorin des Landesamts für Bodendenkmäler.

Eine Untersuchung der gefundenen menschlichen Überreste hat ergeben, dass im Grab ein junger Erwachsener im Alter zwischen 18 bis 25 Jahren bestattet wurde.

Gesamte Ausdehnung des Gräberfeldes noch nicht klar

Bei der Überwachung des Schotterabbaus konnte ein weiterer laut Marzoli sensationeller Fund gemacht werden: Es wurde ein römerzeitliches Gräberfeld mit etwa 70 Körperbestattungen nachgewiesen. Die vereinzelten bisher geborgenen archäologischen Funde deuten auf eine Datierung in die Spätantike (4. bis 5. Jahrhundert nach Christus). Die gesamte Ausdehnung des Gräberfeldes konnte noch nicht ermittelt werden. Weitere Gräber befinden sich noch im bergseitig angrenzenden Grund.

„Die Anzahl dieser weiß man nicht genau, da der Schotter an dieser Stelle noch nicht bis auf das Niveau der archäologischen Schichten abgetragen wurde“, erklärt die Archäologin. Es handelt sich laut Marzoli neben jenem von St. Lorenzen im Pustertal, um das größte bisher im Südtiroler Raum nachgewiesene römerzeitliche Gräberfeld.

Das Gräberfeld lag ursprünglich bergseitig der bekannten römischen Reichsstrasse, die Via Claudia Augusta, die den oberitalienischen Raum über das Etschtal mit der Hauptstadt der Provinz Raetia, Augusta Vindelicum (Augsburg), verband. In nicht all zu großer Entfernung wurde vor mehreren Jahren in Neumarkt/Laag eine ausgedehnte römerzeitliche Siedlung freigelegt. „Vermutlich wurden im Bereich der heutigen Schottergrube die Verstorbenen aus dieser Siedlung bestattet“, sagt die Archäologin.

lpa

stol