Dienstag, 09. Mai 2017

Sofia Pertoll ist Südtirols „ONE“-Jugendbotschafterin

Als einzige Jugendbotschafterin Südtirols der weltweiten Organisation „ONE“ setzt sich die 21-jährige Eppanerin Sofia Pertoll seit Januar für das Recht auf Bildung für benachteiligte Kinder ein. Die Forderungen werden auch auf den höchsten politischen Ebenen erhört, hat Pertoll beobachtet.

Sofia Pertoll (Zehnte von links, obere Reihe) beim Treffen mit den ONE-Jugendbotschaftern in Rom. - Foto: Matteo Conti
Sofia Pertoll (Zehnte von links, obere Reihe) beim Treffen mit den ONE-Jugendbotschaftern in Rom. - Foto: Matteo Conti

„Dolomiten“: Seit Januar 2017 kämpfen Sie als Jugendbotschafterin der Organisation „ONE“ für bessere Bildungschancen benachteiligter Kinder. Warum?
Sofia Pertoll: Hierzulande bekommt der Zugang zur Bildung oft nicht die nötige Wertschätzung. Jeder kann wie selbstverständlich zur Schule gehen, die Matura oder eine Berufsausbildung machen und die Uni besuchen. In weniger entwickelten Ländern kann man davon nur träumen. Wir wissen, dass 130 Millionen Mädchen weltweit keinen Zugang zu Bildung haben.

„D“: Was könnten Schulbesuche verändern?
Pertoll: Einfach alles! Wo sollen denn die Kinder erfahren, dass sie mit 13 Jahren nicht heiraten und Kinder gebären müssen oder  dass es auch andere Lebenswirklichkeiten und Religionen  gibt? Es geht um die elementaren Dinge im Leben. Und wir fokussieren hier den Blickwinkel auf Mädchen, weil sie dank Bildung den beschriebenen Teufelskreislauf durchbrechen können. Nur Bildung ist die Antwort gegen extreme Armut und letztlich der Schlüssel für eine bessere Welt. 

„D“: Wie können Sie bzw. die Organisation „ONE“ dabei konkret etwas bewirken?
Pertoll: Indem wir gezielt auf diese Problematik hinweisen und Druck auf die Entscheidungsträger ausüben. Wir machen das beispielsweise mit Aktionen wie „Girls count“, indem wir auf unserem Portal von 1 bis 130 Millionen zählen und jeden Erdenbürger dazu animieren, ein Video hochzuladen. Damit wollen wir all diesen Mädchen ohne Recht auf Schulbildung ein Gesicht geben. Das Ergebnis wird wohl das längste Video der Welt sein und bei politischen Gipfeltreffen wie etwa dem G7 in Taormina Ende Mai  auf große Wände projiziert werden.

„D“: Schön und gut, aber bekommt ihr überhaupt Gehör?
Pertoll: Ja, es funktioniert und je mehr mitmachen, umso nachdrücklicher können wir unsere Forderungen formulieren. So wurden wir beispielsweise von Finanzminister Padoan nach einer Briefaktion zu einem Treffen eingeladen, haben in Rom die Präsidentin der Abgeordnetenkammer sowie Parlamentarier unsere Anliegen unterbreitet, wobei uns Unterstützung zugesichert worden ist. Gerade bin ich wieder dabei, rund 50 Briefe an Padoan zu verschicken. 

„D“: Worum geht es in diesen Briefen?
Pertoll: Diesmal um die Forderung, dass Italien seinen Beitrag leisten soll, öffentliche Gelder transparent  zu verwalten. Auch das ist natürlich ein wichtiger Punkt: Was nützt es, wenn wir Gelder in bedürftige Gebiete schicken, wenn vor Ort der Verwendungszweck nicht kontrolliert wird. Darüber hinaus war ich Anfang März bei einem Gruppentreffen in Rom, habe dort Leute  zum Mitmachen animiert und halte Vorträge in Schulen. 

„D“: Wie wurden Sie auf diese Organisation aufmerksam?
Pertoll: Im Zuge eines von der Universität organisierten „Career Day“ in Mailand hörte ich erstmals von „ONE“. Mir gefiel neben den Zielen vor allem, dass wir nicht um Geld, sondern um die Stimme von den Menschen bitten. Ich habe mich dann beworben, bewältigte  ein Auswahlverfahren und hatte das Glück, unter 500 Kandidaten zur Jugendbotschafterin bestimmt zu werden. 

„D“: Pflegt die heutige Jugend einfach eine andere Art von Protestkultur?
Pertoll: Ja sicher, ich merke in meinem Umfeld, wie sehr sich Jugendliche für alle möglichen Dinge engagieren. Wer protestiert oder an den gesellschaftlichen Zuständen etwas verbessern will, nutzt heutzutage die medialen Kanäle, lebt und konsumiert bewusster oder schließt sich eben einer NGO an.

„D“: Was treibt Sie an, um das Recht auf Bildung zu kämpfen?
Pertoll: Schon immer hatte ich einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Nach Abschluss meines Studiums möchte ich ein halbes Jahr lang in einem Krisengebiet tätig sein und danach meinen Master machen. Mein größter Berufswunsch wäre, für eine NGO wie „ONE“ zu arbeiten. 

Interview: Alex Zingerle

stol