Dienstag, 28. Januar 2020

Südtirol kauft Medizin-Studienplätze an Salzburger Privatuni

Nach Österreich kauft nun auch Südtirol Studienplätze an der Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) in Salzburg. Im Studienjahr 2020/21 stellt die Uni demnach bis zu 8 Plätze in der Humanmedizin zur Verfügung, diese Zahl steigt in den folgenden Jahren auf bis zu 25 Studienplätze, hieß es in einer Aussendung.

Aufnahmevoraussetzung für die Südtiroler ist die erfolgreiche Absolvierung des regulären PMU-Aufnahmeverfahrens.
Badge Local
Aufnahmevoraussetzung für die Südtiroler ist die erfolgreiche Absolvierung des regulären PMU-Aufnahmeverfahrens. - Foto: © shutterstock
Aufnahmevoraussetzung für die Südtiroler ist die erfolgreiche Absolvierung des regulären PMU-Aufnahmeverfahrens. Das Studium wird dann zum Teil in geeigneten Einrichtungen des Südtiroler Sanitätsbetriebes absolviert – zunächst nur im vierten und fünften Studienjahr, künftig auch in früheren Semestern.



Darüber hinaus erhalten geeignete Interessenten aus Südtirol Zugang zu den PhD-Studiengängen an der PMU sowie Ärzte des Südtiroler Sanitätsbetriebes die Möglichkeit zur Habilitation in Salzburg. Neben der Finanzierung der Studienplätze stellt Südtirol außerdem den PMU-Studenten seine Ausbildungseinrichtungen zur Verfügung.

A
uch Österreich hat schon Studienplätze an der PMU gekauft: Für 25 Anfänger-Studienplätze in den Jahren 2018, 2019 und 2020 flossen jeweils 3 Millionen Euro. Mit dieser Maßnahme soll bis zum Vollausbau der Medizin-Fakultät Linz der Ärztebedarf in der Region gedeckt werden. Auch Südtirol nannte als Grund für die Maßnahme unter anderem die Sicherstellung des Ärztebedarfs.

Widmann: „Mir geht es einzig darum, für Ärzte-Nachwuchs zu sorgen“


„Wir streben eine 10-jährige Konvention mit der PMU an. Eine Absichtserklärung oder Letter of Intent wurde bereits zwischen dem Gesundheitsassessorat, dem Südtirolet Sanitätsbetrieb und der PMU unterzeichnet“, sagt ein zufriedener Landesrat Widmann. Los gehen soll’s schon im Herbst mit dem akademischen Jahr 2020/21. „Da starten wir mit ein paar Ausbildungsplätzen, in 3 Jahren sollen es dann jährlich 25 Plätze sein. Das heißt in 10 Jahren rund 250 Abgänger“, so Widmann.

Details zu Kosten und Modalitäten sind noch zu definieren und sollen später erläutert werden. Und wie ergattern die Südtiroler den Studienplatz? „Mit einer Aufnahmeprüfung, die bereits Mitte April erfolgen soll“, sagt der Architekt dieser Zusammenarbeit. Natürlich werden die interessierten Südtiroler Studenten informiert. Aber damit nicht genug: Die künftige Konvention mit der PMU Salzburg sieht auch vor, dass die Südtiroler Studenten „die Theorie des Medizinstudiums in Salzburg absolvieren, das Klinikum aber in Südtirols Spitälern. Auch das bringt, abgesehen von den 110 Jungmedizinern, die ihren Facharzt in Südtirol machen, neues Leben in unsere Krankenhäuser“, sagt Widmann voller Genugtuung. Und er lobt Florian Zerzer, den Generaldirektor des Sanitätsbetriebs, der „großartige Arbeit bei diesem Projekt geleistet hat“.

Auch Zerzer ist von dieser neuen Zusammenarbeit angetan. „Ein tolles Projekt. Unser Part als Sanitätsbetrieb wird sein, die Plätze für diverse Praktika und das praktische Jahr zur Verfügung zu stellen. Denn mit einer Anhebung der Studienplätze an der PMU, braucht es auch Praktikumsplätze. Aber auch in der klinischen Forschung peilen wir eine enge Zusammenarbeit an“, sagt Generaldirektor Zerzer.

Die PMU, die auch mit der international renommierten Mayo-Klinik (Kalifornien/USA) zusammenarbeitet, biete „eine innovative Ausbildungsschiene. Daher ist es eine tolle Sache, wenn Südtiroler künftig die Möglichkeit erhalten, dort Medizin studieren zu können“, so Zerzer. Damit nicht genug: Widmann bastelt bereits an ähnlichen Modellen, schweigt sich aber aus, „bis Konkretes vorliegt. Mir geht es einzig darum, für Ärzte-Nachwuchs zu sorgen, damit die Gesundheitsversorgung unserer Leute sichergestellt ist“.

apa/stol