Mittwoch, 08. September 2021

12.832 Südtiroler studieren in Österreich und Italien

Im Studienjahr 2019/20 haben sich insgesamt 12.832 in Südtirol Ansässige an italienischen und österreichischen Universitäten eingeschrieben, 2260 davon seien erstimmatrikuliert, schreibt das Landesinstitut für Statistik (ASTAT) am heutigen Mittwoch in einer Aussendung

12.832 in Südtirol ansässige  Studenten, haben sich im Studienjahr 2019/20 an italienischen und österreichischen Universitäten eingeschrieben.
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12.832 in Südtirol ansässige Studenten, haben sich im Studienjahr 2019/20 an italienischen und österreichischen Universitäten eingeschrieben. - Foto: © Unsplash
In Südtirol gilt, wie in ganz Italien, eine 10-jährige Schulpflicht, ergänzt durch eine Ausbildungspflicht bis zum 18. Lebensjahr. 60 Prozent der in Südtirol ansässigen Jugendlichen schließen eine Oberschule mit der Reifeprüfung ab und erfüllen somit die Grundvoraussetzungen für die Zulassung zum Studium an einer Hochschule. 3 Viertel der Oberschulabgänger der vergangenen 5 Jahre haben sich für ein Weiterstudium in Italien oder Österreich entschieden.




Im Studienjahr 2019/20 haben sich insgesamt 12.832 Südtiroler an einer italienischen oder österreichischen Universität eingeschrieben, geringfügig weniger als im vorhergehenden Studienjahr (-9). 6144 (47,9 Prozent) in Südtirol ansässige Hochschüler studieren an einer Universität im Inland, 6688 (52,1 Prozent) an einer österreichischen Universität.


Insgesamt sind 2260 Südtiroler Studierende im Studienjahr 2019/20 erstimmatrikuliert, 1266 (56,0 Prozent) davon an einer italienischen und 994 (44,0 Prozent) an einer österreichischen Universität. Die Zahl der Südtiroler Studienanfänger ist im Vergleich zum Vorjahr um 340 gestiegen (+17,7 Prozent), wobei der Zuwachs größtenteils auf die italienischen Universitäten entfällt (+314). Sowohl an der Freien Universität Bozen als auch an der Universität Padua haben sich doppelt so viele Südtiroler erstimmatrikuliert als im Vorjahr, während die Erstsemester an der Philosophisch-Theologischen Hochschule von Brixen weniger als die Hälfte ausmachen.



Universitäten in Italien: 60,2 Prozent studieren in Trentino-Südtirol

Im Studienjahr 2019/20 nimmt die Zahl der in Italien studierenden Südtirolern im Vergleich zum Vorjahr weiter zu: Insgesamt sind 6144 junge Menschen aus Südtirol an italienischen Universitäten eingeschrieben, 274 mehr als im Studienjahr 2018/19 (+4,7 Prozent). Die Datenanalyse nach Geschlecht ergibt, dass 2362 Hochschüler und 3782 Hochschülerinnen aus Südtirol an italienischen Universitäten studieren.

Im Vergleich zu vor 10 Jahren ist die Anzahl der Südtiroler Studierenden an italienischen Universitäten jedoch um 3,2 Prozent gesunken, und zwar von 6349 im Studienjahr 2009/2010 auf 6144 im Berichtsjahr.

An Hochschulen in Italien Studierende aus Südtirol bevorzugen eine Universität in der Nähe ihres Wohnortes: Im Studienjahr 2019/20 studieren 2868 Südtiroler im Lande. Das entspricht einem Anteil von 46,7 Prozent aller Südtiroler Studenten, die an Universitäten in Italien eingeschrieben sind. 33,5 Prozent besuchen die Freie Universität Bozen, 8,7 Prozent die Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe „Claudiana“ und 4,5 Prozent die Philosophisch-Theologische Hochschule in Brixen.

Berücksichtigt man auch die 13,5 Prozent, die in Trient studieren, haben 60,2 Prozent aller Südtiroler Studierenden, die an italienischen Universitäten eingeschrieben sind, eine Hochschule in der Region Trentino-Südtirol ausgewählt.

Die von den Südtiroler Hochschülern bevorzugten italienischen Studienorte außerhalb der Provinzen Bozen und Trient sind Verona (5,4 Prozent), Bologna (4,5 Prozent), Mailand (4,2 Prozent) und Padua (4,2 Prozent). Die restlichen 21,4 Prozent der Südtiroler Hochschüler studieren an anderen italienischen Universitäten.




An italienischen Universitäten: Eingeschriebene nach Studienbereich

Die meistgewählten Studiengänge der an italienischen Universitäten eingeschriebenen Südtiroler Studierenden fallen in die Bereiche Bildungswissenschaften (18,8 Prozent), Gesundheitswesen und Pharmakologie (15,3 Prozent), Wirtschaft und Statistik (14,0 Prozent) sowie Rechtswissenschaften (6,6 Prozent).

Dabei sind die klassischen geschlechtsspezifischen Präferenzen zu beobachten: Mehr als ein Viertel (27,1 Prozent) der in Südtirol ansässigen Hochschülerinnen, die in Italien studieren, haben sich für den Fachbereich der Bildungswissenschaften entschieden, weitere 18,7 Prozent für einen Studiengang im Bereich Gesundheitswesen und Pharmakologie. Die männlichen Studenten bevorzugen hingegen die Fachrichtungen Wirtschaft und Statistik (17,5 Prozent) sowie Ingenieurwesen und Informationswissenschaften (14,0 Prozent).




Im Kalenderjahr 2019 haben 1093 in Südtirol ansässige Hochschüler, und zwar 713 Frauen und 380 Männer, ihr Studium an einer italienischen Universität abgeschlossen, 3,2 Prozent weniger als im Vorjahr.

Zudem gibt es noch 482 Südtiroler, die in Österreich an Privatuniversitäten (179), Fachhochschulen (87) und an Pädagogischen Hochschulen (216) studieren.

Die Auswahl des Studienortes ist zum Teil vom Studienangebot der Universitäten abhängig. So können beispielsweise die Studiengänge im Bereich der Land-, Forstwirtschaft, Fischerei und Tiermedizin nur in Wien besucht werden (151 Südtiroler Hochschüler). Auch belegen relativ viele Studierende aus Südtirol in der österreichischen Hauptstadt einen Hochschullehrgang im Bereich der Geisteswissenschaften und Künste (492, 40,9 Prozent) sowie der Naturwissenschaften, Mathematik und Statistik (403, 37,5 Prozent).

Mehr als 3 Viertel der Südtiroler, die in Österreich in den Fachbereichen Pädagogik (813 Studierende, 74,1 Prozent), Gesundheit und Sozialwesen (584, 79,3 Prozent) und Dienstleistungen (123, 91,8 Prozent), studieren, haben hingegen die Universität Innsbruck gewählt, insbesondere die Frauen (78,5 Prozent).

Graz ist neben Innsbruck und Wien für ein Studium der Informatik und Kommunikationstechnologie (25,3 Prozent) sowie für eines im Bereich Ingenieurwesen, verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe (27,8 Prozent) ziemlich gefragt, vor allem vonseiten der männlichen Studenten.

Die anderen österreichischen Universitätsstädte spielen bei den Südtiroler Studenten eine untergeordnete Rolle: An der Universität Salzburg ist die pädagogische Fakultät am besten besucht, in Linz, Klagenfurt oder Leoben das Ingenieurwesen.







Im Studienjahr 2018/19 haben 1148 Studenten aus Südtirol, und zwar 522 Männer und 626 Frauen, ihr Studium in Österreich abgeschlossen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Absolventen um 4,7 Prozent angestiegen.

3 von 5 Hochschulabsolventen aus Südtirol, die in Österreich studierten, erlangten ihren Studientitel an der Universität Innsbruck (60,5 Prozent). Mit einigem Abstand folgt Wien (29,1 Prozent); der Anteil der restlichen Studienorte beträgt insgesamt 10,4 Prozent.

Der Großteil der Südtiroler Jungakademiker, die im Studienjahr 2018/19 in Österreich eine Hochschule abschlossen, erlangten ihren Titel in den Studienrichtungen Pädagogik (18,6 Prozent), Sozialwissenschaften, Journalismus und Informationswesen (16,2 Prozent) beziehungsweise Ingenieurwesen, verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe (15,9 Prozent). 14,1 Prozent entfallen auf den Bereich Naturwissenschaften, Mathematik und Statistik, 12,4 Prozent auf Geisteswissenschaften und Künste und 9,6 Prozent auf Wirtschaft, Verwaltung und Recht.

Höhere Universitätsbesuchsquoten bei den Frauen

Die Ergebnisse der Erhebung der Studierenden aus Südtirol an den italienischen und österreichischen Universitäten und ihr Vergleich umfassen lediglich die absoluten Werte des Untersuchungsgegenstandes. Eine Analyse anhand einiger Indikatoren ist jedoch angebracht, um das relative Ausmaß des Phänomens zu erfassen und somit raum- und zeitübergreifende Vergleiche anzustellen.

Die Eintrittsquote in die Universität zeigt, dass sich 2 von 3 der Südtiroler Oberschulabsolventen des vorhergehenden Schuljahres (66,3 Prozent) für ein Weiterstudium an einer Universität in Italien oder Österreich entschieden und sich im Berichtsjahr 2019/20 erstmals immatrikuliert haben. Könnten auch jene Südtiroler Hochschüler erfasst werden, die in anderen Ländern studieren, würden sowohl die Übertrittsquote als auch die anderen damit zusammenhängenden Indikatoren um einiges höher ausfallen.




Mehr weibliche als männliche Maturanten haben beschlossen, ihre Bildungslaufbahn an der Universität fortzusetzen. In der Tat haben sich 70,4 je 100 Oberschulabsolventinnen des Vorjahres an einer Universität eingeschrieben, bei ihren Kollegen waren es 61,1 je 100. 41,4 Prozent der weiblichen und 31,7 Prozent der männlichen Oberschulabgänger haben sich an einer italienischen Universität immatrikuliert. Was den Eintritt in die österreichischen Universitäten angeht, weisen die jungen Männer etwas höhere Werte auf als die Frauen (29,4 Prozent gegenüber 29,0 Prozent).

Die Universitätsbesuchsquote zeigt, dass im Studienjahr 2019/20 auf 100 in Südtirol ansässige Jugendliche, die zum 31. Dezember 2019 der Altersklasse der 19- bis 25-Jährigen angehören, 29,9 an einer inländischen oder österreichischen Hochschule eingeschrieben sind. Die Universitätsbesuchsquote der Frauen liegt dabei mit 34,8 Prozent deutlich über jener der Männer (25,4 Prozent). Die geschlechtsspezifischen Unterschiede treten bei den an italienischen Universitäten eingeschriebenen Südtiroler Studenten stärker zutage als bei den in Österreich Studierenden.




Insgesamt sind knapp 3 Viertel der Oberschulabgänger der vorhergehenden fünf Schuljahre an einer Universität im Inland (35,8 Prozent) beziwhungsweise in Österreich (38,9 Prozent) eingeschrieben. 64,8 je 100 Oberschulabsolventen des Schuljahrs 2014/15 konnten 5 Jahre später ihr Studium abschließen.




Hinweise


Im Studienjahr 2001/02 wurde in Italien die Universitätsreform umgesetzt. Mit dem Gesetz 509/1999 wurde das so genannte „zweistufige 3-plus-2-Ausbildungssystem“ eingeführt, wodurch das institutionelle Gefüge der italienischen Universitäten grundlegend verändert und an die europäischen Gegebenheiten angepasst wurde. Durch die Unterscheidung in Studiengänge 1. Grades (3-jähriger Bachelor) und weiterführende Studiengänge 2. Grades von 2-jähriger Dauer (Master und Spezialisierungen) wurde eine Angleichung an europäische Gegebenheiten erzielt und gleichzeitig den Studenten die Möglichkeit kürzerer Studienwege eröffnet.

In Österreich besteht die Möglichkeit, gleichzeitig an mehreren Universitäten, Studienorten und Studienrichtungen eingeschrieben zu sein. Im Detail beziehen sich die Daten auf die Anzahl der Einschreibungen und Erstimmatrikulationen und nicht auf die eingeschriebenen beziehungsweise erstimmatrikulierten Personen. Die Informationen über die Südtiroler Universitätsstudenten wurden von der österreichischen Bundesanstalt für Statistik „Statistik Austria“ zur Verfügung gestellt.

Die Daten zu den italienischen Universitäten stammen vom Ministerium für Unterricht, Universität und Forschung und wurden durch jene der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Brixen vervollständigt. Es wurden sowohl die Kurz- und Diplom- bzw. Laureatsstudien nach der alten Universitätsordnung als auch die Laureatsstudiengänge ersten Grades sowie die Spezialisierungsstudiengänge gemäß der neuen Universitätsreform berücksichtigt.

Die Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe „Claudiana“ in Bozen hat mit verschiedenen Universitäten Abkommen abgeschlossen, damit die eigenen Studenten am Ende ihres Studiums auch das Universitätsdiplom erlangen können. Um Mehrfachzählungen zu vermeiden, wurden diese Studenten nur bei der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe angegeben und nicht bei der medizinischen Fakultät der Partneruniversitäten (Mailand, Verona und Ferrara).

Die Südtiroler Oberschulabsolventen studieren natürlich nicht nur an österreichischen und italienischen Universitäten, sondern auch in anderen Ländern. Dazu gibt es leider keine statistischen Angaben, da meist nur die Staatsbürgerschaft, nicht jedoch die Herkunftsregion der Eingeschriebenen erhoben wird.




















stol