Dienstag, 10. Januar 2017

„Unwort des Jahres 2016“ lautet „Volksverräter“

Schon die Nationalsozialisten hatten das „Unwort des Jahres 2016“ benutzt. Mit dem Begriff „Volksverräter“ werden heute Politiker beschimpft. Das sage auch etwas über eine Gesellschaft aus, meinen Sprachwissenschaftler.

Foto: © shutterstock

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist er als Schimpfwort schon mehrmals an den Kopf geworfen worden: Der Begriff „Volksverräter“ ist das „Unwort des Jahres 2016“. Das Schlagwort werde „antidemokratisch und diffamierend verwendet“, begründete die Sprecherin der „Unwort“-Jury, die Sprachwissenschaftlerin Nina Janich, am Dienstag in Darmstadt die Entscheidung.

Verwendet werde das Wort in sozialen Netzwerken und auch „massiv bei Demonstrationen“ von Anhängern des 2014 entstandenen islam- und fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses oder der AfD. Das Wort sei ein „Erbe von Diktaturen“, unter anderem der Nationalsozialisten, sagte Janich. „Ein solcher Sprachgebrauch würgt das ernsthafte Gespräch und damit die für Demokratie notwendigen Diskussionen in der Gesellschaft ab.“

Kanzlerin Merkel wurde etwa im August 2015 bei einem Besuch in einer Flüchtlingsunterkunft in Heidenau in Sachsen als „Volksverräterin“ beschimpft. Auch Bundespräsident Joachim Gauck, SPD-Chef Sigmar Gabriel und andere Politiker werden immer wieder entsprechend verunglimpft.

Zum „Unwort des Jahres 2015“ war der häufig von Rechtspopulisten verwendete Begriff „Gutmensch“ gewählt worden. Für 2014 hatte das Gremium „Lügenpresse“ ausgesucht, ein Begriff, der vor allem vom Pegida-Bündnis genutzt wird. „Es ist uns auch bewusst, dass wir mit “Volksverräter„ ein Wort gewählt haben, das sich “Lügenpresse„ an die Seite stellen lässt“, teilte die Jury mit.

dpa

stol