Dienstag, 12. Mai 2020

„Viele Eltern werden enttäuscht sein, aber die Gesundheit geht vor“

Ab Montag, 18. Mai, wird an Südtirols Kindergärten und Grundschulen ein Notbetreuungsdienst eingerichtet. Die Rahmenbedingungen und Konditionen wurden am Dienstagnachmittag auf der Landesmedienkonferenz im Bozner Palais Widmann vorgestellt.

Bildungslandesrat Philipp Achammer erklärte am Dienstag die Rahmenbedinungen für den Notbetreuungsdienst.
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Bildungslandesrat Philipp Achammer erklärte am Dienstag die Rahmenbedinungen für den Notbetreuungsdienst. - Foto: © Provinz Bozen
Durch die Lockerungen können immer mehr Südtirolerinnen und Südtiroler wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Was des einen große Freud ist, ist vor allem der Eltern Leid: Sie stehen vor der Frage, wer nun ihre Kinder betreut.

„Befinden uns noch nicht in Vor-Corona-Zeit“

Um den Eltern hier zumindest teilweise unter die Arme zu greifen, wurde von der Landesregierung ein Betreuungsnotdienst eingerichtet, der am Dienstagnachmittag auf der Medienkonferenz mit Landeshauptmann Arno Kompatscher und dem italienischen Bildungslandesrat Giuliano Vettorato von Bildungslandesrat Philipp Achammer vorgestellt wurde.

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„Ich möchte vorausschicken: Uns ist natürlich klar, dass Kinder dringend soziale Kontakte brauchen. Es ist aber auch zwingend notwendig sich vor Augen zu halten, dass wir uns keineswegs in einer Normalsituation befinden. Wir sind durch das Landesgesetz nicht in eine Zeit vor Corona katapultiert worden, sondern müssen uns weiterhin bewusst sein, dass ein spezieller Gesundheitsschutz erforderlich ist“, eröffnete Achammer seine Präsentation.

Die Voraussetzungen:

Am morgigen Mittwoch – und nur am morgigen Mittwoch – ist es berufstätigen Eltern von Kindern im Kindergarten- und Grundschul-Alter möglich, sie für einen Betreuungsnotdienst anzumelden.

Das dafür auszufüllende Formular soll ab Mitternacht online auf der Seite der Provinz verfügbar sein.

Der Dienst wird von Montag bis Freitag von 8 bis 12.30 Uhr in den lokalen Bildungseinrichtungen angeboten.

Voraussetzung für eine Inanspruchnahme ist, dass der Elternteil oder beide Elternteile in diesem Zeitabschnitt zwingend zur Arbeit müssen, keine Möglichkeit auf flexible Arbeitszeiten haben und niemanden haben, der auf die Kinder aufpassen kann. Eltern, die im Homeoffice arbeiten, haben keinen Anspruch auf den Dienst.

„Wir sind uns bewusst, dass es die Forderung gibt, den Dienst auch für Elternteile im Homeoffice zugänglich zu machen“, erklärte Philipp Achammer. „Dies ist uns aber leider nicht möglich: Wir müssen die Gruppen so klein wie möglich halten, weshalb der Dienst nur für jene angeboten werden kann, die wirklich keine andere Möglichkeit haben, ihre Kinder betreuen zu lassen.“

Es gibt allerdings 2 Ausnahmen: Familien in prekären Situationen, die vom Sozialdienst begleitet werden sowie Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung. „Diese Kinder sind besonders von dieser schweren Zeit betroffen und auch die Familien brauchen eine Entlastung“, so Achammer.

„Ranglisten erst, wenn absolut notwendig“

Im Kindergarten werden die Gruppen aus bis zu 4 Kindern sowie einer Betreuungsperson bestehen, in der Grundschule aus bis zu 6 Kindern und einer Lehrperson.

„Wir wissen, dass diese Kriterien sicher viele Eltern enttäuschen werden. Aber nur mit strengen Regeln können wir diese neue Phase – die wir staatsweit als erste beschreiten – gut überstehen“, so Achammer.

Nach den Anmeldungen am Mittwoch wird schon am Donnerstag entschieden, wer den Dienst in Anspruch nehmen kann. Da man noch keinerlei Erfahrungswerte für einen derartigen Notbetreuungsdienst hat, sei noch nicht klar, ob die Nachfrage die Kapazitäten überschreiten werde.

„Unser Ziel ist es natürlich, allen einen Zugang zum Dienst zu ermöglichen. Sollte die Anzahl der Anfragen jene der freien Plätze allerdings überschreiten, werden Rangordnungen erstellt werden müssen. Hier werden vor allem Eltern, die im Gesundheitsbereich, in den Altersheimen oder auch bei den Sicherheitsbehörden tätig sind, Vorrang haben. Diesen Schritt machen wir aber nur, wenn es nicht anders geht“, so Achammer.

In Bezug auf die italienischen Schulen erklärte Giuliano Vettorato im Anschluss: „Natürlich gilt der Beschluss der Landesregierung auch für die italienischen Kindergärten und Grundschulen.“



liz