Dienstag, 13. Dezember 2016

Vortrag: „Frauen im Geheimprotestantismus“

Im Rahmen der vom Kompetenzzentrum für Regionalgeschichte der Freien Universität Bozen ausgerichteten Vortragsreihe „Die Reformation. Eine 500-jährige Geschichte“ spricht Christine Tropper, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kärntner Landesarchiv, am Freitag, den 16. Dezember zum Thema „Frauen im Geheimprotestantismus. Das Fallbeispiel Kärnten“.

„Frauen im Geheimprotestantismus. Das Fallbeispiel Kärnten“. - Foto: Windsheimer Konfessionsbild, 1601
„Frauen im Geheimprotestantismus. Das Fallbeispiel Kärnten“. - Foto: Windsheimer Konfessionsbild, 1601

In den habsburgischen Ländern haben in manchen Regionen Menschen ungefähr 200 Jahre lang - von der Gegenreformation um 1600 bis zum Toleranzpatent Kaiser Josephs II. 1781 - ihren evangelischen Glauben bewahrt, obwohl dies streng verboten war und sie zeitweise erhebliche Sanktionen zu erdulden hatten. Die Bezeichnung Geheimprotestantismus meint, dass diese Evangelischen ihren Glauben nicht öffentlich, sondern nur unerlaubter Weise, illegal, im Untergrund ausüben konnten.

Rolle der Frau beleuchten

So wie bis jetzt die Rolle der Frauen bei Reformation und Gegenreformation unterbelichtet geblieben ist, ist auch ihr Anteil am Erhalt des verbotenen Glaubens im Untergrund nicht behandelt worden. In Kärnten waren adelige Frauen schon für die Einwurzelung der lutherischen Lehre von Bedeutung, Manche von ihnen blieben weit über die Ausweisung des evangelischen Adels aus Innerösterreich (1628) hinaus im Land, und spielten eine wichtige Rolle für den Weiterbestand des Glaubens.

Auch im bäuerlichen Bereich lebten evangelische Frauen selbstständig und selbstbewusst ihre religiöse Überzeugung. Als die Auseinandersetzungen zwischen den Organen des absoluten katholischen Staates und den Evangelischen in Kärnten unter Kaiser Karl VI. in den 1730er-Jahren in Bekenntnisbewegungen der Protestanten gipfelten, waren daran Frauen in großer Zahl beteiligt. Nach Siebenbürgen umgesiedelt wurden als Rädelsführer der Religionsunruhen in einer ersten Welle hauptsächlich Männer. Frauen übernahmen daraufhin in den Untergrundgemeinden kurzzeitig zum Teil die Führungsrollen, entschlossen sich dann aber meist, zu bzw. mit ihren Männern in die Fremde zu gehen. Dass die unmündigen Kinder zurückgelassen werden mussten, erschwerte das Einwurzeln in der neuen Heimat beträchtlich.

Familien wurden zerrissen

Unter Maria Theresia wiederholten sich die Ereignisse in noch größerem Ausmaß. Überlieferte Einzelschicksale zeigen, dass Frauen um der Kinder willen unerlaubter Weise zurückkehrten, ihren Glauben aber nur äußerlich änderten, im Geheimen weiter evangelisch blieben und die Lehre der nächsten Generation vermittelten. So zerrissen die Transmigrationen zwar Familien und zerstörten Existenzen, rotteten aber das verbotene Bekenntnis nicht aus.

Glaubensbekenntnis durch Toleranzpatent

Nach der Freigabe der privaten Religionsausübung durch das Toleranzpatent Kaiser Josephs II. mussten sich die Evangelischen persönlich und einzeln vor den dazu bestimmten Kommission zu ihrem Glauben bekennen. Nach einer Aufstellung vom 30. Juni 1783 hatten sich bis dahin in Kärnten 6356 Männer und 6764 Frauen als evangelisch erklärt. In den Verhörprotokollen anlässlich der Religionserklärungen erweisen sich die Frauen den Männern sowohl im Glaubenswissen als auch in der Glaubenstreue als ebenbürtig.

Christine Tropper ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kärntner Landesarchiv in Klagenfurt und Expertin für die Religionsgeschichte Kärntens. Sie spricht im Rahmen der Vortragsreihe „Die Reformation. Eine 500-jährige Geschichte“ am Freitag, 16. Dezember 2016 um 17.30 Uhr zum Thema „Frauen im Geheimprotestantismus. Das Fallbeispiel Kärnten“ (Freie Universität Bozen, Hörsaal C4.01)

stol

stol