Dienstag, 17. September 2019

Bozen feiert Giorgio Moroders 80. mit einem Musical

Giorgio Moroder ist ein Weltstar, auch wenn er selbst kaum Aufhebens um seine Person macht. Entspannt sitzt er im Sessel und wartet, dass er an die Reihe kommt während der Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen Programms der Vereinigten Bühnen Bozen. Er ist geduldig, nach fast einer Stunde wird ihm das Mikrophon gereicht: „Ich dachte mir, diese Frau ist verrückt“, sagt er dann Irene Grikinger zugewandt, Intendantin der VBB. Sie lachen. „Als sie zu mir kam und mir von ihrer Idee, aus meinen Hits ein Musical zu machen, erzählte.“

Unter dem Titel "I feel love" widmen die VBB dem Südtiroler DJ und Oscar-Preisträgers Giorgio Moroder ein Musical.
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Unter dem Titel "I feel love" widmen die VBB dem Südtiroler DJ und Oscar-Preisträgers Giorgio Moroder ein Musical. - Foto: © shutterstock

732 Songs hat Moroder komponiert. In den 80er Jahren gab es weltweit keine Disco, die ihn nicht spielte. „I feel Love“ hat auch den faulsten Tänzer zum Zucken gebracht und auf die Tanzfläche katapultiert. Donna Summer wurde damit weltberühmt.

Am 21. Mai feiert das Musical „A Tribute to Giorgio“ Weltpremiere. Damit schließen die VBB ihr Programm 2019/20 ab und feiern gleichzeitig den 80. Geburtstag von Giorgio Moroder im Stadttheater von Bozen mit Discofeeling nach der Premiere. Unglaublich, wenn man vor ihm steht und unglaublich, wenn man seine Musik hört.

Rund um ca. 20 seiner wichtigsten Hits wird eine Geschichte erzählt, von einem der auszog, um die Welt zu entdecken und um sie vielleicht auch ein wenig zu verändern. „Es ist nicht meine Story, die da präsentiert wird“, stellt Moroder gleich klar, denn sein Leben sei nicht so spannend, sagt der Weltstar bescheiden – und meint es auch wirklich so. Na ja, nicht jeder trifft täglich Tom Cruise oder Donna Summer… „Man darf sich auch keine dramatisch romantischen Musik-Szenen vorstellen, ich habe Tragik à la Chopin nie mit meiner Musik verflochten.“

Was genau der Inhalt sein wird und welche Hits zu hören sein werden, steht noch nicht im Detail fest. Sicherlich werden „I feel Love“ nicht fehlen so wie „Love to Love You Baby“, „Call me“, „What a Feeling“ aus Flashdance, „Right here, right Now“ oder „The Never Ending Story“. Dieser Song erfährt derzeit in den USA ein Revival. Die Auswahl ist ein Potpourri seines Schaffens. Wir werden auch Musik hören, die unzertrennlich mit großen Sportereignisse verbunden bleibt wie etwa „Un’estate italiana“ – gesungen von Edoardo Bennato und Gianna Nannini im Jahr 1989 –, und als offizielle Hymne zur FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien galt oder „Hand in Hand“, das offizielle Lied der Olympischen Sommerspiele 1988 in Seoul.

Was immer noch wenige wissen: Auch das gebräuchliche „Vater Unser“ aus dem Gotteslob stammt aus der Feder von Giorgio Moroder.

„Auch 'Lucky Luky' aus dem Jahr 1969 wird Teil des Musicals. Es ist ein Bubblegum-Lied, ich habe es geliebt, da es mir am Anfang meiner Karriere sehr geholfen hat zu überleben, im wahrsten Sinne des Wortes. Aber es ist heute alt“, meint der Meister, der sich nach der Pressekonferenz gleich nach Gröden zurückgezogen hat, denn „ich bin gerade dabei, für den neuen 'Top-Gun-Film' den Soundtrack zu schreiben.“ Das Libretto zum zum Jukebox-Musical ist von Susanne Felicitas. Die musikalische Leitung obliegt Stephen Lloyd.

Eröffnet wird die neue Theatersaison mit einer Coproduktion zwischen VBB, Teatro Stabile und dem spanischen Theater Teatro Principal Zaragoza (siehe dazu Dolomiten 4.9.2019): „'Europa Cabaret' erzählt von den großen Träumen der Gründerväter Europas und von den Werten, die sie vermitteln wollten“, sagt die Regisseurin Serena Sinigaglia. In 3 Sprachen werden die großen Themen, die Europa ausmachen, angesprochen (8.10., Trevizentrum).

Es folgt eine Komödie. Am 12.10. feiert „Die Affäre Rue de Lourcine“ von Eugene Labiche Premiere – eine Art Theaterversion des Films „Hangover“ und gleichzeitig eine Attacke auf das Spießbürgertum. Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek hat das Stück übersetzt und der Direktor des Wiener Rabenhof Theaters und Regisseur Thomas Gratzer inszeniert. Ernst wird es in der Uraufführung „Im Treibsand“ (13.11.) von Edith Moroder. Darin verarbeitet die Autorin – auch mit komischen Elementen – die vielen Jahre, in denen sie ihre an Alzheimer erkrankte Mutter gepflegt hat. Regie führt Christian Mair, die Hauptrollen spielen Liz Marmsoler (Mutter), Patrizia Pfeifer (Tochter) und Elisa Pirone (Enkelin). Dazu hat Barbara Zanetti die Musik geschrieben. Mair führt auch Regie in „Ti amo – Ich auch“ des VBB-Theaterclubs (5.3.) – Menschen aller Altersgruppen erzählen ihre Liebesgeschichte.

In Joseph Roths Jahrhundertroman „Radezkymarsch“ heißt es: „Ich habe Angst, ich habe überall und immer Angst.“ Diesen Tanz am Rande des Abgrunds kurz vor Beginn des I. Weltkrigs inszeniert Rudolf Frey (8.2.). Mit dem Transdiziplinären Projekt „#Together“ setzen die VBB ihren zeitgeschichtlichen Schwerpunkt fort und gedenken ab dem 17. Jänner in verschiedenen Orten im Land an 100 Jahre Südtirol.

Auch in diesem Jahr gibt es einige Koproduktionen: Mit dem Stadttheater Klagenfurt in „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“ (23.1.) von Peter Handke oder mit dem Landestheater Niederösterreich in „Christoph Kolumbus“ (25.3.) von Miroslav Krleza und mit dem Tiroler Dramatikerfestival 2020 in „Sprech im Wald“ von Wolfgang Nöckler, dem Sieger des Literaturwettbewerbs 2019. Und in Zusammenarbeit mit dem Haydn Orchester entsteht die Oper „Toteis“ (13.3.) von Manuela Kerer. 

D/eva

stol