Dienstag, 26. September 2017

Coudenhove-Kalergi – Ein Vordenker Europas und Freund Mussolinis

Richard Nikolaus Graf Coudenhove-Kalergi, der Gründer der „Paneuropa-Bewegung“ in der Zwischenkriegszeit, gilt als einer der Vordenker der Europäischen Union. Und als Freund des italienischen Diktators Benito Mussolini. Der österreichische Politologe Michael Thöndl wird am Donnerstag auf Einladung der Michael-Gaismair-Gesellschaft über Coudenhove und sein Verhältnis zum Faschismus referieren.

In einem Forschungsprojekt geht der Italienforscher Michael Thöndl Richard Coudenhove-Kalergis Beziehung zum Faschismus auf den Grund.
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In einem Forschungsprojekt geht der Italienforscher Michael Thöndl Richard Coudenhove-Kalergis Beziehung zum Faschismus auf den Grund. - Foto: © shutterstock

Coudenhove-Kalergi wurde 1950 als erster mit dem Aachener Karlspreis für die Einheit Europas ausgezeichnet. Zwei Aspekte machen das Werk dieses Österreichers, so die Michael-Gaismair-Gesellschaft hoch aktuell. Zum einen sei Coudenhove der Auffassung gewesen, Großbritannien solle nicht Teil einer Europäischen Union sein, da sich die außenpolitischen Ambitionen der Insel nicht sinnvoll mit der gesamteuropäischen Idee verbinden ließen.

Gegner des Nationalsozialismus – Hinwendung zum Faschismus

Coudenhove hatte sich „Paneuropa“ zunächst als Bund demokratischer Staaten vorgestellt. In den 1930er Jahren änderte er jedoch seine Auffassung. Als Gegner der Nationalsozialisten, deren Antisemitismus er entschieden ablehnte, setzte er auf den italienischen Faschismus. Wie Bundeskanzler Dollfuß und andere Vertreter des austrofaschistischen Ständestaates hoffte er nicht nur, dass Mussolini Österreich gegen Hitler verteidigen würde, sondern glaubte auch, dass dem neuen Italien eine wichtige Funktion bei der politischen Stabilisierung des europäischen Kontinents und der Sicherung des Friedens zukomme.

Autoritäre Tendenzen in der EU

Die zweite aktuelle, von Coudenhove formulierte Frage lautet daher, ob Demokratien und Diktaturen in Europa eine gemeinsame Zukunft haben können. Sie wird wieder politisch bedeutsam, seit in einzelnen Staaten der Europäischen Union wie Polen und Ungarn autoritäre Tendenzen zunehmen.

Foto: Privat

In einem Forschungsprojekt geht der international renommierte Italienforscher Michael Thöndl diesen Fragestellungen auf den Grund. Unter Hinzuziehung italienischer Archivmaterialien vertieft er nicht nur die bisherigen Erkenntnisse über die Hinwendung Coudenhoves zum Faschismus, er untersucht auch die Bedeutung, die Coudenhove für den Faschismus und Mussolini hatte.

Am Donnerstag, den 28. September referiert Michael Thöndl um 18 Uhr in Bozen, Kolpinghaus, Josefssaal, Kolpingstr. 3.

stol

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Prof. Dr. Michael Thöndl ist Fachbereichsleiter für Politikwissenschaft an der Fachhochschule bfi Wien und Lehrbeauftragter an der Universität Innsbruck. Er ist Italienexperte, zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die politische Ideengeschichte wie die Totalitarismusforschung. 

stol