Donnerstag, 26. April 2018

Eau&Gaz: Gruppenausstellung in Eppan

Die Künstler-Residency Eau & Gaz wurde 2014 ins Leben gerufen, um in Eppan einen Treffpunkt zu schaffen für Künstlerinnen und Künstler, Kunst- und Kulturinteressierte und all jene, die in diesem Kontext produktiv sind. Am 3. Mai findet im Lanserhaus in Eppan die Gruppenausstellung der Künstlerresidenz Eau&Gaz statt.

 Am 3. Mai findet im Lanserhaus in Eppan die Gruppenausstellung der Künstlerresidenz Eau&Gaz statt. - Foto: Künstlerresidenz Eau&Gaz
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Am 3. Mai findet im Lanserhaus in Eppan die Gruppenausstellung der Künstlerresidenz Eau&Gaz statt. - Foto: Künstlerresidenz Eau&Gaz

Bei der Gründung der Vereinigung war es Ziel, einen Ort zu schaffen, der im Gegensatz zum oft temporären Charakter von Ausstellungen Bestand hat. Dabei ist eine Plattform entstanden, die zur Erforschung gesellschaftlicher, politischer sowie ästhetischer Fragen und damit zu lebendigem Zusammenkommen und aktivem Austausch einlädt. Jährlich laden wir Künstlerinnen und Künstler sowie Autorinnen und Autoren ein, um in Eppan zu leben und zu arbeiten.

Zum Auftakt der diesjährigen Gruppenausstellung am 3. Mai um 19 Uhr im Lanserhaus von Eppan bieten wir einen tieferen Einblick in das künstlerische Schaffen der türkischen Künstlerin Asli Çavusoglu. Das Künstlergespräch wird von der aus New Delhi stammenden Kunstkritikerin und Autorin Rosalyn D´Mello geführt.

Spiel zwischen Fakten und Fiktion 

In Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Onlinemagazin „Salto“ setzt die Künstler-Residency das Format des Künstlergespräches fort und stellt die Positionen Elif Erkans und Karin Ferraris in Dialog. Außerdem bietet die interaktive Installation „Elastic Habitat“ im Rahmen der Ausstellung die Möglichkeit, den vertrauten Lebensraum der eigenen Identität intuitiv und sinnlich zu erkunden und erweitern.

Anlässlich der vierten Edition der Residency möchten wir der Verstricktheit von Biographie und Anekdote, von Beglaubigtem und wild Erfundenem auf dem Grund gehen. Wie eine Spinne muss die konstruktive Kraft den Faden immer wieder aufnehmen und die Dinge zu einem Narrativ zusammenzufügen.

Es ist ein Spiel zwischen Fakten und Fiktion, Fallstrick, Fälschung und Authentizität. Um Leerstellen zu füllen und Brüche zu kaschieren, haften wir Bedeutung an die Dinge, mit denen wir uns auskleiden und unsere Häuser ausstaffieren. Die von Objekten besiedelten Orte schaffen Wohnräume für fiktionalisierte Charaktere. In ihnen manifestieren sich Bewohner mit den Attributen ihrer Umgebung. Asli Çavusoglus Asli Çavusoglus Arbeiten untersuchen die Umstände, in denen kulturelle und historische Fakten von Individuen transformiert, repräsentiert und interpretiert werden. Çavusoglu übernimmt dabei die Rolle einer Dolmetscherin, oder Moderatorin und wirft zugleich Fragen auf, wie Geschichte gelesen werden kann, wer diese schreibt und zu welchem Zweck. Sie sucht nach Brüchen und Lücken in Erzählungen, die Raum bieten können für neue Interpretationen.

Besucher können tragbare Skulpturen selbst ausprobieren 

Geschichten aus physischen Artefakten zu extrahieren zeigt zugleich, dass die Konstruktion und Legitimation einer Wahrheit immer erst anhand von Expertisen an Gültigkeit gewinnt. Während der Erforschung materieller und narrativer Konstellationen tauchen immer wieder vergessene oder verloren geglaubte Objekte und dessen verschwiegene Geschichte auf. Helena Dietrich und Janneke Raaphorst Elastic Habitat ist ein Tempel, ein Spielplatz, ein Laboratorium von austauschbaren Körpererfahrungen. Darin soll der imaginäre, unsichtbare und spekulative Körper erforscht werden: Eine Einladung, das gewöhnliche Habitat des eigenen physischen und virtuellen Körpers zu dehnen und zu überschreiten. Anhand individueller Sitzungen wurde der momentane physische, mentale und emotionale Zustand der Teilnehmenden aufgezeichnet und in textile, mobile Skulpturen übertragen.

Für die Ausstellung in Eppan haben die Künstlerinnen Helena Dietrich und Janneke Raaphorst ihre immersive Installation in eine interaktive Shop-Erfahrung umgewandelt. In diesem Showroom sind die Besucher eingeladen, die tragbaren Skulpturen oder Textil-Körper selbst auszuprobieren. Elif Erkan Elif Erkans Skulpturen sind wie Behälter, die ihren Inhalt schützen, zusammenhalten und aufbewahren. Sie konservieren den performativen Akt ihrer Entstehung.

Typische Architektur von Shinto-Toren

Erinnerungen und Begehren werden darin zu einer erstarrten Masse verdichtet. Es sind die Dinge, die mit unseren Körpern eine physische Bindung eingehen, ihn optimieren, heilen oder schützen sollen, die in Erkans Arbeiten regelmäßig wiederkehren. In ihren neuen Arbeiten für Eau&Gaz steht im Mittelpunkt die Frage Does Work Love Me? (Werde ich von meiner Arbeit geliebt?). Mit Methoden, die der Wahrsagerei und Zahlenmystik entnommen sind, entstehen folkloristische Bilder aus Filz, die sich dieser Frage annehmen und Betrachtende dazu anregen, ihr Verhältnis zu Arbeit, Erfolg und Schicksalhaftigkeit zu prüfen.
Masatoshi Noguchi Masatoshi Noguchis Installation suggeriert den Eindruck einer Herberge oder Wohnstätte. Ähnlich eines Schreins, der eine göttliche Kraft dazu einlädt, die Verehrungsstätte zu bewohnen, fungiert die Installation als Speicher.

Erinnerungen und Sehnsüchte schreiben sich in den Objekten ein, deren glänzende glatten Oberflächen jeden Makel von sich zu weisen scheinen. Auffallend ist das wiederkehrende Motiv des Zaunes, das in seiner Bedeutungsebene, zwischen abschirmen, filtern und schützen, ambig bleibt und das Dahinterliegende nur aus einer gewissen Distanz wahrnehmen lässt. Durchzogen von Elementen, die der typischen Architektur von Shinto-Toren entlehnt sind, markieren diese Schwellen ein symbolisches Hindurchgehen und Eintreten. Karin Ferrari Karin Ferraris künstlerische Forschung konzentriert sich auf die Narrative der Internet-Subkultur.

Künstlerische und „künstliche“ Signifikanz verschwimmen

Sie interessiert der (paranoide) Imaginationsraum als ein Symptom unserer Gegenwart und ihrer opaken Machtstrukturen. Versteckte Botschaften und Symbole, die sie genauso im Vorspann des österreichischen Nachrichtensenders ZIB oder in Popsongs wie den von Azealia Banks’„Atlantis“ oder Katy Perry’s „Dark Horse“ findet, werden mit Off-Kommentaren der Künstlerin entschlüsselt. Sie bildet Verschwörungsvideos als Teil der Youtube-Kultur nach, indem sie ihrem Schema der Ästhetik und Sprache folgt. So wird auf eine weitere spekulative Deutungsebene verwiesen: Kunstwerk und Videos sind nicht mehr zu
unterscheiden, künstlerische und „künstliche“ Signifikanz verschwimmen.

Ferraris Arbeit verbindet dabei aktuelle Themen der Medientheorie mit Popkultur, Okkultismus und Randwissenschaften. Rosalyn D’Mello Rosalyn D’Mello arbeitet als Kunstkritikerin für verschiedene indische Magazine. In ihrem Debütroman „A Handbook For My Lover“ (2015), einer Art Briefroman, verfasste sie über Jahre hinweg eine Sammlung von Briefen, die an ihren namenlosen, doppelt so alten Liebhaber adressiert sind. In diesem sehr persönlichen Zugeständnis schreibt sie über sexuelles Verlangen, Masturbation und Dehnungsstreifen und bricht damit vorherrschende Tabus in Indien. 

Gefallen an Provokation 

Der im Katalog abgelichtete Prolog erzählt, wie sich die Autorin metaphorisch Stück für Stück auszieht und sich dem Leser in ihrer Verletzbarkeit nackt preisgibt. Aber mit jeder Schicht löst sie sich von den konformen Zwängen und findet zunehmend Gefallen an der Provokation.

Am 7. Mai veranstaltet Eau&Gaz gemeinsam mit SaltoTalk ein Künstlergespräch mit den Künstlerinnen Elif Erkan und Karin Ferrari. (um 19.00 Uhr im Lanserhaus, Eppan)

Am 24. Mai wird es zudem die Möglichkeit geben an der interaktiven Performance, Elastic Habitat teilzunehmen. (Uhrzeit 20:00)

Öffnungszeiten sind vom 4 Mai bis zum 27 Mai. Immer von Freitag bis Sonntag 16:00-20:00. 

stol 

stol