<Fett>Von Waltraud Brugger</Fett><BR /><BR />Es thront majestätisch auf einem Felsen hoch über Welsberg am Eingang ins Gsieser Tal und zieht seit Generationen alle Blicke auf sich: Schloss Welsperg. Dessen reiche und spannende Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück. Doch hinter den Mauern verbirgt sich nicht nur gelebte Geschichte, sondern auch lebendige Gegenwart – angeführt von der rührigen „Schlossherrin“ Brunhilde Rossi.<BR /><BR /><b>Frau Rossi, gibt es irgendeinen kleinen Winkel auf Schloss Welsperg, den sie noch nicht kennen? Oder ist Ihnen das Schloss so vertraut wie die sprichwörtliche Westentasche?</b><BR />Brunhilde Rossi (lacht): Tatsächlich kann ich sagen, dass ich wirklich jede Ecke und jeden Winkel kenne. Mit dem Schloss habe ich eine besondere Verbindung, und das war schon so, als ich noch ein Kind war. Schon damals war ich viel im Schloss zum Spielen. Meine Großeltern wohnten zu dieser Zeit auf dem benachbarten Hof. Sie hatten viel im Schloss gelagert, wie etwa die Kartoffeln im Keller, im Futterhaus das Heu, und auch der Speck wurde dort geselcht.<BR /><BR /><b>Seit vielen Jahren widmen Sie viel Zeit und Arbeit der Erhaltung und Pflege des Schlosses. Regelmäßig finden auf Schloss Welsperg in den Sommermonaten Konzerte, Ausstellungen, Feste und Lesungen statt. Was sind bzw. waren die größten Herausforderungen?</b><BR />Rossi: Die größte Herausforderung für das Schloss selbst war sicher, es für Besucherinnen und Besucher zugängig zu machen, um es für verschiedenste Veranstaltungen öffnen zu können – mit all den Auflagen, die es zu erfüllen gab und gibt. Die Arbeit auf und rund ums Schloss ist aber spannend und vielfältig. Unterstützt werde ich von einem kleinen, aber sehr engagierten Team: dem Kuratorium Schloss Welsperg. Im Jahr 1989 wurde das Kuratorium gegründet. Schon damals hatte es sich zum Ziel gesetzt, das Schloss zu einem Ort der Gemeinschaft, einem Ort des Lebens zu machen und es irgendwann für interessierte Besucher zu öffnen, damit sie in die faszinierende Vergangenheit des Schlosses eintauchen könnten.<BR /><b><BR />Das Unterfangen gestaltete sich aber alles andere als einfach:</b><BR />Rossi: Stimmt. Zu Beginn stand ein großes Fragezeichen. Das Schloss befand sich damals in einem prekären Zustand, vieles musste renoviert werden oder es war gar nicht vorhanden. Woher sollten die Gelder kommen? Wie konnte man alle Auflagen erfüllen? Vor allem aber: Wie würde sich der Besitzer des Schlosses, Graf Georg Sigmund von Thun-Hohenstein-Welsperg, überzeugen lassen, mit dem Kuratorium einen Mietvertrag abzuschließen, damit wir die nötigen Arbeiten in Angriff nehmen können und das Schloss für Besucher öffnen können? Es gelang! In den Jahren darauf hat das Schloss viele Veränderungen erlebt: Sanitäre Anlagen, Elektroinstallationen, Böden, das stark beschädigte Dach, die romanische Kapelle wurden hergestellt, renoviert oder gebaut. Die damaligen Bürgermeister hatten uns sehr unterstützt und die Wege zum Denkmalamt und Land erleichtert.<BR /><BR /><b>Seit dem Jahr 2000 sind Sie die Präsidentin des Kuratoriums Schloss Welsperg. Während Ihrer Amtszeit haben Sie nicht nur zahlreiche Renovierungsprojekte durchgeführt, sondern auch wesentlich dazu beigetragen, dass sich das Schloss in den Sommermonaten zu einem lebendigen Zentrum für Kunst, Kultur und Bildung entwickelt hat. Welche Veranstaltungen liegen Ihnen besonders am Herzen?</b><BR />Rossi: Das kann ich nicht sagen. Es ist eine bunte Mischung von vielem im kulturellen Bereich. Schon im Jahr 1989 gab es das erste Burgfest. Es folgten viele Veranstaltungen in all den Jahren – bis heute: zahlreiche Konzerte, Ausstellungen, Lesungen, Literaturwochen, Theateraufführungen, Chorfestivals, Kochkurse – „Kochen wie früher“ im Schloss, Gitarrenkurse, Vorträge und vieles mehr. Insgesamt gab es in den vergangenen 35 Jahren 120 Konzerte, 74 Ausstellungen über Kunst und Handwerk von 160 Künstlerinnen und Künstlern, 7 Burgfeste, 3 Kulturwochen mit Vorträgen, 5 Lesungen, 5 Theateraufführungen, 2 Open Airs und 16 Chöre-Festivals im Zwinger. Weiters fanden Singwettbewerbe, Märchenabende, Lesenächte mit Schulklassen, Vollmondnächte und noch einiges mehr statt.<BR /><BR /><embed id="dtext86-65803012_quote" /><BR /><BR /><b>Heuer wird ein besonderes Jubiläum gefeiert: nämlich 35 Jahre Kuratorium Schloss Welsperg. Sicher gibt es dazu einige tolle Aktivitäten?</b><BR />Rossi: Ja, wir haben ein interessantes Programm für den Sommer zusammengestellt. Der 11. August wird ein Tag der offenen Burgtore werden mit verschiedenen Handwerkern, mit Gesang und Musik. Natürlich ist auch für Speis und Trank gesorgt. Alle Veranstaltungen sowie auch die Öffnungszeiten findet man auf der Homepage von Schloss Welsperg oder jener der Gemeinde Welsberg-Taisten.<BR /><BR /><b>Man spürt im Gespräch mit Ihnen Ihre tiefe Verbindung mit dem Schloss. Mit welchem Gefühl blicken Sie auf all die Jahre zurück?</b><BR />Rossi: Es ist ein Gefühl der Dankbarkeit. Die Erfahrungen aus menschlicher und auch denkmalpflegerischer Sicht möchte ich nicht missen. Es ist ein stetes Lernen in jeder Hinsicht – und immer ein Versuch, Ideen zu haben, sie zu erarbeiten und dann zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen im Ausschuss zu verwirklichen. Sich in Geduld zu üben, gehört genauso dazu wie Resilienz und Diplomatie. Wir sind ein ehrenamtlicher Verein, wir haben Verantwortung zu tragen und die Realität nicht aus den Augen zu verlieren. Welches Gefühl ich habe? Natürlich ist ein Gefühl des Zuhause-Seins entstanden. Die emotionale Bindung ist da. Das Schloss gibt auch sehr viel zurück, wenngleich die Arbeit natürlich nie aufhört. Meine Kolleginnen und Kollegen im Ausschuss des Kuratoriums helfen tatkräftig mit. Wir alle spüren: Das Schloss ist etwas Besonderes, fast wie eine lebendige Oase der Kultur. Aber dem Schloss kann man auch nicht alles zumuten. Denn es ist nicht immer alles gut, was lukrativ wäre. Ich finde, man soll die Grenzen des Schlosses respektieren und wissen: Was verträgt es und was nicht. Der Charakter des Schlosses darf nicht verloren gehen. Es ist 800 Jahre alt und man kann das Leben im Mittelalter fast spüren, wenn man durch die Räume geht. Deshalb muss immer die Frage im Vordergrund stehen: Was ist wichtiger? Den Charakter des Schlosses zu erhalten oder nur auf die vorteilhafte Seite in finanzieller Hinsicht zu schauen? Es ist mir und dem Kuratorium ein Anliegen, dass dieses besondere Bewusstsein rund um unser Schloss nicht verloren geht.<BR /><b><BR />Sicher sieht das auch der Besitzer des Schlosses, Graf Georg Sigmund von Thun-Hohenstein-Welsperg, so. Kommt er öfters zu Besuch, um „nach dem Rechten zu sehen“?</b><BR />Rossi: Der Graf besucht uns regelmäßig. Er ist sehr interessiert und schaut sich die Ausstellungen und angebotenen Aktivitäten an. In all diesen Jahren gab er uns immer großes Vertrauen und war stets sehr fair. Er hat uns immer freie Hand gegeben und war nie kleinlich. Seine Wünsch waren es immer, dass das Schloss öffentlich zugänglich ist und hier eine kulturelle Tätigkeit stattfindet.<BR /><b><BR />Beide Wünsche sind erfüllt. Wie viele Leute besuchen in etwa jährlich das Schloss?</b><BR /> Rossi: Die Besucherzahlen haben jedes Jahr zugenommen. Besonders an den Regentagen oder auch, wenn es im Sommer sehr heiß ist, besuchen viele Touristen, aber auch Einheimische das Schloss. Jeden Sommer sind es ca. 7000 Leute. Insgesamt haben wir im Laufe der Jahre mehr als 200.000 Besucher gezählt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1054956_image" /></div> <BR /><Fett>Das Schloss erleben<BR /><BR /></Fett>Das Kuratorium Schloss Welsperg feiert heuer sein 35-jähriges Bestehen. Das wird u. a. mit einem Tag der offenen Burgtore am Sonntag, 11. August, gefeiert. Von 10 bis 20.30 Uhr führen Weber, Spinner, Keramik-Künstler, Blumen- und Gräserbinder ihre Arbeit vor, für Musik, Speis und Trank ist ebenso gesorgt. <BR /><BR />Das Konzert „Blues trifft Alpin Folk“ mit David Frank (Steirische Harmonika), Magdalena Oberstaller (Violine) und Marc Perin (Gitarre) findet hingegen am Samstag, 17. August, mit Beginn um 21 Uhr im Rittersaal auf Schloss Welsperg statt.<BR /><BR />Das Schloss ist bis Ende August von Montag bis Freitag jeweils von 10 bis 16 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet (am Samstag geschlossen).