„Das Ergebnis ist kein Zufallsprodukt“, sagt die Künstlerin und ihre schönen runden Tonscheiben unterstreichen die besondere Konzentration auf das Bildthema. Viele Jahre war das Quadrat ihre Lieblingsform, im historischen Widum blickt man auf runde Scheiben mit feinsinniger Gestaltung. Das Gespräch mit der Künstlerin öffnet Türen für ihre außerordentliche Arbeit, die Tonarten und den tiefen Bezug zur Natur.<BR /><BR /><b>von Eva Gratl</b><BR /><BR /><b><BR />Sie haben sich zu Ihrem runden Geburtstag eine Ausstellung geschenkt, welche den Titel „Tondi“ trägt. Schließt sich damit ein Kreis? </b><BR />Elfi Sommavilla: Ich habe mir gedacht: Jetzt bin ich siebzig, und da in meinem Leben der Hauptteil meine Arbeit ist, so ist das ein guter Anlass, auch diese Arbeit in den Mittelpunkt zu stellen, denn sie macht mich glücklich. Bereits vor einem Jahr lud mich das Ehepaar Walpoth in diesen wunderbaren Ort, das alte Widum in Marling, zu einer Ausstellung ein. Und so ist es nun zu dieser Schau, für die ich den Titel „Tondi“ gewählt habe, gekommen. Es sind Räumlichkeiten, in denen diese Arbeiten, die ich speziell dafür entwickelt habe, besonders zur Geltung kommen. <BR /><BR /><b> Tondo ist ein Rundbild, und der Kreis in seiner Vollkommenheit, könnte auch als Metapher interpretiert werden, für viele gelungene Jahrzehnte... </b><BR />Sommavilla: Eigentlich war das nicht meine Intention, es ist wohl eher ein Zufall, denn die runde Form hat sich aus meiner Arbeit entwickelt. Zuerst habe ich mich mit Medaillons beschäftigt, der Kreis der verschiedenen Tondi-Gruppierungen, denke ich, passt natürlich vielleicht gut zu diesem besonderen Anlass. <BR /><BR /><b>Was hat Sie ursprünglich dazu gebracht, dass Sie sich mit Keramik beschäftigten, wann ist daraus mehr als nur eine „Arbeit“, Ihr Leben geworden? </b><BR />Sommavilla: Nach der Mittelschule besuchte ich die Kunstschule in St. Ulrich, absolvierte dann die Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Da gab es eine große Auswahl an Meisterklassen. Für mich war das Handwerk immer sehr wichtig, und in der Keramik ganz besonders ist es mehr als Grundlage der Arbeit. Auf dem Handwerk aufzubauen und mich darin weiterzuentwickeln, das war sofort meine Entscheidung. Es gab natürlich in meiner langen Künstlerkarriere Krisen, aber trotzdem haben sich gerade im Umgang mit Ton immer wieder neue Wege geöffnet. Meine Arbeit hat sich im Laufe der Zeit sehr verändert. Ich habe zu Beginn sehr viel im innenarchitektonischen Bereich gearbeitet, schuf Kachelöfen, Fliesen, Wandgestaltungen, habe mich mit Restaurierungen beschäftigt. Darauf konnte ich aufbauen, das war vielleicht die Grundlage. So habe ich auch technisch viel dazugelernt.<BR /><BR /><b> In dieser Ausstellung fällt das Bild, das wir meist von einer Keramikerin haben doch aus dem Rahmen. Es sind abstrakte Werke, die ganz besonders an den Wänden komponiert wurden. Was lag Ihnen hier besonders am Herzen?</b><BR />Sommavilla: Hier habe ich mich ganz von der sogenannten angewandten Arbeit gelöst. Mein Thema ist immer die Wiederholung mit Variationen, und diese Schau zeigt dies bis auf den Punkt gebracht. Die besondere Hängung mit geometrischen Gruppierungen trägt zu einem Gesamtkunstwerk bei. Es geht mir nicht um das einzelne Objekt, sondern um die Gesamtinstallation. Mein Ziel war es, hier in diesen Räumlichkeiten mit den Tondi eine besondere Wirkung zu erzielen. Erst das Zusammenspiel der Tondi schafft den besonderen Dialog. Raum und Objekt sind in dieser Ausstellung zu einer Einheit verschmolzen. <BR /><BR /><b>Gibt es in Ihrer Arbeit auch Themen, die sich Ihnen immer wieder aufdrängen?</b><BR />Sommavilla: Für mich ist die Arbeit in der Serie essenziell. Ich habe nie nur eine Schale, ein Objekt geschaffen, sondern wollte immer ein Projekt realisieren. Dem geht eine Recherche voraus, eine lange Beschäftigung. Auch die Deckelgefäße, die Urnen hier in dieser Ausstellung sind ein Thema in Variationen. <BR /><BR /><b>Spielt dabei die Ästhetik eine große Rolle?</b><BR />Sommavilla: Absolut. Ich tüftle lange herum, die Form, das Material, das ist die Arbeit. Die Ausführung ist natürlich in der Keramik langwierig und intensiv, aber das Wichtigste ist für mich der Entwurf und die Bearbeitung des Materials, um zu diesen Resultaten zu gelangen <BR /><BR /><b>Und wie darf man sich Ihre Arbeitsweise vorstellen?</b><BR />Sommavilla: Die Keramik hat ja sehr viele Sparten. Bei den Porzellanobjekten war mir die Malerei sehr wichtig, sie wirkt dort wie ein Aquarell und leuchtet von innen heraus. Ich wollte etwas Kleines herstellen, etwas, was jeder erwerben kann. Die Arbeit mit den Reliefs auf verschiedenen Materialien zieht sich bereits mehrere Jahre durch mein Schaffen. Es gibt sie monochrom, auch polychrom. Ich probiere zuerst die Materialien aus. Ich verwende Walzen, wähle dann einen Ausschnitt. Jedes einzelne Relief wird gebaut, dann gebrannt und wird schließlich bemalt. Da bin ich dann ganz frei. Da ich in Serien arbeite, sind sie auch unterschiedlich. Ich lasse mich natürlich von der Natur inspirieren. Bei den schwarz-weißen Tondi sieht man, wie sich die Wirkung ohne Farbe verändert, bei den roten Tondi sind es dann nur noch abstrakte Muster. Bei der Majolika wird die Malerei auf eine ungebrannte Zinnglasur gebrannt, die Farbe verbindet sich beim Brand mit der Glasur und bekommt dadurch diese Weichheit. Spannend ist natürlich beim Brand auch der Kontrollverlust, weil man ihn nie ganz steuern kann. Erfahrung ist natürlich wichtig. <BR /><BR /><b>Gibt es in dieser umfangreichen Ausstellung auch ein Werk, an dem Sie besonders hängen?</b><BR />Sommavilla: Eine große Befriedigung sind für mich die weißen Tondi. Meine Idee und die Realität sind hier zu einer Einheit verschmolzen. Die schöne weiße Wand und die 60 Tondi in ihrer elfenbeinfarbenen Farbigkeit sowie die Bearbeitung mit dem Porzellan, dieses starke Weiß, diese Arbeit macht mich stolz. <BR /><BR /><b> Ich habe gelesen: „Ton zu formen ist wie das Formen des Lebens: Man braucht Geduld, sanfte Hände und den Mut, unvollkommen zu sein.“ Sagt Ihre einfühlsame Arbeit auch etwas über Ihren Charakter aus? </b><BR />Sommavilla: Ja, vielleicht die Vielfalt, die Sprunghaftigkeit, manchmal auch die Besessenheit treffen auch auf mich zu. Man kommt ja während der Arbeit in einen Flow, so dass man gar nicht aufhören kann. Das ist wohl meines: Ich kann alles um mir herum vergessen. Unvollkommen zu sein, aber doch durch Sorgfalt ein gutes Ergebnis erreichen, das der Vorstellung entspricht, ist ein wichtiger Aspekt. Und ich kann nicht oft genug wiederholen: Es braucht Erfahrung und Sorgfalt. <BR /><BR /><b> Sie sind auch eine engagierte Kulturschaffende, Sie haben das Projekt Keramikmarkt in Naturns unterstützend begleitet, um die Vielfalt der Keramik nach Naturns zu bringen und Sie haben sich über Jahrzehnte um die Kunstszene im Vinschgau verdient gemacht. Warum glauben Sie, interessieren sich heute wieder so viele Menschen für handgemachte Produkte?</b><BR /> Sommavilla: Ich denke, es gibt in unserer digitalisierten Welt ein tiefes Bedürfnis nach Arbeit mit den Händen, und ich kann auch befriedigt auf ein Ergebnis blicken. Das Handwerk ist die Basis vom Tun. Da erinnere ich mich an einen Lehrer in der Kunstschule, der nicht oft genug wiederholte: „Impara l’arte e mettila da parte“. Du musst lernen, erst dann kannst Du weitergehen. Aber das Lernen geschieht nur im Tun. <BR /><BR /><b>Ist es heute eine Herausforderung, als freie Künstlerin auch den wirtschaftlichen Erfolg zu erlangen?</b><BR />Sommavilla: Absolut, ich kam blauäugig von der Akademie. Ich zählte mich nicht zu den Töpferinnen, so musste ich davon leben können. Ich hatte mit meiner handwerklichen Arbeit und den vielen innenarchitektonischen Projekten auch eine gute Zeit. Aber das war schon auch harte Knochenarbeit. Jetzt mit siebzig kann ich frei nach Lust und Liebe arbeiten.<h3> Termin</h3>18., 19., 20. September, 14 bis 18 Uhr, Alter Widum von Marling