Freitag, 10. Juli 2020

Festung Franzensfeste sucht Zeitzeugen zum Thema Bunker in Südtirol

Im Rahmen eines Forschungsprojekts sucht die Festung Franzensfeste Zeitzeugen, die den Bau des faschistischen Verteidigungsapparats aus dem 2.Weltkrieg miterlebt haben oder etwas darüber wissen. Das Landesmuseum Festung Franzensfeste führt seit Herbst 2019 das allererste Forschungsprojekt zum Thema „Bunker in Südtirol„ durch, dem faschistischen Verteidigungsapparat aus dem 2. Weltkrieg, der mit hunderten Bunkern die italienische Alpengrenze absichern sollte.

Bunker Nr. 3 der Sperre Landro Süd im Höhlensteintal
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Bunker Nr. 3 der Sperre Landro Süd im Höhlensteintal - Foto: © Heimo Prünster
Im Volksmund wurde der Bunkerwall spöttisch “Linea non mi fido„ genannt, da Mussolini sie aus Misstrauen gegenüber seines Verbündeten Hitler errichten ließ. Das Forschungsprojekt läuft bis Ende 2021 und seine Ergebnisse werden künftig in der Dauerausstellung zum Thema „Bunker„ zu sehen sein, die 2021 in der Festung eröffnet wird.

Derzeit werden Zeitzeugen gesucht, welche die Bauarbeiten selbst beobachten konnten oder miterlebt haben, oder auch nicht selbst dabei waren, aber Erzählungen von Eltern oder Bekannten darüber kennen.
Von besonderem Interesse sind die Bauarbeiter, ihre Verpflegung und Unterbringung und welchen Einfluss ihre Anwesenheit in den Dörfern Südtirols hatte. Lungerten die hunderten Bauarbeiter nach Feierabend in den Dörfern herum? Bildeten sich Freundschaften, Feindschaften oder war der Kontakt mit ihnen untersagt? Wie waren sie gekleidet und woher kamen sie?



Auch die Vorgänge beim unangenehmen Thema der Enteignungen, die dem Bau der Bunker vorangingen, werden untersucht. Wie wurden die Enteignungen abgewickelt, wenn alles unter strenger Geheimhaltung stand? Wer führte sie durch und verliefen sie nach der geltenden Gesetzgebung?

Auch die Baustellen sind Gegenstand der Untersuchungen: wer konnte die Steinbrüche, Materiallager, Feldküchen, Baracken oder Anlieferungen beobachten? Welche Fortbewegungsmittel wurden benutzt? Wie wurden die tausenden Tonnen an Zement und Sand zu den Baustellen transportiert?

Wer selbst Zeugin oder Zeuge ist oder jemanden kennt, der zu diesen Themen etwas wissen könnte, kann mit Projektleiter Heimo Prünster Kontakt aufnehmen (Telefonnummer 392-9811603 oder per Mail [email protected]). Er wird die Aussagen aufnehmen, wobei besonders interessante Aussagen künftig auch im Ausstellungsprojekt gezeigt werden könnten.

stol