Seit Mitte dieser Woche im Aufbau, soll die zur Gänze von der Brennerautobahngesellschaft A22 finanzierte Skulptur mit dem Arbeitstitel „Obelisk“ noch vor Weihnachten installiert sein. Die gesamte Skulptur inklusive Sockel ist 12,20 Meter hoch. Die künstlerische und handwerkliche Umsetzung dauerte rund anderthalb Jahre.<BR /><BR /> Als Kunst im öffentlichen Raum möchte die vom Künstler Peter Senoner geschaffene Arbeit nichts weniger als Teil der Landschaft werden. Einen Spitznamen habe die noch junge Skulptur mit dem Arbeitstitel Obelisk auch schon, verrät der Künstler. <BR /><BR /><BR /><b>STOL: Sie gewannen 2022 den von der Brennerautobahngesellschaft ausgeschriebenen Wettbewerb für eine künstlerische Gestaltung des neuen Kreisverkehrs an der Brennerstaatsstraße. Unweit davon entfernt existiert bereits eine Arbeit von Ihnen, direkt an der Mautstelle Klausen. Hängen die beiden Skulpturen zusammen? </b><BR />Peter Senoner: Sie stehen in einem klaren Dialog, ja. Die beiden Werke sollen eine Einheit bilden – auch wenn jede für sich eigenständig ist. Sie führen eine Art Zwiegespräch. Die Skulptur am Brunnerhof hieß ursprünglich „Galantica“; mittlerweile hat die Bevölkerung ihr den Spitznamen „die Rose“ gegeben. Für mich ein Zeichen dafür, dass die Bevölkerung die Arbeit annimmt, ja, ich würde fast sagen, sich mit ihr identifiziert. Kunst wird Teil der Umgebung, in der wir leben. <BR /><BR /><b>STOL: Der Obelisk steht seit wenigen Tagen. Gab es erste Reaktionen?</b><BR />Senoner: Mein Telefon lief heiß, es gab sehr viel positives Feedback. Natürlich wird es auch Diskussionen geben, dazu soll die Kunst ja anregen – und uns dadurch als Gesellschaft weiterbringen. Und: Es zeichnet sich bereits ein neuer Spitzname für das Werk ab. Das freut mich. <BR /><BR /><b>STOL: Der da wäre? </b><BR />Senoner: Die neue Skulptur liegt zentral und offen: im Blickfeld von Kloster Säben und im Mittelpunkt des Verkehrsflusses. Die neue Obelisk-Skulptur als „Turm“ steht in ausgewogenem Dialog mit den Türmen von Kloster Säben und der Spitalskirche – sozusagen eine zeitgenössische Ergänzung und Interpretation zu diesen wichtigen Kulturdenkmälern. Wenn es gelingt, dass sie zu einem weiteren Wahrzeichen von Klausen und der Umgebung wird, dann ist der künstlerische Auftrag erfüllt. Als Name dürfte sich aber aufgrund der erhaltenen Reaktionen „Friedensflamme“ durchsetzen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1249410_image" /></div> <BR /><BR /><b>STOL: Wie ist die Skulptur zu verstehen? </b><BR />Senoner: Der untere Bereich des Obelisken stellt eine Gebirgslandschaft dar und spiegelt die alpine Umgebung rund um Klausen und das Eisacktal wider. Diese Berglandschaft geht in eine Edelstahlskulptur über, die eine Bergspitze darstellt und – passend zum Thema Verkehrsfluss – spiralförmig aufgebaut ist. <BR /><BR /><b>STOL: Eine Parallele zur „Rose“?</b><BR />Senoner: Sie steht dabei in direktem Dialog: eine sich nach oben hin öffnende Spirale, in Bronze mit einem weißen Sockel. Der Obelisk verjüngt sich hingegen nach oben spiralförmig hin, die Elemente werden aufgegriffen, aber sind sozusagen verdreht. <BR /><BR /><b>STOL: Sie betonen, dass die Skulptur eine Gemeinschaftsarbeit lokaler Unternehmen ist? </b><BR />Senoner: Ja, das ist mir sehr wichtig. Alle beteiligten Unternehmen kommen aus einem Umkreis von zehn Kilometern. Die Wertschöpfung bleibt lokal verwurzelt, die Firmen überzeugten mit viel Innovation und mit einer perfekten Umsetzung. Das Kernteam bestand aus dem Atelierteam mit Elias Jocher und mir sowie Tobias Schölzhorn von der Firma Weico. Weico hat die handgeschliffene, vollflächig verschweißte Edelstahlskulptur realisiert. Die Skulptur verfügt außerdem über eine integrierte Beleuchtung samt Beleuchtungskonzept, konzipiert bzw. umgesetzt vom Büro Von Lutz und Elektro Oberrauch. Die eingebauten LEDs lassen sich individuell und an aktuelle Anlässe angepasst steuern, sodass die Skulptur auch als Trägerin von Botschaften fungieren kann: Zum Beispiel leuchtet sie am Tag gegen Gewalt an Frauen in Rot, oder als Botschafterin für den Frieden in Blau. Der untere Bereich ist ein 3D-Kunststeindruck, realisiert von der Firma Progress. Für die endgültige Gestaltung wird die Fläche noch mit speziellem schwarzen Porphyrgestein aus der Umgebung, abgebaut und aufbereitet von der Firma Beton Eisack, bedeckt.<BR /><BR /><b>STOL: Noch wird gearbeitet. Wann ist die Installation fertig?</b><BR />Senoner: Fertiggestellt werden soll sie bis zum 22. Dezember, noch vor den Weihnachtsfeiertagen. Ein Weihnachtsgeschenk also für die Eisacktaler und all jene, die den Obelisken mit dem Auto kreuzen. <BR /><BR /><b>Zur Person</b><BR />Peter Senoner ist 1970 in Bozen geboren, studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München. In den Jahren danach lebte und arbeitete Senoner unter anderem in New York, Tokio, Wien, Berlin und Detroit (USA). Seit 2006 hat er verschiedene Lehraufträge als Universitätsdozent am Institut für Experimentelle Architektur studio ./3 der Universität Innsbruck inne sowie an der Fakultät für Design und Kunst der Freien Universität Bozen. Er arbeitet und lebt mit seiner Familie im Atelierhaus La Fundneyt in der Nähe von Klausen.