Dienstag, 10. April 2018

Garten-Pläuschchen mit Alf Poier

Er ist der Meister des schräg-absurden Humors. Alf Poier singt, schreibt Lieder, ist Philosoph, macht Kabarett und malt - und tourt derzeit mit einem etwas anderen Bühnenprogramm durch die Lande. In Bozen macht er am heutigen Dienstag und morgigen Mittwoch Halt. STOL hat mit dem verrückt-sympatischen Multitalent schon vorab gesprochen.

Das künstlerische Multitalent Alf Poier hat sich am Dienstag zu einem Pläuschen mit STOL getroffen. - Foto. DLife
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Das künstlerische Multitalent Alf Poier hat sich am Dienstag zu einem Pläuschen mit STOL getroffen. - Foto. DLife

Ganz entspannt und gut gelaunt begrüßt Alf Poier uns am Dienstag im Garten des Hotel Laurin in Bozen und freut sich sichtlich, in Südtirol zu sein. „Ich fühle mich einfach wohl in Bozen, es ist wunderschön; und falls ich mal Flitterwochen machen sollte, dann hier“, schwärmt er uns vor. 

Im weiteren Gespräch erzählt er worum es in seinem neuen Bühnenprogramm geht und über die Quellen seiner Inspiration. „Die besten Ideen kommen aus dem Unterbewusstsein, wenn man gar nicht darüber nachdenkt, ganz intuitiv“, weiß der 51-jährige Künstler.

Dadaeske Kunst in Vollendung

„The Making Of DADA“ ist eigentlich seine Lebensgeschichte und die hochamtliche Nachreichung zu seinem 20-jährigen Bühnenjubiläum. Eine Wegbeschreibung vom steirischen Schwammerlsucher und Tanzmusiker bis hin zum nihilistischen Dadasophen und geistigen Queraussteiger.

Mit Hilfe seiner lachhaften Tagebücher rekonstruiert der kreative Querdenker darin seine Entstehungsgeschichte, er singt Musik und zeigt die Crème de la Crème seiner dadaesken Kunst. „Eine postvisionär-philosophische Werkschau meines kolossalen „Unschaffens“. Kein Kabarettprogramm im herkömmlichen Sinne – aber sehr zwischenlustig und garantiert speibfrei!“, so beschreibt Poier seine derzeit laufende Show. 

„Alle reden von freier Meinungsäußerung, aber wehe, man tut es“

Poier ist bekannt dafür sich gerne mal „daneben zu benehmen“ und gegen alles zu sein. Poier ist dabei aber tiefgründig und abgrundtief ehrlich. Dass das manchmal nicht nur anstrengend ist, sondern auch gefährlich, musste er am eigenen Leib erfahren. Er habe Drohungen erhalten, vor dem Theater, in dem er auftrat, seien Autos zerstört worden und sogar Säureattentate gab es auf ihn, erzählt er im STOL-Interview.

„Alle reden von freier Meinungsäußerung, aber wenn man das tut, ist es bald schon zuviel. Ich habe das des öfteren versucht, und habe massive Probleme bekommen. Mittlerweile versuche ich mir diese Probleme vom Leib zu halten, aber es brennt noch einiges, was man sagen müsste und sagen sollte.“ 

Es ist die Aufgabe des Künstlers, den gesellschaftlichen Konsens zu hinterfragen

Auf die Frage, ob er auch mal über das Ziel hinausgeschossen ist, aber dabei auch selten daneben geschossen habe, sagt er ganz selbstbewusst: „Natürlich bin ich auch oft über das Ziel hinausgeschossen, aber getroffen habe ich immer. Es ist ja auch die Aufgabe eines Künstlers, den gesellschaftlichen Konsens zu hinterfragen und diesen je nach der eigenen Vorstellung zu erweitern oder eben einzuschränken.“

Der Rucksack als sein Zuhause

In seinem Leben hat er sowohl privat, als auch eben in der Kunst vieles ausprobiert und sich auf Sinnsuche begeben. Einmal hat er für einige Zeit sogar in einer Höhle gewohnt. Er sei zutiefst schizophren, sagt er ganz offen. Es gebe einmal den Künstler Alf Poier und einmal den Privatmann Alf Poier. Der eine lebt in einer 100 Quadratmeter-Wohnung in Wien, der andere in der Künstlervilla.

Wenn er sich aber entscheiden müsste, würde er seinen Rucksack zu seinem Zuhause machen. „Wenn es ein Urbild von mir gibt, sehe ich mich immer mit dem Rucksack alleine am Straßenrand gehen. Das ist das was ich wirklich bin.“

Termine

Die Aufführungen finden am heutigen Dienstag, 10. April und am morgigen Mittwoch, 11. April um 20.30 Uhr in der Carambolage in Bozen statt. 

stol/vs

stol