Donnerstag, 22. Februar 2018

Gedenken an Geschwister Scholl: „Jeden Tag, nicht nur am Todestag“

Am Donnerstag jährt sich der Todestag von Hans und Sophie Scholl zum 75. Mal. Wie jedes Jahr wurde auch in Bozen der Geschwister gedacht. Warum es so wichtig ist, den Tod der „Weiße Rose“-Mitglieder in Erinnerung zu halten und warum der Bozner Hans-und-Sophie-Scholl-Platz eigentlich zentraler liegen sollte, erklärt der Vorsitzende der Südtiroler Hochschülerschaft sh.asus Manuel Gruber.

Eine weiße Rose in Gedenken an Hans und Sophie Scholl. - Foto: DLife
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Eine weiße Rose in Gedenken an Hans und Sophie Scholl. - Foto: DLife

Der Hans-und-Sophie-Scholl-Platz liegt an der Kreuzung Rom- und Trieststraße, kurz nach der Rombrücke. Dort wurde am Donnerstag in Anwesenheit des Bozner Bürgermeisters Renzo Caramaschi, des Vizebürgermeisters Christoph Baur, des Stadtrats Luis Walcher, der Ordnungshüter, Vertretern der Partisanenvereinigung ANPI, des Südtiroler Heimatbundes sowie der Vertreter der Südtiroler Hochschülerschaft sh.asus der Geschwister gedacht.

Südtirol Online: Herr Gruber, warum ist es auch nach 75 Jahren noch so wichtig, der Geschwister Scholl zu gedenken?

Manuel Gruber, Vorsitzender der sh.asus: Die Geschwister Scholl haben schon damals Werte vertreten, die auch in der heutigen Gesellschaft noch sehr wichtig sind, Werte wie Friede und Gedankenfreiheit. Hans und Sophie Scholl sind für ihre Ideale eingestanden, sind sogar dafür gestorben. Man sollte ihrer aber nicht nur am Jahrestag ihres Todes gedenken, sondern jeden Tag.

STOL: Wie aktuell ist die Thematik der Bewegung „Weiße Rose“ heute?

Gruber: Kritisch zu sein ist auch heute noch sehr wichtig. Wenn es etwa um studentische Themen geht wie Studiengebühren oder ähnliches, sollte jeder seine Meinung einbringen und dafür einstehen. Ein kritischer Blick ist heute sehr viel eher möglich als damals. Immerhin leben wir in einer Zeit, in der man sich frei äußern darf.

STOL: Derzeit erlebt Europa erneut einen Rechtsruck. Was können, was sollen Studenten hier tun?

Gruber: Das Wichtigste ist, offen für andere Meinungen zu sein, sich zu informieren und sich selbst eine Meinung bilden, zu der man dann auch steht. Genau wie damals ist es wichtig, nicht einfach blind gewissen Idealen zu folgen. Dafür standen und stehen die Geschwister Scholl, und genau deshalb ist es wichtig, die Erinnerung an sie am Leben zu halten. Aus unserer Sicht würde es helfen, den Hans-und-Sophie-Scholl-Platz zentraler zu legen. Am jetzigen Standort ist er etwas isoliert, es kommen nicht so viele junge Leute wie etwa in der Nähe der Universität. Dort wäre ein solcher Gedenkort besser aufgehoben, immerhin waren auch die Geschwister Scholl Studenten. Würde etwa der Universitätsplatz nach ihnen benannt, so würden sich die Studierenden stets die Geschichte der Scholl-Geschwister vor Augen halten, die Erinnerung würde täglich aufgerufen werden. Man würde sich häufiger mit ihrem Schicksal auseinandersetzen. Wir als sh.asus werden uns auch weiterhin bemühen, den Platz an eine zentralere Stelle zu verlegen, aber es wird wohl schwierig werden.

STOL: Gibt es heute diese Art von Zivilcourage noch?

Gruber: Die Zeiten haben sich geändert: Die Situation, dass man hingerichtet wird, wenn man für seine Ideale einsteht, gibt es ja glücklicherweise nicht mehr. Aber ich denke, sterben würde heute vermutlich niemand mehr wollen – weil sie auch nicht müssen. Hoffen wir, dass es nie wieder soweit kommt. Und dass man sich auch weiterhin frei äußern darf, ohne um sein Leben fürchten zu müssen.

STOL: Wie waren die Feierlichkeiten zum 75. Todestag in Bozen?

Gruber: Ich war positiv überrascht, es waren eindeutig mehr Menschen dort als noch im vergangenen Jahr. Das lag natürlich auch daran, dass es sich um einen größeren Jahrtag handelte. Das Thema könnte aber noch viel präsenter in den Köpfen der Bürger sein. Und die Veranstaltung könnte noch etwas würdiger sein, sie fällt immer ziemlich kurz aus.

Interview: Elisabeth Turker

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stol