Mittwoch, 10. Juli 2019

Giorgio Moroder: „In Gröden immer gerne Knödel“

Die Südtiroler DJ-Ikone Giorgio Moroder steht auch diesen Sommer wieder vor heimischem Publikum auf der Bühne: Beim Maia Music Festival am Meraner Pferderennplatz legt er am 13. Juli auf. Unter dem Titel „A Celebration of the 80s“ bringt er die besten Hits aus seiner Musikkarriere, die nun 5 Jahrzehnte überspannt. Telefonisch stand Moroder der STOL-Redaktion für ein Interview zur Verfügung.

Unter dem Titel „A Celebration of the 80s“ bringt Giorgio Moroder am Maia Music Festival die besten Hits aus seiner Musikkarriere, die nun 5 Jahrzehnte überspannt. - Foto: Zdenko
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Unter dem Titel „A Celebration of the 80s“ bringt Giorgio Moroder am Maia Music Festival die besten Hits aus seiner Musikkarriere, die nun 5 Jahrzehnte überspannt. - Foto: Zdenko

STOL: Sie sind sicherlich der bekannteste lebende Südtiroler, leben jedoch bereits seit Jahrzehnten in den USA. Worauf freuen sie sich am meisten, wenn sie nach Südtirol kommen?

Giorgio Moroder: Ich freue mich jedes Mal darauf zuhause in Gröden zu wohnen. Dort gehe ich dann wandern – auf die Seiser Alm und nach Resciesa. Besonders freue ich mich auch auf das gute Essen und wiedermal Ladinisch zu reden. Hi und da lese ich auch gerne die „Dolomiten“.

STOL: Es freut uns, das zu hören. Wie sind sie als junger Bub aus St. Ulrich zur Musik gekommen?

Moroder: Ich hab schon im Alter von 15/16 Jahren begonnen Gitarre zu spielen. Mit 19 dann habe ich ein Angebot bekommen in der Schweiz mit einer Gruppe zusammenzuarbeiten – wobei Gruppe kann man das kaum nennen: Wir waren zu dritt. Dann bin ich 6/7 Jahre lang in verschiedenen Städten als Musiker in Europa aufgetreten. Schließlich bin ich dann nach Berlin gezogen und dort habe ich begonnen zu komponieren.

STOL: Wie gelang ihnen dann der Sprung in die USA? Wann kam der Durchbruch?

Moroder: 1976 habe ich dann mit Donna Summer meinen ersten großen Hit, „Love To Love You Baby“, gehabt. Und Donna Summer ist Amerikanerin und sie wollte nach Amerika zurück. Da dachte ich mir: „Wo mein Künstler ist, da muss ich auch sein.“ Ende der ’70er Jahre bin ich dann nach Los Angeles gezogen.

STOL: Ihre Musik ist beliebter denn je, ihre Konzerte sind weltweit ausverkauft. Warum hört das Publikum ihre Musik noch immer?

Moroder: Es gibt einige Lieder, die man auch jetzt noch gerne hört. Ich kann mir das auch nicht genau erklären. Sie waren damals modern und es scheint, sie sind es heute noch immer.

STOL: Sie haben schon mehrmals gesagt, dass sie großes Lampenfieber haben, treten nun jedoch auch selbst auf. Was ist das für ein Gefühl vor so vielen Fans aufzutreten?

Moroder: Es ist ein sehr gutes Gefühl. Die Hälfte meines Lebens stand ich immer im Studio, immer hinter der Kulissen. Nun stehe ich als Künstler vorne und bin direkt im Kontakt mit dem Publikum. Ich kann mich mit den Fans direkt unterhalten. Es ist eine ganz besondere Erfahrung.

STOL: Wie haben sie ihre berühmtesten Hits geschrieben? Kommt die Inspiration plötzlich oder ist das Song-Schreiben harte Arbeit?

Moroder: Es ist eine sehr harte Arbeit. Viele meinen: Ein Komponist schreibt ein Lied und es wird ein Hit. Das ist aber nicht der Fall. Man muss viele, viele Lieder schreiben und dann hoffen, dass eines Mal gut läuft. Es ist viel Arbeit und man muss natürlich auch viel Glück haben.

STOL: Wie lange haben Sie beispielsweise gebraucht ein Lied wie „Hot Stuff“ zu schreiben?

Moroder: Für die grobe Struktur braucht man so 2 bis 3 Tage, aber dann kommt die große Arbeit. Man muss die Arrangements machen, die Details ausarbeiten. Mit dem Sänger arbeiten, die Aufnahmen machen. Es ist schwierig das zeitlich genau festzumachen. Manchmal dauert es eine Woche, manchmal kann es auch weitaus länger dauern.

STOL: Im Rückblick: Die Zusammenarbeit mit welchem Künstler ist Ihnen am besten in Erinnerung geblieben?

Moroder: Die Künstlerin, mit der ich am meisten zusammengearbeitet habe, ist Donna Summer. Wir haben zusammen über 80 Lieder aufgenommen. Das war eine schöne Zeit.

STOL: Die berühmteste Melodie aus ihrer Feder – zumindest in Südtirol – ist das von ihnen vertonte „Vater unser“. Wie ist es dazugekommen, dass sie ein religiöses Lied vertont haben?

Moroder: Keine Ahnung. Zur selben Zeit wurde in Amerika ein religiöses Lied bekannt und das gefiel mir sehr. Und ich dachte mir: „Vielleicht kann ich auch ein religiöses Lied versuchen.“ Aber mir war nicht bewusst, dass es so gut läuft. Ich habe das erst vor 3/4 Jahren zufällig erfahren, als ich das Lied in einer Kirche hörte. Es freut mich besonders, dass man das Lied am Sonntag in der Kirche singt.

STOL: Sie haben für die Arbeit 3 Oscars gewonnen. Wo bewahren sie diese Auszeichnungen auf?

Moroder: Meine Oscars habe ich zurzeit in Amerika. Bis vor ein paar Monaten war einer von ihnen in Gröden. Ich habe ihn dann hinübergebracht, damit sie alle 3 schön zusammen sind. In Los Angeles habe ich einen kleinen Schrank, wo ich die 3 Oscars, die 4 Grammys, die 4 Golden Globes sowie einige weitere Auszeichnungen aufbewahre.

STOL: Nach so langer Zeit in den USA: Knödel oder Burger?

Moroder: Burger niemals, Knödel esse ich hingegen, wenn ich in Gröden bin, immer gerne.

Interview: Hanna Widmann

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stol