Dienstag, 31. Juli 2018

Gustav Kuhn zieht sich nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung zurück

Gustav Kuhn, der künstlerische Leiter der Tiroler Festspiele Erl, wird sich nach den von 5 Künstlerinnen erhobenen Vorwürfen vorerst zurückziehen. Für den in Feuilletons vielfach als „Erlkönig“ titulierten Dirigenten und Intendanten, der die Festspiele 1997 aus der Taufe gehoben hatte, könnte somit sein Schaffen in Erl nach 20 Jahren ein jähes Ende nehmen.

Gustav Kuhn wird sich nach den von 5 Künstlerinnen erhobenen Vorwürfen vorerst zurückziehen.
Gustav Kuhn wird sich nach den von 5 Künstlerinnen erhobenen Vorwürfen vorerst zurückziehen.

Eigentlich wäre sein Engagement bis 2020 gelaufen. Und für die Zeit danach sollte der 72-Jährige, wie Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner bei der Eröffnung betont hatte, dem Festival im Tiroler Unterland als Dirigent erhalten bleiben – sollte, denn wird aus dem vorläufigen Rückzug (Kuhn stellte seine Funktion bis zur vollständigen Aufklärung der Vorwürfe ruhend) ein endgültiger, dann wäre wohl das Dirigat der „Götterdämmerung“ als Abschluss der heurigen Saison sein letztes in Erl gewesen.

Was nicht nur symbolträchtig wäre, sondern für Kuhn ein unrühmliches Ende einer künstlerisch beachtlichen Schaffensperiode bedeuten würde. Und sollten die Vorwürfe der Frauen zu einer Verurteilung Kuhns führen, dann wäre wohl auch der Imageschaden für die Festspiele insgesamt veritabel.

Sein Werdegang 

Der gebürtige Steirer, der in Salzburg aufwuchs und unter anderem bei Herbert von Karajan studiert hat, gründete die Festspiele im Jahr 1997, nachdem er bereits zuvor eine beachtliche Karriere als Dirigent hingelegt hatte. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1998 ging es mit dem Opern- und Musikfestival steil bergauf. Die für seine werktreuen, von Regieexzessen verschonten Inszenierungen bekannten Festspiele wurden nicht nur bei Wagner-Jüngern binnen kurzer Zeit vom Geheimtipp zum Fixpunkt im Festivalkalender, sondern erfreuten sich auch beim Tiroler Publikum größter Beliebtheit.

Wie die Bombe platzte 

Bis im Februar dieses Jahres erstmals dunkle Wolken über dem Festival und Kuhn dräuten. Der Blogger Markus Wilhelm veröffentlichte massive Vorwürfe gegen den 72-Jährigen, die von rüdem Verhalten bis zu sexuellen Übergriffen reichten. Kuhn wies dies stets zurück, bezeichnete sie in Interviews als „unhaltbare Anschuldigungen“ und verwehrte sich gegen Vorverurteilungen. Festspielpräsident Haselsteiner machte seinem „Maestro“ die Mauer und sprach von einer „Schweinerei erster Ordnung“.

Die Bombe platzte dann in Form eines offenen Briefes der 5 Künstlerinnen, zu einem Zeitpunkt, als es schien, dass sich die Aufregung um die „Causa Erl“ bereits gelegt habe: Just während der laufenden Festspiele, nachdem Halselsteiner Kuhn noch bei der Eröffnung attestiert hatte, „ganz der Alte zu sein“. Folgerichtig scheint also nun, dass sich der 72-Jährige bis zur Klärung der Vorwürfe aus dem Rampenlicht zurückzieht. Ob der „Erlkönig“ seine Krone ganz verliert, werden die Ermittlungen zeigen.

apa

stol