Montag, 18. September 2017

Guter Stoff: Bozner Designerinnen gewinnen culturability

Vor einem Jahr haben sich die Moroder-Schwestern Arianna und Tessa einen Traum erfüllt: Im toskanischen Prato eröffneten sie ihr Textillabor „Lottozero“. Zum Einjährigen gibt‘s jetzt ein besonderes Geschenk: 50.000 Euro und viel Prestige.

Arianna Moroder (links) und Tessa Moroder sind Textilvernarrte. Und Preisträger. - Foto: Lorenzo Burlando
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Arianna Moroder (links) und Tessa Moroder sind Textilvernarrte. Und Preisträger. - Foto: Lorenzo Burlando

Aller guten Dinge sind drei? Nein, das werden sich die beiden Bozner Schwestern vergangene Woche nicht gedacht haben. Als ihnen die Jury mitteilte, dass sie – beim dritten Anlauf – zu den fünf Gewinnern des nationalen culturability-Wettbewerbes gehören, wird die Reaktion eher ein langgezogenes „Yeah“ gewesen sein. Oder so etwas in der Art. Auf alle Fälle sind beide „total ausgetickt“, wie die 31-jährige Arianna Moroder STOL erzählt.

Lottozero, ein Ort für Textilvernarrte

Seit 2014 planten sie und ihre 35-jährige Schwester Tessa, ein eigenes Textillabor zu gründen. Ein Treff- und Knotenpunkt für kreative Leute, die sich Stoffen und allem was dazu gehört verschrieben haben – ein Ort für Textilvernarrte. Einen Namen für ihre Idee, die rasch zum konkreten Projekt wurde, hatten die beiden Boznerinnen bald: Lottozero. Und kurz darauf auch den richtigen Raum für ihren Traum, eine leerstehende Lagerhalle in Prato. Nicht irgendeine Lagerhalle, sondern eine, die ihr Großvater gebaut hatte.

Ausstellungs- und Arbeitsort

Vierzig Jahre nach seinem Tod füllten Tessa und Arianna Moroder die Halle wieder mit Leben, werkelten in ihr herum und pendelten etliche Male zwischen Bozen und Prato, bis 2016 ihr Zentrum für Textildesign und Textilkunst eröffnet wurde. Von Prato aus, seit dem 19. Jahrhundert ein Zentrum für Stoffherstellung, spinnen Tessa und Arianna seitdem ihre Fäden. Lottozero organisiert Ausstellungen und Workshops, designt und vernetzt.

„Wir sind ein Ausstellungs- und ein Arbeitsort. Unterschiedliche Designer können sich bei uns einmieten und durch das Zusammentreffen mit anderen kreativen Köpfen die daraus entstehenden Synergien nutzen“, erklärt Arianna Moroder. Sie ist der kreative Part des schwesterlichen Teams, Tessa Moroder hingegen die Netzwerkerin und Organisatorin. So genau könne man das aber auch nicht trennen, meint Arianna Moroder, man befände sich ja noch in der Aufbauphase. Eine Phase, die seit vergangener Woche einen starken Anschub erhalten hat.

Im dritten Anlauf gewonnen

Bereits zum dritten Mal hatte sich Lottozero für die culturability-Ausschreibung der Unipolis-Stiftung beworben, die kulturelle Projekte zur Revitalisierung vernachlässigter Orte unterstützt. Sowohl 2015 als auch 2016 gingen die Moroders leer aus, zu frisch war die Idee, zu jung das Projekt. Dieses Jahr dann die Genugtuung: Die Juroren entschieden sich für fünf Projekte, darunter auch Lottozero.

„Eine große Überraschung und Erleichterung“, freut sich die 31-jährige Arianna Moroder, „wir wissen, wir sind auf dem richtigen Weg, das motiviert.“ Und auch die Prämie von 50.000 Euro könne das Projekt sehr gut gebrauchen, denn die Werkstatt sei bei weitem noch nicht fertig eingerichtet.

Und der nächste Schritt? „Jetzt kann ich endlich einen Lasercutter kaufen“, freut sich Arianna Moroder und lacht.

stol/aw

stol