Freitag, 07. Januar 2022

Hollywoodlegende Sidney Poitier mit 94 Jahren verstorben

Die Hollywood-Legende Sidney Poitier ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Das gab der Außenminister der Bahamas, Fred Mitchell, am Freitag bekannt. Der in Miami geborene Poitier war auf den Bahamas aufgewachsen. Poitier gewann 1964 für den Film „Lilien auf dem Felde“ als erster schwarzer Schauspieler den Oscar für den besten Hauptdarsteller. Er wirkte überdies in Filmklassikern wie „Flucht in Ketten“, „Rat mal, wer zum Essen kommt“ und „In der Hitze der Nacht“ mit.

Sidney Poitier gewann als erster Schwarzer den Hauptdarsteller-Oscar.
Sidney Poitier gewann als erster Schwarzer den Hauptdarsteller-Oscar. - Foto: © APA/AFP / VALERIE MACON
Der am 20. Februar 1927 in Miami geborene Poitier wuchs in ärmsten Verhältnissen auf den Bahamas auf, und wurde 1974 von der britischen Queen zum Ritter geschlagen. Der damalige US-Präsident Barack Obama verlieh ihm 2009 die „Presidential Medal of Freedom“, die höchste zivile Auszeichnung der USA. Vor allem aber war Poitiers größtes Verdienst, zu einer Zeit als Darsteller erfolgreich zu sein, als dies in Hauptrollen für schwarze Menschen noch alles andere als üblich war. Mit seiner langen Filmografie, zu der Klassiker wie „Flucht in Ketten“, „Rat mal, wer zum Essen kommt“ und „In der Hitze der Nacht“ gehören, wurde er zum Vorbild für eine nachfolgende Generation dunkelhäutiger Darsteller.

Als Poitier 2002 einen Ehrenoscar für sein Lebenswerk entgegennahm, zollten die Galagäste minutenlang tobenden Applaus. Mit 22 Jahren sei er nach Hollywood gekommen, um eine Reise anzutreten, die damals „fast unmöglich“ erschien, sagte Poitier in seiner denkwürdigen Ansprache. Er lobte die „mutigen und selbstlosen“ Entscheidungen von Regisseuren und Produzenten, die ihm trotz seiner Hautfarbe Rollen und damit eine Chance gegeben hätten.

Poitier war der Wegbereiter für schwarze Leinwandstars wie Denzel Washington, Morgan Freeman, Louis Gossett Jr., Halle Berry und Viola Davis. Vor ihm hatte nur Hattie McDaniel 1940 für ihre Nebenrolle als Haushälterin im Melodrama „Vom Winde verweht“ als Schwarze einen Oscar gewonnen. Fast 25 Jahre vergingen, ehe Poitier 1964 für „Lilien auf dem Felde“ als erster Schwarzer zum besten Hauptdarsteller gekürt wurde. Er überzeugte die Akademie mit der Darstellung eines schwarzen Arbeiters auf der Farm weißer Nonnen.

Zu Poitiers Erfolgen zählt auch, dass er als erster Schwarzer in einem Hollywoodfilm eine Weiße küssen durfte. Zwar wurde die leidenschaftliche Szene 1967 noch verschämt durch den Rückspiegel eines Taxis gedreht, aber sie gehört in die Reihe jener Durchbrüche, für die Bürgerrechtler ihn feierten und für die manche Aktivisten der afroamerikanischen Bewegung ihn lange als angepassten „weißen Schwarzen“ schmähten.

Die schwarz-weiße Kussszene stammt aus dem Film „Rat mal, wer zum Essen kommt“, in dem Poitier einem betuchten Elternpaar, gespielt von Katharine Hepburn und Spencer Tracy, als künftiger Schwiegersohn präsentiert wird. Katharine Houghton mimte damals die Verlobte von Poitiers Leinwandfigur.

Die Rollenangebote für den blendend aussehenden Darsteller überschlugen sich, Ende der 1960er Jahre galt Poitier als höchstbezahlter Filmschauspieler. Neben „Rat mal, wer zum Essen kommt“ war er 1967 noch in zwei weiteren Filmen zu sehen. In dem Krimi „In der Hitze der Nacht“ glänzte er als Kriminalexperte aus dem Norden, der sich gegen einen rassistischen Südstaaten-Sheriff (Rod Steiger) durchsetzen muss.

Es war ein Zufall, dass das jüngste von sieben Kindern einer armen Bauernfamilie von den Bahamas in Florida und somit den USA zur Welt kam. Poitier, der auf der kleinen Cat-Island-Insel groß wurde, folgte als Teenager einem älteren Bruder nach Florida. Er schlug sich als Straßenverkäufer, Tellerwäscher und Hilfsarbeiter durch.

In New York trat er dem American Negro Theater bei. Nach kleinen Broadwayrollen gab er 1950 in „Der Hass ist blind“ („No Way Out“) an der Seite von Richard Widmark in einer Arztrolle sein Filmdebüt. Der Star aus Filmen wie „Flucht in Ketten“, „Porgy and Bess“ und „Ein Fleck in der Sonne“ drehte 1997 mit dem Actionthriller „Der Schakal“ seinen letzten Spielfilm.

apa

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