Freitag, 19. Juni 2020

Innsbruck: Über 2000 Jahre alter Weg aus Eisenzeit entdeckt

Bei Ausgrabungen konnten Archäologen der Universität Innsbruck in den letzten Wochen einen über 2000 Jahre alte Weg freilegen, der zur eisenzeitlichen Siedlung auf der „Hohen Birga“ in Birgitz bei Innsbruck führte.

Archäologen der Universität Innsbruck konnten in den letzten Wochen einen über 2000 Jahre alte Weg freilegen.
Archäologen der Universität Innsbruck konnten in den letzten Wochen einen über 2000 Jahre alte Weg freilegen. - Foto: © Florian Müller
Bei der „Hohen Birga“ handelt es sich um einen kleinen bewaldeten Hügel nördlich von Birgitz im westlichen Mittelgebirge bei Innsbruck auf dem bereits 1937 die Überreste einer über 2000 Jahre alten rätischen Siedlung aus der Eisenzeit entdeckt worden waren. Die Räter bewohnten seit dem Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. den Alpenraum vom Unterengadin im Westen bis in das Virgental im Osten und im Süden bis an den Gardasee.

Insbesondere in den 1940er und 1950er Jahren wurde auf der „Hohen Birga“ archäologisch geforscht, dann geriet der Platz jedoch zunehmend in Vergessenheit, die bislang entdeckten Überreste verfielen und wucherten zu. Erst vor einigen Jahren wurden unter der Leitung vom assoz.-Prof. Mag. Dr. Florian Müller vom Institut für Archäologien der Universität Innsbruck die archäologischen Ausgrabungen wieder aufgenommen und dabei mehrere Gebäude freigelegt.

Der Weg zur Siedlung auf der „Hohen Birga“

Bislang war jedoch unklar wo und wie genau der Zugang zur Siedlung erfolgte. Da der Hügel nach Norden, Osten und Westen steil abfällt, musste dieser im flacheren Südhang zu suchen sein. Dort war angeblich bereits 1953 durch den Prähistoriker Osmund Menghin ein Weg gefunden worden. Da diese Grabungen jedoch nie publiziert wurden und die alte Grabungsdokumentation dazu verschollen ist, konnte dem bislang nie weiter nachgegangen werden.



In den letzten Jahrzehnten waren am gesamten Südhang ohne archäologische Begleitung Wohnhäuser errichtet worden. Nur 2 Parzellen im östlichen Bereich blieben frei und im Vorfeld eines weiteren für Frühjahr 2020 geplanten Hausbaues wurden daher durch das Bundesdenkmalamt dort durchzuführende archäologische Untersuchungen angeordnet. Da die Zeit drängte wurden die Arbeiten durch Florian Müller und sein Team im April und Mai vorgenommen.

Fortsetzung der regulären Forschungsgrabungen im Juli

In 2 langen Suchschnitten konnten unter massiven Steinverstürzen mehrere Terrassen im Hang festgestellt werden. Die nördlichste war offensichtlichen bewusst zur Anlage eines Weges errichtet worden. „Dieser stieg von Ost nach West leicht an, dürfte etwa 2 Meter breit gewesen sein und bestand aus einer sorgfältig verlegten Rollierung aus faustgroßen Steinen“ berichtet Müller. Zur Hangkante war er gegen ein Abrutschen durch große Steine gestützt. Bei den Grabungen fanden sich zudem zahlreiche Fragmente verzierter eisenzeitlicher Keramik, ein Webgewicht, Tierknochen sowie eine eiserne Lanzenspitze.


Nach genauer Dokumentation und Aufnahme der freigelegten Befunde wird in Kürze der Hausbau starten. Auf Basis der Orientierung des exakt vermessenen Weges soll nun aber weiter geklärt werden, wo dieser genau in die eigentlichen Siedlungsterrassen oben am Hügel einmündete und wie dieser Bereich ursprünglich einmal architektonisch, möglicherweise in Form einer Toranlage, ausgestaltet war.

Für Juli ist die Fortsetzung der regulären Forschungsgrabungen im eigentlichen Siedlungsbereich geplant, bei der 2 im Vorjahr entdeckte eisenzeitliche Gebäude weiter untersucht werden sollen. Diese Arbeiten finden gleichzeitig als Lehrgrabung statt, bei welcher über ein Dutzend junger Studierender archäologische Grabungspraxis im Rahmen ihrer Ausbildung sammelt.



stol