Freitag, 1. April 2022

Kaiser Karl I.: Vor 100 Jahren starb der letzte Kaiser und König aus dem Hause Habsburg

Heute am 1. April 2022 vor 100 Jahren starb in Verbannung, in Einsamkeit aber in tiefer Gottergebenheit der letzte regierende Herrscher der Doppelmonarchie Kaiser Karl I. von Österreich, gleichzeitig Karl IV. Apostolischer König von Ungarn. Mit dem Tod des noch jungen sich im Exil befindlichen Monarchen war auch das Kronland Tirol ohne legitimen Herrscher nach der langen Zugehörigkeit zum Habsburgerimperium geblieben.

Wahlspruch Kaiser Karls I.: „Mit dem Volk für das Vaterland.“

Von Georg Hörwarter

Heute, an seinem Gedenktag, finden auf der Atlantikinsel Madeira große Feierlichkeiten in Erinnerung an den gerechten und friedensliebenden Souverän statt. Kaiser Karls sterbliche Überreste werden wohl nie in der Kapuzinergruft nach Wien überführt werden, denn die Bevölkerung besonders von Funchal, der Hauptstadt Madeiras, würde das wie die Entführung eines Heiligen empfinden. Hauptsächlich war es das einfache Inselvolk, das schon gleich nach Ankunft der im November 1921 ins Exil verwiesenen Familie große Zuneigung und Aufmerksamkeit schenkte und nach seinem Tode sofort mit der Verehrung von Ex-Kaiser Karl einsetzte.

Karls kurze Lebenszeit

Als gerne gesehener Thronfolger seitens des greisen Kaisers Franz Joseph I. folgte er diesem, nach dem Mordanschlag auf das Thronfolgerpaar Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg am 28. Juni 1914 in Sarajevo, in Wien auf den Thron. Karl war so urplötzlich zum Herrscher des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn geworden.

Bis 1916 herrschte noch der greise Franz Joseph I., nach dessen Tod aber wurde er mitten im I. Weltkrieg zum Monarchen durch die Thronfolgegesetzte bestimmt. Kaiser Karls große Bemühungen liefen darauf hinaus das Völkerringen zu beenden und rasch zu einem Friedensschluss zu kommen. Im ersten Weltkrieg war er auch der einzige Herrscher der kriegsführenden Nationen, der sich des Loses der Soldaten, sowie der Bevölkerung annahm, so z. B. gründete er das erste Sozialministerium und zog von der Hofburg in eine schlichte Dienstwohnung des Heeres nach Baden bei Wien um.

Der Langzeitpapst Johannes Paul II. setzte auch die am 3. Oktober 2004 erfolgte Seligsprechung des tugendhaften Kaisers um. Das liturgische Fest des Seligen Kaiser Karl wurde jeweils auf den 21. Oktober festgesetzt, es ist dies das Hochzeitsdatum von Karl und Zita.

Eckpunkte im Leben des letzten Herrschers der k.u.k. Doppelmonarchie Österreich-Ungarn

Karls Vater, Erzherzog Otto, war ein Neffe von Franz Joseph und zugleich Bruder des Thronfolgers Franz Ferdinand von Österreich-Este, die Mutter Josepha war sehr fromm und stammte aus dem Fürstengeschlecht der Sachsen. Karl erblickte am 17. August 1887 auf Schloss Persenbeug an der Donau das Licht der Welt, er wurde auch in der dortigen Schlosskapelle getauft. Bei der Taufe erhielt der Großneffe des Kaisers den langen Namen Karl, Franz Joseph, Ludwig, Hubert, Georg, Maria. Erzherzog Karl erlebte mit seinem später geborenen Bruder hier in Persenbeug und später in der Villa Wartholz in der Reichenau an der Rax unbeschwerte Kinderjahre.

Kaiser Karl als Kind



Bis zu seinem siebten Lebensjahr wurde Karl fast ausschließlich nur von Frauen erzogen: eben von seiner Mutter, der Hofdame Markgräfin Pallavicini, der Tante und Erzherzogin Maria Annunziata sowie der Gouvernante Miss Casey. Nach 1894 hat Graf Wallis die Erziehung Karls übernommen. Nach einer längeren Studienzeit, in der er auch das Schotten-Gymnasium in Wien besuchte, unternahm er, um die Kronländer kennenzulernen, eine längere Reise nach Galizien und in die Bukowina. 1902 hat sich Karl längere Zeit in Frankreich aufgehalten. Doch bereits 1905 begann er die militärische Laufbahn: Zunächst war er Leutnant bei den „Siebener Dragonern“ des Regiments „Herzog von Lothringen“.

In der Zwischenzeit hat Karl während eines Tennisspiels die bezaubernde Fürstentochter Zita von Bourbon-Parma kennen und lieben gelernt, am 13. Juni 1911 erfolgte die Verlobung des jungen Paares. Die feierliche Hochzeit fand dann am 21. Oktober 1911 im Schloss Schwarzau im Beisein von Kaiser Franz Joseph I. statt, dem Karl ein willkommener Großenkel war.

Kaiser Carl Franz Josef mit Gattin Zita



In der Folge wurde Karl immer mehr mit militärischen und politischen Aufgaben betraut. Zum Kaiser Franz Joseph I. und zum Thronfolger Franz Ferdinand von Habsburg-Este hatte Karl stets ein freundschaftliches und gutes Verhältnis. Die Katastrophe trat aber dann ein, als am 28. Juni 1914 das Thronfolgerpaar Franz Ferdinand von Habsburg-Este und Sophie Chotek-Gräfin von Hohenberg im Zuge eines Manöverbesuches in Sarajewo von serbischen Verschwörern kaltblütig erschossen wurde.

Der Erste Weltkrieg

Dieser Doppelmord kann als Ausgangspunkt der Urkatastrophe des Ersten Weltkrieges bezeichnet werden. Nach den umfangreichen politischen Reaktionen und einem ungeheuren Echo, das diesen Mord verurteilte, kam es zu militärischen Maßnahmen, die wie in einem Fahrplan ganze Völker vom Friedens- in den Kriegszustand versetzte. Jetzt wurden die lange schon vorhandenen Bruchlinien und Achsenbündnisse offenbar, und der Erste entsetzliche, grausame, unheilvolle Weltkrieg bzw. Völkerbrand nahm seinen Anfang.

Am 23. Juli 1914 verstrich das an Sarajevo gestellte Ultimatum einer gerichtlichen Untersuchung des Mordes. Erzherzog Karl wurde im Zuge dieser Tatsachen über Nacht der Thronfolger der jahrhundertelang schon bestehenden Monarchie, als erstes Amt und Aufgabe wurde er in dieser schon nach Krieg riechenden Zeit zum Armeekomandanten ernannt und musste in der Folgezeit immer mehr politische, verwaltungsmäßige und militärische Aufgaben übernehmen.

Kaiser Franz Joseph (l.) mit dem Thronfolgerpaar Karl und Zita



Als am 21. November 1916 der beliebte Kaiser Franz Joseph I. in Schönbrunn starb, war ein alter Monarch abgetreten und und der junge Karl wurde zum Herrscher des 53 Millionen Einwohner zählenden Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn. Zum Regierungsantritt hatte Kaiser Karl eine auf Frieden ausgerichtete Erklärung abgegeben. Am 2. Dezember 1916 proklamierte er in einem kurzen Tagesbefehl, er übernehme „in Ausübung seiner Herrscherrechte“ den unmittelbaren Befehl über alle Land- und Seestreitkräfte der Doppelmonarchie. Unter großem Zeremoniell und Feierlichkeiten fanden am 30. Dezember 1916 in der Matthias-Kirche in Budapest die Krönung zum Apostolischen König statt.

Am 1. März 1917 wurde durch Karls Befehl der bisherige umstrittene Generalstabschef Conrad von Hötzendorf abgesetzt und durch General Arthur Graf von Staußenberg ersetzt. Zwei Tage drauf startete Karl von Schloss Laxenburg aus die hochbrisante diplomatische Mission der sogenannten „Sixtus-Affäre“ durch seine beiden Schwäger Sixtus u. Xavier von Bourbon-Parma. Der von Karl angepeilte Sonderfrieden wurde von Frankreich und Italien in keiner Weise in Erwägung gezogen.

Diese misslungene Sixtus-Unternehmung brachte den deutschen Kriegsbündnis-Partner in Schwierigkeiten und Rage, da die deutschen Heeresführer immer noch zu siegessicher waren, obwohl der Krieg schon großflächig verloren war.

Die Auflösungserscheinungen durch die harten Kriegsjahre und der politischen Querelen griffen in der k.u.k. Monarchie immer mehr um sich, dazu kamen noch die äußeren und inneren Feinde im eigenen Land dazu. An der italienischen Südfront hielten die k.u.k. Truppen äußerst tapfer ihre Stellungen. Am 23. Mai 1917 trat als Endergebnis eines politischen Streites zwischen Karl und dem ungarischen Ministerpräsidenten Istvan van Tisza dieser zurück. Zu Jahresbeginn 1918 war die Lebensmittelversorgung für das Militär und für die Zivilbevölkerung immer knapper geworden.

Am 16. Oktober 1918 erließ Karl das bekannte „Völkermanifest“, dieses sah hauptsächlich vor, Österreich-Ungarn in einen Bundesstaat umzuwandeln. Kurz darauf gab es eine politische Krise wegen der Bildung der ungarischen Regierung.

Nach all diesen Misserfolgen und Auflösungserscheinungen in der k.u.k. Monarchie und dem weichenden Kriegserfolg erfolgte am 3. November 1918 der Waffenstillstand zwischen Italien und Österreich-Ungarn in der Villa Giusti bei Padua, den Italien erst 14 Stunden später auch wirklich einhielt. Durch diese Taktik waren den Italienern 350.000 österreich-ungarische Soldaten und viel Kriegsmaterial, wie eine reife Frucht in die Hände gefallen. Im verbliebenen Restösterreich wurde einige Tage nachher die Republilk „Deutschösterreich“ ausgerufen und rasch darauf wurde Karl genötigt, auf die Regierungsgeschäfte zu verzichten.

Das Exil

Als Folge davon musste er und die Familie Schönbrunn verlassen und fand zunächst im Schloss Eckartsau im Marchfeld eine vorübergehende Bleibe. Im März 1919 musste Karl und seine Familie die angestammte Heimat ganz verlassen, zunächst fanden sie an mehreren Orten in der Schweiz ein Exil. Im März 1921 begaben sich Karl und Zita, angeblich auf Anraten des damaligen Papstes, auf abenteuerliche Weise mit einem primitiven Kleinflugzeug nach Ungarn nach Erdödy-Erdöd, wo das Paar die Herrschaft über das verbliebene Ungarn-Reich einfordern wollte.

Der Reichsverweser Admiral Nikolaus Horthy von Nagybanya wusste diesen Restaurationsversuch des Königspaares zu verhindern. Der zweite Restaurationsversuch bei Cirak im Oktober desselben Jahres ging auch leider in die Binsen.

Ein harter vernichtender Schlag für Karl, da er sich an den abgelegten Treueeid vom 30. Dezember 1916 als König von Ungarn gebunden fühlte. Gerade nach diesem misslungenen Versuch Ungarn wieder regieren zu können, wurde das Herrscherpaar in Ungarn gefangen genommen und in die Abtei Tihany gebracht. Wenige Tage später wurde er samt Familie auf Befehl der Alliierten als letzter Habsburger-Herrscher am 31. Dezember 1921 von der britischen Kriegsmarine per Schiff aus Ungarn gebracht.

Kaiserin Zita als Witwe mit ihren 8 Kindern



Der Donau entlang durchs Schwarze Meer und Mittelmeer endete diese Häftlingsfahrt am 19. November 1921 auf der Atlantikinsel Madeira in Funchal. Die Familie kam mittellos dort an, und großherzige Bürger stellten dem Kaiserpaar und den wenigen mitgekommenen Kindern eine Villa am Monte oberhalb von Funchal als Wohnung zur Verfügung. Die Menschen in Funchal zeigten großen Respekt und Zuneigung zur kaiserlichen Familie und unterstützten die verarmte Familie, die von Geldnot geplagt war.

Besonders Karl wurde wegen der physischen und psychischen Belastungen schwer krank, und die Familie konnte die notwendigen Ärzte nicht bezahlen. Nach schwerem Leiden und allseits im Stich gelassen aber immer dem Herrgott und besonders der Muttergottes treu ergeben, starb der erst 35-jährige Karl an einem schweren Lungenleiden am 1. April 1922.

Während andere Mitglieder der abgetretenen Herrscherhäuser hohe Abfindungen von den jeweiligen Staaten bekamen, kümmerte sich das offizielle Österreich in keiner Weise um das Schicksal des letzten Kaisers, im Gegenteil es wurden die diskriminierenden Habsburger-Gesetzte erlassen, die alle Vertreter des Hauses Habsburg, die nicht auf den Thron verzichtet hatten, zu Todfeinden erklärt.

Der „Santo“

Karl wurde sofort von der einfachen Ortsbevölkerung als „Santo“ gesehen und verehrt, daher wurde er in der nahen Wallfahrtskirche Nossa Senhora do Monte beigesetzt, und die Verehrung setzte ein, und schon waren erste Gebetserhörungen festzustellen.

In Anbetracht des vorbildlichen, ja heiligmäßigen Lebenswandels wurde 1923 in der Erzdiözese Wien die Kaiser-Karl-Gebetsliga, die ein Verein kirchlicher Approbation ist, gegründet und der angestrebte Heiligsprechungsprozess gestartet. Trotz der vielen Rückschläge und vieler politischer Wirrnisse wurde Karl I. noch unter dem Langzeitpapst Johannes Paul II. (er hieß ja auch im bürgerlichen Namen Karol Franz Joseph Wojtyla) am 3. Oktober 2004 auf dem Petersplatz in Rom mit noch anderen heiligmäßigen Personen zum Seligen proklamiert.

Die Verehrung

Es war das schönste Ereignis, das die Südtiroler Landesgruppe in ihrer fast 100-jährigen Tätigkeit erleben konnte. Karl als christlicher Herrscher wird vorwiegend in Angelegenheiten wie Völkerfrieden, Familienanliegen, gesundheitlichen Problemen und in aussichtslosen Verkehrslagen angerufen. In Südtirol können eine Reihe von nachgewiesenen Gebetserhörungen verzeichnet werden, auch jetzt in dem umbarmherzigen Krieg, der in der Ukraine tobt, sollte Karl als Friedensfürst angerufen werden.

Der Heiligsprechungsprozess für Kaiser Karl ist zwar noch im Gange, mittlerweile ist auch ein Seligsprechungsverfahren seitens der Diözese Le Mans in Frankreich für die willensstarke und tugendsame Kaiserin Zita im Gange. Von Kaiser Karl befinden sich in den verschiedenen Südtiroler Landesteilen mehr als ein Dutzend Primärreliquien (Knochensplitter) in diversen Kirchen und Kapellen.

Aber auch in Nordtirol und im Trentino, den anderen Landesteilen des ehemaligen Kronlandes Tirol, befinden sich weitere Reliquien in Kirchen und Bethäusern. Selbst die Kathedralen von Brixen und Trient, sowie die Klöster Stams und Wilten verfügen über solche Reliquien. Nach 100 Jahren seines gottergebenen Todes hat der Sel. Kaiser Karl nichts von seiner Strahlkraft als Friedensfürst, Landes- und Familienvater, sowie als Führsprecher vieler heimatloser, entrechteter und verarmter Menschen verloren.

stol

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