Dienstag, 11. Dezember 2018

Kammerlander: „Ziele sind wichtiger als Erinnerungen“

Es war die erste Expedition, die Hans Kammerlander selbst organisierte. Mit einer Gruppe Südtiroler Bergsteiger, fast alle Bergführerkollegen und gute Freunde, kam er im Jahr nach der Skiabfahrt vom Nanga Parbat zum Manaslu, mit 8163 Metern einem der niedrigeren Achttausender, der im Gebiet von Annapurna und Dhaulagiri liegt. Doch diese Expedition endete in einem Desaster. Heute feiert der Film „Manaslu - Berg der Seelen“ Südtirol-Premiere.

Manaslu feiert am Dienstag Südtirol-Premiere. - Foto. Screenshot/Trailer
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Manaslu feiert am Dienstag Südtirol-Premiere. - Foto. Screenshot/Trailer

An dem Tag, an dem aufgrund anhaltend wechselhafter Witterungslage ein letzter Gipfelversuch am Manaslu unternommen werden sollte, kam zunächst der Grödner Karl Großrubatscher bei einem unbemerkten Absturz in unmittelbarer Nähe des letzten Hochlagers ums Leben. Und bald darauf wurde während des Rückzuges in einem Gewitterinferno Friedl Mutschlechner tödlich vom Blitz getroffen. Hans Kammerlander überlebte die Tragödie nur knapp und weil es ihm gelang, nach Mutschlechners Tod kriechend das Hochlagerzelt zu erreichen. 

Es dauerte lange, bis Kammerlander mit dem Verlust seines besten Freundes und großen Lehrmeisters Friedl Mutschlechner einigermaßen umgehen und wieder Freude am Bergsteigen finden konnte. Doch zum Manaslu mochte er nicht mehr zurückkehren. Das ist einer der Gründe dafür, warum die vollständige Sammlung der 14 Achttausender für Kammerlander nie eine wirklich wichtige Rolle gespielt hat. 

Beeindruckendes Portrait

Regisseur Gerald Salmina portraitierte Kammerlander und seine bewegende Geschichte in „Manaslu –  Berg der Seelen“. Um die dramatischen Erlebnisse von Hans Kammerlander so emotional, wie er es in seinen Bu¨chern beschreibt, zu erleben, mussten die Geschichten wie in einem Spielfilm produziert werden, da damals naturgema¨ß keine Kamera mitfilmen konnte. Die Meilensteine seiner Karriere und Wendepunkte seines Lebens wurden daher von Schauspielern in nachgespielten Szenen dargestellt. Die Dreharbeiten verlangten ihnen alles ab.

Stu¨rme bis zu 80 Kilometer pro Stunde Windgeschwindigkeit, -35 Grad Ka¨lte, Eisbru¨che und Gletscherspalten schufen originaltreue Szenen. Der Regisseur Gerald Salmina brachte die Schauspieler an Orte, welche es den Schauspielern leicht machte all das zu fu¨hlen, was Bergsteiger in Extremsituationen empfinden. Gleichzeitig wurde damit die Authentizita¨t der Anstrengungen sicherstellt, wenn man sich im ausgesetzten Gela¨nde bewegt.

Rückkehr zum Schicksalsberg

Nicht viel weniger spannend sind die Szenen am heimatlichen Bergbauernhof, welche einen tiefen Einblick in die Welt von damals zeigen und Versta¨ndnis dafu¨r schaffen, warum Hans Kammerlander fa¨hig war, solche Leistungen an den hohen Bergen der Welt zu erreichen. Der Ho¨hepunkt des Filmes findet jedoch dokumentarisch im Hier und Jetzt statt, wenn das letzte große Abenteuer des Hans Kammerlander, nochmals auf den 8163 Meter hohen Manaslu in Nepal zuru¨ckzukehren, hautnah, an den Schaupla¨tzen der Trago¨die von damals, dokumentiert wird.

Premiere am Dienstag

„Manaslu - Berg der Seelen“ feiert heute Abend seine Südtirol-Premiere im Filmclub Bozen, in Anwesenheit der Darsteller Simon Gietl, Leo Seppi, Jasmin Mairhofer und der Expedition- Teilnehmer von 1991 Gregor Demetz, Sigi Pircher, Werner Tinkhauser, Roland Losso, Brigitte Oberhollenzer & Stefan Plangger.

Der Film ist anschließend im Filmclub Bozen, Cineplexx Bozen und im Ariston Kino Meran zu sehen. 

stol

stol